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  Biographie - kleist

B i o g r a p h i e     18.10.1777 Geburt (laut Kirchenbuch und Taufzeugnis) von Bernd Heinrich Wilhelm von Kleist in Frankfurt/Oder (nach eigenen Angaben wurde er am 10.10.1777 geboren)   1788 Tod seines Vaters Joachim Friedrich von Kleist   1792-99 Offizier (letzter Rang: Sekondeleutnant)   1793 Tod seiner Mutter Juliane Ulrike, ab diesem Zeitpunkt ist seine Tante (bis zu ihrem Tod 1809) Haushaltsvorstand   1799/1800 dreisemestriges Universitätsstudium in der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt; er hört juristische und naturwissenschaftliche Vorlesungen   1801-1802 inoffiziell mit Wilhelmine Charlotte von Zenge verlobt   ab 1802 überwiegend freier Schriftsteller (drei seiner Theaterstücke wurden bis 1811 uraugeführt; er hat keine Aufführung gesehen)   1803 Anfang des Jahres: Sekretär bei dem Schriftsteller Christoph Martin Wieland   1805/06 Verwaltungsangestellter beim Finanzministerium Preußens => Kleist hatte in seinem Leben nie besonders viel Geld, meistens bekam er Geld von seiner Kusine Marie von Kleist, die er bis zu seinem Selbstmord 1811 als seine beste Freundin bezeichnet, oder von seiner Schwester Ulrike von Kleist. So nahm er jede Arbeit an, bei der er etwas Geld verdienen konnte.

  1807 irrtümlich der Spionage verdächtigt, Gefangenschaft im französischen Fort de Joux (zunächst in verschärfter Kerkerhaft, dann Kriegsgefangener); der Irrtum kam dadurch zustande, daß es 1806 in der preußischen Armee 50 Offiziere mit dem Namen Kleist gab.   1807/09 Zeitschriftenherausgeber; er gibt "Phöbus. Ein Journal für die Kunst" heraus. Grund : er fand keinen Verleger für seine Bücher und steckte in Geldnot. In diesem Journal sind Werke bekannter Autoren, auch von ihm selbst, zu lesen. Goethe wurde eingeladen mitzumachen, es wurde mit seinem Namen geworben, dieser lehnte aber ab.

  1810/11 Zeitungsherausgeber; er gibt die "Berliner Abendblätter" heraus, erneut aus Geldknappheit. Die "Abendblätter" kamen sechs mal pro Woche heraus, waren ein journalistischer Gemischtwarenladen, Druck- und Papierqualität glichen einem Flugblatt. Der grüßte Coup wurde mit der Rubrik "Polizei-Rapport" gelandet, wo Berichte des Polizeipräsidenten publiziert wurden. Doch auch diese Zeitung hatte gegen die Zensur zu kämpfen.   21.11.

1811 Erschießung (Tötung auf Verlangen) der 31jährigen Henriette Sophie Adolphine Vogel; diese war mit einem biederen Feuerversicherungsbeamten verheiratet, litt an unheilbarer Krankheit (Gebärmutterkrebs). Tod durch Selbstmord; Kleist steckt wieder in Geldnöten. Er wollte sein Glück noch einmal beim Militär versuchen, um eventuell "den schönen Tod der Schlachten zu sterben", doch es war kein Krieg zu erwarten. Da er in seinem Leben keine Perspektive mehr sieht, entschließt er sich zum Selbstmord.           Bibliographie der wesentlichen Werke       - Die Familie Schroffenstein ein Trauerspiel in fünf Aufzügen 1803     - Amphitryon ein Lustspiel nach Molière 1807     - Penthesilea ein Trauerspiel 1808     - Erzählungen Michael Kohlhaas, Die Marquise von O..

., Das Erdbeben in Chili 1810     - Das Käthchen von Heilbronn oder die Feuerprobe 1810     - Der zerbrochne Krug ein Lustspiel 1811     - Erzählungen Die Verlobung in St.Domingo, Das Bettelweib von Locarno, Der Findling, Die heilige Cäcilie, Der Zweikampf 1811     - Germania an ihre Kinder 1813     Ergänzende Zitate zur Charakterisierung Kleists       " Kleist [ist] ein nicht zu dämpfender Feuergeist, der Exaltation selbst bei Geringfügigkeiten anheim fallend, unstät, aber nur dann, wenn es auf Bereicherung seines Schatzes von Kenntnissen ankam, mit einer bewundernswerten Auffassungsgabe ausgerüstet, von Liebe und warmem Eifer für das Lernen beseelt; kurz der offenste und fleißigste Kopf von der Welt, dabei aber auch anspruchslos. "   Christian Ernst Martini über seinen Schüler         »So lange ein Mensch noch nicht im Stande ist, sich selbst einen Lebensplan zu bilden, so lange ist und bleibt er unmündig. [..




.] Die erste Handlung der Selbständigkeit eines Menschen ist der Entwurf eines solchen Lebensplans. [...] Das hohe Ziel, dem er (der Mensch) entgegenstrebt, ist das Mobil aller seiner Gedanken, Empfindungen und Handlungen.

[...] Wenn man nur sein Ziel kennt, so wird es nicht schwer sein die Gründe seines Betragens zu erforschen.«   Kleist in einem Brief an seine Schwester Ulrike im Mai 1799         " Er schien mich wie ein Sohn zu lieben und zu ehren; aber zu einem offenen und vertraulichen Benehmen war er nicht zu bringen.[.

..] Ein einziges Wort schien eine ganze Reihen von Ideen in seinem Gehirn wie ein Glockenspiel anzuziehen[...] "   Christoph Martin Wieland an Dr.

Wedekind, 10.April 1804           " Wir erfreuen uns der Gegenwart eines der vorzüglichsten, jetzt lebenden Dichter, des Herren von Kleist, der den Altar des Vaterlandes mit einem so frischen Kranze, mit dem Lustspiele Amphitruon geschmückt hat, und vielleicht längere Zeit bei uns verweilen wird[...] "   im Morgenblatt für gebildete Stände, 3.Oktober 1807           " Diese Zeitschrift soll der erste Atemzug der deutschen Freiheit sein.

Sie soll Alles aussprechen, während der letzten drei, unter dem Druck der Franzosen verseufzten, Jahre, in den Brüsten wackerer Deutschen, hat verschwiegen bleiben müssen: Alle Besorgnis, alle Hoffnung, alles Elend und alles Glück. "   Kleist in seinem Programm zur Germania       Zitate Kleists zur Literatur       " Tut mir den Gefallen und liest das Buch nicht. Ich bitte euch darum. Es ist eine elende Scharteke. Kurz, tut es nicht. Hört ihr ? "   Kleist zu seinem ersten Werk Die Familie Schroffenstein an seine "allernächsten Verwandten"       " Meine eigene Tragödie [.

..] müßte, gut deklamiert, eine bessere Wirkung tun, als schlecht vorgestellt "   Heinrich von Kleist           Zwei Lesetexte   1.   "Der zerbrochne Krug" - 4.Auftritt     Vierter Auftritt   Der Gerichtsrat Walter tritt auf. Die Vorigen.

  WALTER. Gott grüß Euch, Richter Adam. ADAM. Ei, willkommen! Willkommen, gnädger Herr, in unserm Huisum! Wer konnte, du gerechter Gott, wer konnte So freudigen Besuches sich gewärtgen. Kein Traum, der heute früh Glock achte noch Zu solchem Glücke sich versteigen durfte. 290 WALTER.

Ich komm ein wenig schnell, ich weiß; und muß Auf dieser Reis, in unsrer Staaten Dienst, Zufrieden sein, wenn meine Wirte mich   16/II Mit wohlgemeintem Abschiedsgruß entlassen. Inzwischen ich, was meinen Gruß betrifft, Ich meins von Herzen gut, schon wenn ich komme. Das Obertribunal in Utrecht will Die Rechtspfleg auf dem platten Land verbessern, Die mangelhaft von mancher Seite scheint, Und strenge Weisung hat der Mißbrauch zu erwarten. 300 Doch mein Geschäft auf dieser Reis ist noch Ein strenges nicht, sehn soll ich bloß, nicht strafen, Und find ich gleich nicht alles, wie es soll, Ich freue mich, wenn es erträglich ist. ADAM. Fürwahr, so edle Denkart muß man loben.

Euer Gnaden werden hie und da, nicht zweifl' ich, Den alten Brauch im Recht zu tadeln wissen; Und wenn er in den Niederlanden gleich Seit Kaiser Karl dem fünften schon besteht: Was läßt sich in Gedanken nicht erfinden? 310 Die Welt, sagt unser Sprichwort, wird stets klüger,   17/I Und alles liest, ich weiß, den Puffendorf; Doch Huisum ist ein kleiner Teil der Welt, Auf den nicht mehr, nicht minder, als sein Teil nur Kann von der allgemeinen Klugheit kommen. Klärt die Justiz in Huisum gütigst auf, Und überzeugt Euch, gnädger Herr, Ihr habt Ihr noch sobald den Rücken nicht gekehrt, Als sie auch völlig Euch befriedgen wird; Doch fändet Ihr sie heut im Amte schon 320 Wie Ihr sie wünscht, mein Seel, so wärs ein Wunder, Da sie nur dunkel weiß noch, was Ihr wollt. WALTER. Es fehlt an Vorschriften, ganz recht. Vielmehr Es sind zu viel, man wird sie sichten müssen. ADAM.

Ja, durch ein großes Sieb. Viel Spreu! Viel Spreu! WALTER. Das ist dort der Herr Schreiber? LICHT. Der Schreiber Licht, Zu Eurer hohen Gnaden Diensten. Pfingsten Neun Jahre, daß ich im Justizamt bin.   17/II   ADAM (bringt einen Stuhl).

Setzt Euch. WALTER. Laßt sein. ADAM. Ihr kommt von Holla schon. WALTER.

Zwei kleine Meilen - Woher wißt Ihr das? 330 ADAM. Woher? Euer Gnaden Diener - LICHT. Ein Bauer sagt' es, Der eben jetzt von Holla eingetroffen. WALTER. Ein Bauer? ADAM. Aufzuwarten.

WALTER. - Ja! Es trug sich Dort ein unangenehmer Vorfall zu, Der mir die heitre Laune störte, Die in Geschäften uns begleiten soll. - Ihr werdet davon unterrichtet sein? ADAM. Wärs wahr, gestrenger Herr? Der Richter Pfaul, Weil er Arrest in seinem Haus empfing, Verzweiflung hätt den Toren überrascht, 340 Er hing sich auf?   18/I   WALTER. Und machte übel ärger. Was nur Unordnung schien, Verworrenheit, Nimmt jetzt den Schein an der Veruntreuung, Die das Gesetz, Ihr wißts, nicht mehr verschont.

- Wie viele Kassen habt Ihr? ADAM. Fünf, zu dienen. WALTER. Wie, fünf! Ich stand im Wahn - Gefüllte Kassen? Ich stand im Wahn, daß Ihr nur vier - ADAM. Verzeiht! Mit der Rhein-Inundations-Kollektenkasse? WALTER. Mit der Inundations-Kollektenkasse! Doch jetzo ist der Rhein nicht inundiert, 350 Und die Kollekten gehn mithin nicht ein.



- Sagt doch, Ihr habt ja wohl Gerichtstag heut? ADAM. Ob wir -? WALTER. Was? LICHT. Ja, den ersten in der Woche.     18/II   WALTER. Und jene Schar von Leuten, die ich draußen Auf Eurem Flure sah, sind das -? ADAM.

Das werden - LICHT. Die Kläger sinds, die sich bereits versammeln. WALTER. Gut. Dieser Umstand ist mir lieb, ihr Herren. Laßt diese Leute, wenns beliebt, erscheinen.

Ich wohne dem Gerichtsgang bei; ich sehe Wie er in Eurem Huisum üblich ist. 360 Wir nehmen die Registratur, die Kassen, Nachher, wenn diese Sache abgetan. ADAM. Wie Ihr befehlt. - Der Büttel! He! Hanfriede!         2.   "Über das Marionettentheater" von Heinrich v.

Kleist     Als ich den Winter 1801 in M... zubrachte, traf ich daselbst eines Abends, in einem öffentlichen Garten,den Herrn C. an, der seit kurzem, in dieser Stadt, als erster Tänzer der Oper, angestellt war, und bei dem Publiko außerordentliches Glück machte.   Ich sagte ihm, daß ich erstaunt gewesen wäre, ihn schon mehrere Male in einem Marionettentheater zu finden, das auf dem Markte zusammengezimmert worden war, und den Pöbel, durch kleine dramatische Burlesken, mit Gesang und Tanz durchwebt, belustigte.

  Er versicherte mir, daß ihm die Pantomimik dieser Puppen viel Vergnügen machte, und ließ nicht undeutlich merken, daß ein Tänzer, der sich ausbilden wolle, mancherlei von ihnen lernen könne.   Da die Äußerung mir, durch die Art, wie er sie vorbrachte, mehr, als ein bloßer Einfall schien, so ließ ich mich bei ihm nieder, um ihn über die Gründe, auf die er eine so sonderbare Behauptung stützen könne, näher zu vernehmen.   Er fragte mich, ob ich nicht, in der Tat, einige Bewegungen der Puppen, besonders der kleineren, im Tanz sehr graziös gefunden hatte.   Diesen Umstand konnte ich nicht leugnen. Eine Gruppe von vier Bauern, die nach einem raschen Takt die Ronde tanzte, hätte von Teniers nicht hübscher gemalt werden können.   Ich erkundigte mich nach dem Mechanismus dieser Figuren, und wie es möglich wäre, die einzelnen Glieder derselben und ihre Punkte, ohne Myriaden von Fäden an den Fingern zu haben, so zu regieren, als es der Rhythmus der Bewegungen, oder der Tanz, erfordere?   Er antwortete, daß ich mir nicht vorstellen müsse, als ob jedes Glied einzeln, während der verschiedenen Momente des Tanzes, von dem Maschinisten gestellt und gezogen würde.

  Jede Bewegung, sagte er, hätte einen Schwerpunkt; es wäre genug, diesen, in dem Innern der Figur, zu regieren; die Glieder, welche nichts als Pendel wären, folgten, ohne irgend ein Zutun, auf eine mechanische Weise von selbst.   Er setzte hinzu, daß diese Bewegung sehr einfach wäre; daß jedesmal, wenn der Schwerpunkt in einer graden Linie bewegt wird, die Glieder schon Kurven beschrieben; und daß oft, auf eine bloß zufällige Weise erschüttert, das Ganze schon in eine Art von rhythmische Bewegung käme, die dem Tanz ähnlich wäre.   Diese Bemerkung schien mir zuerst einiges Licht über das Vergnügen zu werfen, das er in dem Theater der Marionetten zu finden vorgegeben hatte. Inzwischen ahndete ich bei weitem die Folgerungen noch nicht, die er späterhin daraus ziehen würde.   Ich fragte ihn, ob er glaubte, daß der Maschinist, der diese Puppen regierte, selbst ein Tänzer sein, oder wenigstens einen Begriff vom Schönen im Tanz haben müsse?   Er erwiderte, daß wenn ein Geschäft, von seiner mechanischen Seite, leicht sei, daraus noch nicht folge, daß es ganz ohne Empfindung betrieben werden könne.   Die Linie, die der Schwerpunkt zu beschreiben hat, wäre zwar sehr einfach, und, wie er glaube, in den meisten Fällen, gerad.

In Fällen, wo sie krumm sei, scheine das Gesetz ihrer Krümmung wenigstens von der ersten oder höchstens zweiten Ordnung; und auch in diesem letzten Fall nur elliptisch, welche Form der Bewegung den Spitzen des menschlichen Körpers (wegen der Gelenke) überhaupt die natürliche sei, und also dem Maschinisten keine große Kunst koste, zu verzeichnen.   Dagegen wäre diese Linie wieder, von einer andern Seite, etwas sehr Geheimnisvolles. Denn sie wäre nichts anders, als der Weg der Seele des Tänzers; und er zweifle daß sie anders gefunden werden könne, als dadurch, daß sich der Maschinist in den Schwerpunkt der Marionette versetzt, d. h. mit andern Worten, tanzt.   Ich erwiderte, daß man mir das Geschäft desselben als etwas ziemlich Geistloses vorgestellt hätte: etwa was das Drehen einer Kurbel sei, die eine Leier spielt.

  Keineswegs, antwortete er. Vielmehr verhalten sich die Bewegungen seiner Finger zur Bewegung der daran befestigten Puppen ziemlich künstlich, etwa wie Zahlen zu ihren Logarithmen oder die Asymptote zur Hyperbel.   Inzwischen glaube er, daß auch dieser letzte Bruch von Geist, von dem er gesprochen, aus den Marionetten entfernt werden, daß ihr Tanz gänzlich ins Reich mechanischer Kräfte hinübergespielt, und vermittelst einer Kurbel, so wie ich es mir gedacht, hervorgebracht werden könne.   Ich äußerte meine Verwunderung zu sehen, welcher Aufmerksamkeit er diese, für den Haufen erfundene, Spielart einer schönen Kunst würdigte. Nicht bloß, daß er sie einer höheren Entwicklung für fähig halte: er scheine sich sogar selbst damit zu beschäftigen.   Er lächelte, und sagte, er getraue sich zu behaupten, daß wenn ihm ein Mechanikus, nach den Forderungen, die er an ihn zu machen dächte, eine Marionette bauen wollte, er vermittelst derselben einen Tanz darstellen würde, den weder er, noch irgend ein anderer geschickter Tänzer seiner Zeit, Vestris selbst nicht ausgenommen, zu erreichen imstande wäre.



  Haben Sie, fragte er, da ich den Blick schweigend zur Erde schlug: haben Sie von jenen mechanischen Beinen gehört, welche englische Künstler für Unglückliche verfertigen, die ihre Schenkel verloren haben?   Ich sagte, nein: dergleichen wäre mir nie vor Augen gekommen.   Es tut mir leid, erwiderte er; denn wenn ich Ihnen sage, daß diese Unglücklichen damit tanzen, so fürchte ich fast, Sie werden es mir nicht glauben. - Was sag ich, tanzen? Der Kreis ihrer Bewegungen ist zwar beschränkt; doch diejenigen, die ihnen zu Gebote stehen, vollziehen sich mit einer Ruhe, Leichtigkeit und Anmut, die jedes denkende Gemüt in Erstaunen setzen.   Ich äußerte, scherzend, daß er ja, auf diese Weise, seinen Mann gefunden habe. Denn derjenige Künstler, der einen so merkwürdigen Schenkel zu bauen imstande sei, würde ihm unzweifelhaft auch eine ganze Marionette, seinen Forderungen gemäß, zusammensetzen können.   Wie, fragte ich, da er seinerseits ein wenig betreten zur Erde sah: wie sind denn diese Forderungen, die Sie an die Kunstfertigkeit desselben zu machen gedenken, bestellt?   Nichts, antwortete er, was sich nicht auch schon hier fände; Ebenmaß, Beweglichkeit, Leichtigkeit - nur alles in einem höheren Grade; und besonders eine naturgemäßere Anordnung der Schwerpunkte.

  Und der Vorteil, den diese Puppe vor lebendigen Tänzern voraus haben würde?   Der Vorteil? Zuvörderst ein negativer, mein vortrefflicher Freund, nämlich dieser, daß sie sich niemals zierte. - Denn Ziererei erscheint, wie Sie wissen, wenn sich die Seele (vis motrix) in irgend einem andern Punkte befindet, als in dem Schwerpunkt der Bewegung. Da der Maschinist nun schlechthin, vermittelst des Drahtes oder Fadens, keinen andern Punkt in seiner Gewalt hat, als diesen: so sind alle übrigen Glieder, was sie sein sollen, tot, reine Pendel, und folgen dem bloßen Gesetz der Schwere; eine vortreffliche Eigenschaft, die man vergebens bei dem größesten Teil unsrer Tänzer sucht.   Sehen Sie nur die P...

an, fuhr er fort, wenn sie die Daphne spielt, und sich, verfolgt vom Apoll, nach ihm umsieht; die Seele sitzt ihr in den Wirbeln des Kreuzes; sie beugt sich, als ob sie brechen wollte, wie eine Najade aus der Schule Bernins. Sehen Sie den jungen F... an, wenn er, als Paris, unter den drei Göttinnen steht, und der Venus den Apfel überreicht; die Seele sitzt ihm gar (es ist ein Schrecken, es zu sehen) im Ellenbogen.   Solche Mißgriffe, setzte er abbrechend hinzu, sind unvermeidlich, seitdem wir von dem Baum der Erkenntnis gegessen haben.

Doch das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwo wieder offen ist.   Ich lachte. - Allerdings, dachte ich, kann der Geist nicht irren, da, wo keiner vorhanden ist. Doch ich bemerkte, daß er noch mehr auf dem Herzen hatte, und bat ihn, fortzufahren.   Zudem, sprach er, haben diese Puppen den Vorteil, daß sie antigrav sind. Von der Trägheit der Materie, dieser dem Tanze entgegenstrebendsten aller Eigenschaften, wissen sie nichts: weil die Kraft, die sie in die Lüfte erhebt, größer ist, als jene, die sie an der Erde fesselte.

Was würde unsre gute G... darum geben, wenn sie sechzig Pfund leichter wäre, oder ein Gewicht von dieser Größe ihr bei ihren Entrechats und Pirouetten, zu Hülfe käme? Die Puppen brauchen den Boden nur, wie die Elfen, um ihn zu streifen, und den Schwung der Glieder, durch die augenblickliche Hemmung neu zu beleben; wir brauchen ihn, um darauf zu ruhen, und uns von der Anstrengung des Tanzes zu erholen: ein Moment, der offenbar selber kein Tanz ist, und mit dem sich weiter nichts anfangen läßt, als ihn möglichst verschwinden zu machen.   Ich sagte, daß, so geschickt er auch die Sache seiner Paradoxe führe, er mich doch nimmermehr glauben machen würde, daß in einem mechanischen Gliedermann mehr Anmut enthalten sein könne, als in dem Bau des menschlichen Körpers.   Er versetzte, daß es dem Menschen schlechthin unmöglich wäre, den Gliedermann darin auch nur zu erreichen.

Nur ein Gott könne sich, auf diesem Felde, mit der Materie messen; und hier sei der Punkt, wo die beiden Enden der ringförmigen Welt in einander griffen.   Ich erstaunte immer mehr, und wußte nicht, was ich zu so sonderbaren Behauptungen sagen sollte.           Begründungen     Zitate zur Charakterisierung:   Zitat Nr. 1 : Kleists ehemaliger Lehrer Christian Ernst Martini beschreibt, wie Kleist während seiner Kindheit und Jugend war: anspruchslos, offen, jedoch auch unruhig, vor allem wissbegierig, er hatte eine gute Auffassungsgabe und war sehr fleißig.   Zitat Nr.2: Sich nicht »den Launen des Tyrannen Schicksal« hinzugeben, sich und seinem Handeln ein Ziel zu geben, ist das erklärte Vorhaben Kleists.

Dies alles ist ganz im Stile seiner, Kleists, Zeit, der Aufklärung. Die Vernunft, das selbstverantwortliche, eben vernünftige Leben wird propagiert. Immanuel Kants, des Philosophen, Schriften behandeln dieses Thema, er wird zum Vordenker und prägenden Geist einer Epoche, die die Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert bestimmen wird. Kleist wird Kant 1801 lesen und diese Lektüre ihn in die vielzitierte Kant-Krise stürzen. Doch im Jahre 1799 ist sein Denken schon vernunftbestimmt, die Unterordnung unter das System der Vernunft vollzogen.



Der Plan der Lebensbewältigung unter dem Aspekt einer intellektuell gesteuerten Lebensweise zeigt bereits den Geist des Königsbergers. Betrachtet man dagegen die Biographie, so kann man berechtigte Zweifel am vernunftgesteuerten Lebensplan Heinrich von Kleists hegen. Denn der Biographie nach ist sein Leben nicht die Verwirklichung eines Lebensplanes, nicht das stetige Hinarbeiten auf ein "Ziel", kein vernunftgesteuertes Handeln bestimmt es.(Aus einer Magisterarbeit)   Zitat Nr.3: Auch der Schriftsteller Christoph Martin Wieland, bei dem Kleist kurze Zeit Sekretär war, lobt Kleists Geist, vor allem seine zündenden Ideen. Martini bezeichnete den jungen Kleist als offen, Wieland sagt jedoch von dem inzwischen 26 Jahre alten Kleist, daß er nicht zu einem offenen Benehmen zu bringen sei.

  Zitat Nr.4: Vom Morgenblatt für gebildete Stände wird Kleist als "vorzüglichster jetzt lebender Dichter" gelobt und sein neues Werk Amphitryon gefeiert. Das hat zwar keinen allzu hohen Stellenwert, da die Zeitschrift mit dieser Aussage vor allem auch für sich selbst wirbt, da Kleist für "vielleicht längere Zeit" bei der Zeitung arbeiten wird (was er jedoch nicht machte). Dennoch zeigt es, daß Kleist auch zu Lebzeiten ein geachteter Dichter war.   Zitat Nr.5: Dieses Zitat aus dem Programm zur Germania zeigt ganz deutlich Kleists politische Position: er dachte nationalistisch, er hatte eine anti-napoleonische Gesinnung.

    Zitate Kleists zur Literatur:   Zitat Nr.1: Kleist wollte bei seinem ersten Werk, der Familie Schroffenstein, das anonym (ohne Nennung des Autors) herausgegeben wurde, verhindern, daß jemand erfährt, daß er hinter diesem Stück steht.   Zitat Nr.2: Kleist stand der Aufführunspraxis des zeitgenössischen Theaters stets skeptisch gegenüber, daher diese Aussage.     Zwei Lesetexte:   Text Nr.1: Der Lesetext ist Kleists Lustspiel Der zerbrochne Krug entnommen.

Zum Verständnis eine kurze Inhaltsangabe: das Stück spielt in einem Ort bei Utrecht in den Niederlanden im 18. Jahrhundert. Der bauernschlaue Dorfrichter Adam erhofft sich ein spätes Abenteuer mit dem leichtgläubigen Evchen. Um sich ihr nähern zu können, hat er ihr eingeredet, daß ihr Bräutigam Ruprecht zum Kolonialdienst einberufen würde, falls er - Adam ihm nicht auf Grund seiner guten Beziehungen Dispens verschaffe. So ein Schreiben wolle er ihr bringen - an die Schlafkammer, abends und höchst persönlich. Dort wird er aber von Ruprecht überrascht und verprügelt.

Unerkannt kann der alte Schwerenöter entwischen, aber auf der Flucht zerschlägt er unglücklicherweise einen Krug. Dieser Krug ist der Anlaß, daß am nächsten Morgen Evchens Mutter vor den zerschundenen Richter tritt und den unbekannten Täter anklagt. Der Zufall will es, daß der Gerichtsrat Walter zur Revision erscheint und den armen Adam folglich zur sofortigen Abhaltung des Prozesses zwingt. Vergebens sucht der Dorfrichter sich zu wenden und zu drehen, seine Ausreden und Lügen ziehen im Grunde die Schlinge um ihn immer enger - bis schließlich zum Ergötzen aller aus dem Richter der Schuldige wird. In dem Lesetext -dem kompletten vierten Auftritt- tritt der Gerichtsrat Walter zum ersten Mal auf, und der Leser beginnt , den Dorfrichter Adam als Übeltäter zu verdächtigen.     Text Nr.

2: Kleist schreibt in diesem Text sein Gespräch mit einem Tänzer über das Marionettentheater nieder.       Zehn Quizfragen zu Heinrich v. Kleist     1. Warum beging Kleist Selbstmord ?     2. Wann und in welcher Stadt wurde Kleist geboren ?     3. Was war sein erstes Werk (Name und Datum der Uraufführung) ?     4.

Warum brachte Kleist die Zeitschrift "Phöbus" heraus ?     5. Wieviele authentische Porträts von Kleist gibt es ?     6. Warum war Kleist in französischer Kriegsgefangenschaft ?     7. Wieviele Aufführungen seiner Theaterstücke hat er gesehen ?     8. Mit wem war Kleist eine zeitlang verlobt ?     9. Welche beiden Frauen halfen Kleist bis zu dessen Selbstmord des öfteren aus Geldnöten heraus ?     10.

Was studierte Kleist in der philosophischen Fakultät der Universität Frankfurt vorwiegend ?   Autor : Hannes Schuler Klasse : 11a   Sekundärliteratur: dtv portrait Heinrich von Kleist von Peter Staengle u.a. für : - Biographie - Bibliographie - Zitate   Internetadressen: www.kleist.org (Kleist-Archiv Sembdner der Stadt Heilbronn) für : - Zitate - Begründungen für die Auswahl der Texte/Zitate - Inhaltsangabe für "Der zerbrochne Krug"   www.gutenberg.

aol.de /autoren/kleist für: - "Über das Marionettentheater" CD-ROM : Heinrich von Kleist - Der zerbrochne Krug (Reclam)

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