"Jedermann"
Hugo von Hofmannsthal
1) Die Biographie des Autors
Hugo von Hofmannsthal wurde am 1. Februar 1874 als einziges Kind eines Bankdirektors in Wien geboren. Noch als Gymnasiast veröffentlichte er, meist unter dem Pseudonym Loris, seine ersten Gedichte und das Versdrama Gestern, das seinen frühen Ruhm innerhalb des literarischen Wien begründete und ihm Einlaß in die Salons des gebildeten Wiener Großbürgertums verschaffte.
Er wurde in den Kreis der sogenannten Jung Wiener Literaten aufgenommen, die sich in den Wiener Cafés, vor allem im Griensteidl, trafen, unter ihnen Richard Beer-Hofmann, Arthur Schnitzler, Felix Salten, Karl Kraus und Hermann Bahr. Der deutsche Dichter Stefan George umwarb ihn. 1892 erschien Der Tod des Tizian in dessen 'Blättern für die Kunst', auch wurden dort in der Folgezeit Hofmannsthals berühmteste Gedichte wie Vorfrühling, Weltgeheimnis, Ballade des äußeren Lebens u.
a. veröffentlicht, obwohl seine Beziehung zu George von Anfang an äußerst spannungsreich war.
An der Wiener Universität studierte Hofmannsthal zunächst Jura, dann romanische Philologie und promovierte 1898 mit einer Arbeit über den Sprachgebrauch bei den Dichtern der Plejade. Eine Habilitationsschrift Studie über die Entwickelung des Dichters Victor Hugo stellte er 1901 fertig, zog sein Habilitationsgesuch jedoch zurück.
Von nun an lebte er als freier Schriftsteller, vor allem für das Theater, zunächst in Beziehung zu Otto Brahms Berliner 'Freien Bühne', später in enger Zusammenarbeit mit Max Reinhardt. So entstanden die Kleinen Dramen in den neunziger Jahren des 19.
Jhs. und dann, zu Beginn des 20. Jhs. Das gerettete Venedig, Elektra, Ödipus und die Sphinx, nach dem ersten Weltkrieg auch Komödien, Der Schwierige, Der Unbestechliche.
Für den Komponisten Richard Strauss schrieb Hofmannsthal die Libretti Elektra, Der Rosenkavalier, Ariadne auf Naxos, Die Frau ohne Schatten und Arabella.
Zusammen mit Max Reinhardt begründete er in den zwanziger Jahren die Salzburger Festspiele und schrieb dafür die Dramen Jedermann und Das Salzburger Große Welttheater.
Neben dern Erzählungen Das Märchen der 672. Nacht, Reitergeschichte, Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre, Lucidor und Die Frau ohne Schatten, ist der unvollendete Romanentwurf Andreas zu nennen.
Bedeutend sind auch sein essayistisches Werk und die Erfundenen Gespräche und Briefe, vor allem der bekannte Brief des Lord Chandos, mit seiner Sprachkritik.
Das Mißtrauen gegenüber dem geschriebenen Wort führte Hofmannsthal auch zum Ballett und zur Pantomime, später zum Film (damals noch stumm), wofür er ebenfalls Texte schrieb.
Am 15. Juli 1929 starb Hofmannsthal, am Tag der Beerdigung seines Sohnes Franz, der sich zwei Tage zuvor erschossen hatte.
Hier noch einmal seine wichtigsten Werke:
1911 Der Rosenkavalier
1911 Jedermann
1912 Ariadne auf Naxos
1919 Die Frau ohne Schatten
1921 Der Schwierige
1923 Der Unbestechliche
2) Das Stück und seine Bedeutung:
>Jedermann< ist neben dem >Rosenkavalier< Hugo von Hofmannsthals populärstes Werk. Millionen haben >Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes< auf dem Domplatz von Salzburg und anderswo gesehen, Hunderttausende das Stück gelesen. Mit diesemWerk hat sich der Wunsch des Dichters nach Volkstümlichkeit er-
füllt: nach dem »Spiel vor der Menge«, nach einer Kunst, die das Trennende von Gesellschaftsklassen und Bildungsstufen aufhebt und zu allen spricht. Diese ernste Volksstümlichkeit ist weder künstlich noch naiv. Wie immer bei Hofmannsthal eröffnen sich auch hier Perspektiven der Weltliteratur: Jedermann kommt von weit her. Als Vorlage diente eine alte englische »Moralität«, die neben einer niederländischen und einer niederdeutschen Version überliefert ist.
Hofmannsthal hat mehr angestrebt als bloße Erbauung. In einer Zeit scheinbar unangefochtenen Wohlstandes spürte er Fragwürdigkeiten und Bedrohungen des bestehenden; in der Gestalt und Funktion des Mammon werden Gesellschaftskritik, ja antikapitalistische Kritik deutlich. Und fürs lebende Theater hat Hofmannsthal das alte Spiel erneuert : Max Reinhardt regte seine Kunst an und realisierte sie. 1911 hat er >Jedermann< in Berlin im Zirkus Schumann uraufgeführt. Seine Verwirklichung fand das Werk in Salzburg. 1920 wurde es dort zum ersten Mal vor der Fassade des Doms gespielt, vor ihren steinernen Figuren, zu denen sich die Figuren der Darsteller gesellten.
Hofmannsthal und Reinhardt fügten eine ganze, unvergleichliche Stadt, ihre Architektur, ihre Gloken, ihre Luft, ins Kunstwerk für alle ein.
3) Das Werk
Als Gott der Herr sieht, daß man ihn auf der Erde nicht mehr schätzt und ihn nicht mehr als Schöpfer und Gebieter ehrt, beschließt er, die Menschen durch den Tod wieder an seine Allmacht zu erinnern. Er trägt dem Tod auf, in das Haus des Federmann zu gehen und ihn vor das göttliche Gericht zu rufen.
Jedermann ist sehr reich und er lebt in einem prunkvollen Haus, aber er ist äußerst habsüchtig und geizig. Eines Tages befiehlt Jedermann nun dem Hausvogt, er möge ihm eine Geldsäckel bringen, damit er das Grundstück, das er zu kaufen gedenkt, bezahlen könne. Er will dort einen Lustgarten anlegen, den er seiner Buhlschaft zu schenken gedenkt.
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