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  Embryonalentwicklung

EmbrEMBRYONALENTWICKLUNG    ABENTEUER DER BEFRUCHTUNG   Eine Frau kann durch die normale, sexuelle Fortpflanzung, aber auch durch die In-Vitro-Befruchtung (künstl. Befruchtung) schwanger werden und ein Kind zur Welt bringen. Diese Befruchtung kann mit Spermien, die von ihrem Partner entnommen und ihrer eigenen Eizelle unter dem Mikroskop mit einer winzigen Pippete durchgeführt werden. Die Frau kann ihr Kind selbst austragen. Die Revolution der künstlichen Befruchtung hat die Gesellschaft zur Schaffung von Gesetzen gezwungen. Sie hat sie dazu gezwungen, eine neue Ethik aufzubauen, die Bioethik.

  Eizelle und Spermium   Im Eierstock einer Frau befinden sich 160.000 Zellen, wovon nach einer strengen Auswahl nur 300 bis 500 in den fruchtbaren Jahren heranreifen. Das Ejakulat eines Mannes enthält im Gegensatz dazu Millionen von Spermien.   Geschlechtszellenbilung Bei der ersten Reifeteilung, der Meiose, wird die Zahl der Chromosomen auf die Hälfte herabgesetzt und das Erbgut durchmischt und neu kombiniert. Die Längsteilung der Chromosomen unterbleibt, die homologen Chromosomenpaare trennen sich und werden auf zwei Tochterzellen verteilt.   Spermien sind mit ihrer Größe von fünf Hundertsteln eines Millimeters die kleinsten Zellen des menschlichen Körpers, welche durch Teilung auf jeweils zwei Sätze zu je 23 Chromosomen reduziert werden.

Wenn sie erst einmal ausgestoßen worden sind, bleibt ihre befruchtende Eigenschaft nur einige Stunden bis höchstens zwei Tage erhalten.   Nur einige wenige von ihnen erreichen die Eizelle und es ist auch nicht unbedingt der Fall, dass das wiederstandsfähigste oder flinkste Sperma die beste Sammlung an Chromosomen enthält.   Befruchtung Bei der Befruchtung verschmelzen Ei- und Samenzelle zur befruchteten Eizelle (diploiden Zygote). Durch fortgesetzte Zellteilungen entsteht aus der Zygote ein vielzelliges Lebewesen. Die Gesamtheit der Erbanlagen bezeichnet man als Erbbild, die Gesamtheit aller auftretenden Eigenschaften als Erscheinungsbild.   Nur einem einzigen Spermium gelingt es in die Eizelle einzudringen und sobald dies geschehen ist, löst es im Ei die Absonderung einer Substanz aus, die die Membran härten lässt und alle anderen Spermien daran hindert, einzudringen.

Der Schwanz löst sich ab und die 23 väterlichen Chromosomen vereinen sich mit den 23 mütterlichen. Ein neues Leben beginnt.   Die gesamte genetische Information, ist in den beiden Sätzen zu je 23 Chromosomen enthalten.   Die künstliche Befruchtung   1940 kam es an der Universität von Boston zu einem Skandal, weil Arthur T. Hertig, befruchtete menschliche Eizellen, unters Mikroskop legen wollte. Vier Jahre später versuchte ein Gynäkologe der Harvard University die menschlichte Befruchtung im Labor nachzuvollziehen – ohne Erfolg.

Am 25. Juli 1978 kam das erste 'Reagenzglas-Baby' auf die Welt. Gegenwärtig zählt man weltweit mehr als 600.000 künstlich gezeugte Kinder.   Die Spende einer Eizelle ist in Österreich und Deutschland gesetzlich geregelt. Sie muss kostenlos und freiwillig gegeben werden.

Das Verfahren und die Anforderungen an die Spenderin sind streng überwacht, so einfach wie in den USA funktioniert es in ganz Europa nicht. In den USA werben die Ärzte unter Studentinnen Spenderinnen an, die mit 2.000 US$ bezahlt werden. In den USA ist nicht die Spenderin der Eizelle oder des Embryos Mutter des Kindes, sondern die Frau, die es bei der Entbindung zur Welt bringt.   "Beherrschung" der Fortpflanzung   1956 entwickelte Gregory Pincus in Amerika die empfängnisverhütende Pille. Seit damals wurde diese verbessert und nun von mehr als 50 Millionen Frauen weltweit eingenommen.

G. P. fand heraus, dass, das Hormon Progesteron die Empfängnis eines (weiteren) Kindes verhindert.   Nachdem der Eierstock Östrogene abgegeben hat, um den Eisprung herbeizuführen, produziert er nun das Progesteron. Das Progesteron verhindert nun eine nochmalige Empfängnis. Dieses Hormon blockiert den Eisprung, stellt die Tage der Frau ein, hindert die Gebärmutter daran zu bluten und stoppt den Ansturm anderer Spermien, indem es einen Pfropfen am Eingang des Gebärmutterhalses bildet.

  Jeden Monat reift eine Eizelle in den Eierstöcken heran und schwimmt in eine Knospe (füllt sich währenddessen mit einer alkalischen Flüssigkeit) von 25 Millimeter => Eifollikel. Die Eizelle gilt als größte Zelle des weiblichen Organismus.   Junge oder Mädchen?   Der Kopf des Spermiums enthält einen einzigen Satz von 23 Chromosomen, die dazu bestimmt sind, sich mit den 23 mütterlichen Chromosomen zu verbinden. Einer aus der Spermienvielzahl, Träger eines X-Chromosoms, verbindet sich mit einem X-Chromosom der Mutter und ergibt ein Mädchen. Ist das väterliche Chromosom ein Y, wird ein XY Paar gebildet und wird ein Junge. Erst nach dem dritten Monat kann man mit Sicherheit, bei einer Ultraschalluntersuchung, sagen, welches Geschlecht das Kind haben wird.


Schon während der ersten Lebenstage des Kindes kann man Zellen entnehmen und kann dadurch ein genetisches Profil erstellen und natürlich auch das Geschlecht bestimmen.     Stadien der Embryonalentwicklung   Fruchtungsteilungen   Während das befruchtete Ei in vier Tagen im Eileiter in Richtung Gebärmutter wandert, teilen sich seine Zellen etwa alle zwölf Stunden. Schon nach wenigen Tagen produziert der Embryo 2.000 bis 5.000 und dann über 60.000 Milliarden, aus denen ein Kind, ein Mensch, bei der Geburt besteht.

Jetzt hat sich das befruchtete Ei etwa achtmal geteilt, um 256 identische Zellen zu erhalten. Diese Ansammlung von Zellen wird Morula (kleine Maulbeere) genannt. In diesem Stadium nennt man das heranwachsende Kind Embryo. Es steuert die Wanderung des Eies durch den Eileiter, leitet die Einnistung des Embryos, fördert die Ausbildung der Brustdrüsen und aktiviert alle Energien der schwangeren Frau.   Zu eineiigen Zwilligen kommt es, wenn sich das befruchtete Ei geteilt hat und sich zwei Fragmente in zwei verschiedenen Teilen der Gebärmutter einnisten. Bei zweieiigen Zwillingen wurden zwei Eizellen gleichzeitig befruchtet – sind also aus zwei verschiedenen Eiern.

Im Durchschnitt kommen vier Zwillinge auf tausend Geburten.   Einnistung des Eis - Blastozyste   Auch nach dem 15. Tag der Befruchtung weiß die Mutter noch immer nicht, dass sie schwanger ist, könnte es höchstens an dem Ausbleiben der Tage ahnen. Die lebende Zelltraube hat sich in die Gebärmutterschleimhaut eingenistet. Die einzelnen Zellen beginnen sich zu ordnen ..

. Der Embryo besitzt ab diesem Augenblick ein Oben, Unten, Rechts und Links und hat die Größe eines Grießkorns. Gewisse Zellen haben sich am Rand gelagert, um die Schutzhülle zu bilden. Mit der Zeit bildet sich die Plazenta. Der Embryo ist durch zwei Hüllen, der Eihaut und das Lammhäutchen geschützt. Diese beschützen ihn vor Stößen, Mikroben und Lärm.

Die Mutter stellt ihrem Kind ihre inneren Organe zur Verfügung.   Häufig glaubt man, dass das mütterliche Blut in den Blutkreislauf des Kindes übergeht, um es durch die Nabelschnur zu ernähren – dem ist nicht so. Dieser Strang – zwei Arterien und eine Vene verbinden es mit seiner eigenen Plazenta, die am Rand seines Gehäuses sitzt. Diese ist wiederum mit der Plazenta von der Mutter engstens verbunden. Die beiden Kreisläufe arbeiten nebeneinander, aber das Blut vermischt sich nie, es dringen aber Sauerstoff, Nährstoffelemente, Antikörper in die Gefäße des Kindes ein. Am Ende der Schwangerschaft arbeiten die beiden Plazentas so gut zusammen, dass sie sich gemeinsam trennen.

Wenn man die Plazenta von der Mutter ausbreiten würde, hätte sie etwa die Größe eines Fallschirms. Zwischen der Mutter und dem Kind, entsteht eine außergewöhnliche Zusammenarbeit auf allen Ebenen.   Gastrulation und Keimblattbildung   Es spezialisieren sich Zellen und ordnen sich in Familien an, um drei unterschiedliche Lagen zu bilden, die übereinanderliegen. Diese drei Gewebe rollen sich zusammen und biegen sich zur Halbmondform ...

  Das innere Keimblatt (Endoderm) wird die Eingeweide bilden, deren Rolle es ist, die lebenswichtigen Funktionen des Organismus zu sichern: Verdauung, Leber, Lungen, usw. Das mittlere Keimblatt (Mesoderm) wird der Ausgangspunkt für die stützenden Strukturen sein: Muskeln, Skelett, Blutgefäße, usw. Das äußere Keimblatt (Ektoderm) führt zu den Organen, deren Aufgabe es ist, mit der Außenwelt Verbindung aufzunehmen: Haut, Sinne, Nervensystem.   Organbildung und Organdifferenzierung   Bestimmte Zellen beginnen wie Muskeln unermüdlich, jeder für sich, zu pulsieren, bis sie sich zusammenschließen und von anderen Muskeln am 21. Tag das Herz bilden. Der Embryo ist nun kaum größer als ein Reiskorn und wiegt gerade mal ein Gramm.

Er ist zur Zeit auch äußerst empfindlich gegenüber Einflüssen der Außenwelt.   Um den 24. Tag herum fangen sich die Arme an zu bilden und zwei Tage später die Beine. Die primären Nervenzellen, die schon spezialisiert sind, vervielfältigen sich und bringen die erste Anlage des Gehirns hervor, die komplizierteste Informationsverarbeitsmaschine der Welt mit einer unwiderstehlichen Organisationskraft. Im Verlauf einer einzigen Stunde bekommt das Gehirn des werdenden Babys 15 Millionen zusätzliche Nervenzellen.   Im zweiten Monat fangen die sich die Nerven- und Muskelbahnen an zu bilden.

Die Muskeln sind noch weit davon entfernt koordiniert zu sein, es ist auch noch keine Bewegung möglich. Anfangs werden die roten Blutkörperchen von der Plazenta produziert, außerhalb des Embryos. Diese Arbeit wird von der Leber übernommen, welche dies so lange tut, bis das Knochenmark diese Aufgabe übernehmen kann. Die Ereignisse überstürzen sich weiterhin: die Hand entfaltet sich, der Daumen und der Zeigefinger stehen einander gegenüber und die Finger verfeinern sich, nachher fächern die Füße ihre Zehen auf. Das Gesicht zeigt sich langsam. Die Nase ragt heraus, die Stirn, noch immer mit Beulen und riesengroß rundet sich, das Kinn löst sich von der Brust, die Nasenlöcher öffnen sich, sogar die Wurzeln der Milchzähne sind zu sehen.

Das Herz schlägt in etwa mit 140 Schlägen pro Minute. Gegen den dritten Monat fangen die Geschlechtsorgane, eine noch unkenntliche Form, anzunehmen.  Mit acht Wochen ist das Kind etwa vier Zentimeter groß, im dritten Monat ist es ums doppelte gewachsen.   Auch wenn die Mehrheit der Organe fertig ist, fehlt noch der letzte Schliff. Den Lungen zb. fehlen noch gewisse Drüsen und die Scheidewand zwischen den Lungenbläschen.

  Wieso wächst an der richtigen Stelle ein Beinchen, bildet sich der Kopf? Das mittlere Keimblatt (Ausgangspunkt für stützende Strukturen wie Muskeln, Skelett, Blutgefäße, etc.) bestimmt, dass alles an der richtig zu wachsen beginnt.   Risiken während der Schwangerschaft   Bis zur dritten Woche haben chemische oder körperliche Angriffe zur Folge, dass es zu einer Fehlgeburt kommt. Heute weiß die Mehrheit der schwangeren Frauen, dass sie es vermeiden müssen Medikamente einzunehmen, Alkohol während der Schwangerschaft nicht trinken und auch nicht rauchen sollen. Natürlich kann auch die Einnahme von Drogen zu schwerwiegenden Missbildungen führen. Nach dem dritten Monat ist der Embryo sicher vor schwerwiegenden Missbildungen.

Zwischen diesen beiden Zeiträumen muss die werdende Mutter Vorsichtsmaßnahmen treffen, wie zb. kein Einnehmen von Medikamenten ohne ärztliche Verschreibung. Ganz wichtig ist es auch, dass Röntgenaufnahmen vermieden werden, da diese schwere Schäden hervorrufen können. In den ersten drei Monaten der Schwangerschaft beeinträchtigt das Rötelvirus, die Entstehung von Ohren, Augen und dem Herz des Kindes, je nachdem, wann die Infektion stattfindet und kann auch zu Gehirnschäden des Säuglings führen.   Frauen, die während der Schwangerschaft weitterrauchen, nehmen offenbar die dramatischen Folgen des Tabakkonsums nicht ernst genug: Fehlgeburten, Frühgeburten, magere, bei der Geburt zu leichte Kinder. Ihnen müsste doch klar sein, das schon eine einzige Zigarette (oder nikotingeschwängerte Luft in einem Lokal) den Herzschlaf des Fetus von 120 auf 180 Schläge beschleunigt, und das bereits wenige Minuten nach den ersten Zügen, außerdem hat es negativen Einfluss auf die Gehirnentwicklung.

  Manchen Frauen ist es bewusst geworden, das der Alkoholgenuss gefährlich für ihr Kind ist und verzichten während der Schwangerschaft vollständig auf Alkohol, weil sie wissen, dass ihre Kinder, wenn sie mit anstoßen, kränklich, bleich, zurückgeblieben, womöglich sogar geistig behindert zur Welt kommen. Auch ein Gläschen kann sich schädlich auswirken.   AIDS. Diese Krankheit, so bestätigen Spezialisten, ist eine nicht zu vernachlässigende Bedrohung der Neugeborenen. Die Anzahl der Kinder, die entweder im Mutterleib oder während der Geburt mit dem HIV-Virus infiziert wurden ist in den letzten Jahren rasant gestiegen. Ein bis vier Prozent der schwangeren Frauen sind HIV-positiv.

  Durch eine einfache Blutentnahme im vierten Monat lässt sich eine Risikoschwangerschaft feststellen. In ihren Anfängen 1973 war die Fruchtwasser-Untersuchung nicht unproblematisch. Heute reicht eine einfache Blutabnahme. Ist es eine Risikoschwangerschaft unterzieht sich die Mutter weitergehenden Tests, sodass ein genetisches Profil des Kindes erstellt werden kann. Werden bei dem Test schwer wiegende Anomalien entdeckt, entschließen sich viele Eltern für einen Schwangerschaftsabbruch – ein Zeichen der Zeit.   Fetalentwicklung   Nach dem dritten Monat wird das Kind nicht mehr Embryo, sondern Fetus genannt.

Der Kopf rundet sich, ein Profil zeichnet sich ab. Der Rand der Lippen zeichnet sich ab, das Zahnfleisch verdickt sich, die bereits das Zahnbein der Milchzähne absondern. Der Körper wird von einem feinen Flaum bedeckt, gleichzeitig wachsen am Ende der Finger die Nägel, vereinzelt erscheinen Haare am Schädel, sogar die Ohren entfalten sich. Zu Beginn des vierten Monats ist das Kind 14 Zentimeter lang und wiegt weniger als 100 Gramm. Am Ende des vierten Monats wächst der Fetus auf 20 Zentimeter und steigert sein Gewicht auf 250 Gramm. Vom vierten bis zum sechsten Monat lernen die Gefäße, die Nieren, der Verdauungsapparat und die Leber zusammenzuarbeiten.

Nun kann es auch passieren, dass die Mutter einen Strampler abbekommt, da sich das Kind zu bewegen anfängt. Nervenpunkte werfen ihre Verlängerungen bis ins Rückenmark und schließlich bis zum Herzen, wo einige Fasern sich festsetzen um den Schlag zu kontrollieren. Der Herzschlag wird sich nach der Geburt gemäß den Bedürfnissen des Organismus beschleunigen oder verlangsamen, im Rahmen einer allgemeinen Verhaltensstrategie.   Die primitiven Geschlechtsorgane, die bei beiden Geschlechtern noch gleich, schon zu Beginn des dritten Monats vorhanden waren, gleichzeitig für den Penis und die Klitoris angelegt. Im vierten Monat regen die Hormone diese Gewebe an, sich nunmehr zu unterschiedlichen Geschlechtsorganen auszubilden. Eine Ultraschalluntersuchung im fünften Monat ergibt, ob der Neuankömmling ein Junge oder Mädchen sein wird, allerdings ohne hundertprozentige Sicherheit.

  Bis etwa zum fünften Monat vervielfältigen sich die Nervenzellen im Gehirn, um eine Menge zu erreichen, die man nie genau errechnen konnte und die sich bei der Geburt wahrscheinlich um etwa 100 Milliarden bewegt.   Natürlich bewegt sich das Kind auch, und mitunter ziemlich viel. die Mutter spürt dies genau. Es verändert oft seine Lage, beugt sich mit dem Kopf nach unten zurück oder umgekehrt. Wenn die schwangere Frau sich ausruht, führt das Kind gern Purzelbäume aus. Andererseits hält sich der Fetus ganz ruhig, als ob er eine stabile Lage suchen würde, wenn die Frau sich bewegt.

Man sagt, und dies wird von manchen Müttern unterstützt, dass er schon auf der Lauer liegt und fürchtet, geschüttelt zu werden, oder sich beklagt, zu wenig Sauerstoff zu bekommen. In der Zwischenzeit schafft die Reifung die Beherrschung neuer Muskel und erlaubt so, immer feinere Bewegungen, wie zB. die der Zehen und der Fingernägel. Vom fünften Monat an lutscht der Fetus an seinem Daumen.   Der Fetus ist nun ein ganzes Wesen, vollständig in jedem Stadium seiner Entwicklung, in dem Maß, wie sein Gehirn an seine Umgebung im entsprechenden Moment angepasst ist. Das Baby macht, was es kann, aus der kleinen Welt, die ihm zur Verfügung steht.

Die verschiedenen Bewegungen des Babys entwickeln nicht nur seinen Gleichgewichtssinn und seine automatischen Reflexe. Kontakte, Berührungen und Druck regen verschiedene Zonen der Hirnrinde an. Der Sehbereich wird erst nach der Geburt entwickelt. Im Gegensatz dazu werden die Papillen und Geruchsrezeptoren dauernd von den Molekülen, die im Fruchtwasser schwimmen, gekitzelt und beginnen daher zu erwachen. Der Fetus reagiert auch auf Geräusche von außen. Ein Kind ist nicht nur durch seine genetischen Programme einzigartig, sondern auch durch die Erfahrungen, die es bereits vor seiner Geburt gemacht hat.

  Zum Beginn des siebten Monats wiegt das Baby knapp 1.000 Gramm und misst vom Kopf bis zu den Fersen 34 Zentimeter und wird als große Frühgeburt betrachtet, zweifellos lebensfähig, aber gefährdet. Für eine Frühgeburt ist es schwierig die Körpertemperatur von 37°C aufrechtzuerhalten.   => Dr. Pierre Budin, ein Pariser Geburtshelfer, erfand der am Ende des vorigen Jahrhunderts den ersten Brutkasten. Er legte ein zu früh Geborenes in Baumwolle bei einer Temperatur von 37°C ins Innere eines einfachen Glaskastens.

  Bis zur Geburt sind die Lungenbläschen zusammengefaltet und ihre Wände sind zu dick und nicht in der Lage den Gasaustausch durchzuführen. Ihre unzähligen Taschen und Häutchen werden nun dünner und bereiten sich darauf vor, sich im Augenblick der Geburt mit Luft zu füllen. Das "Schmiermittel" dazu fehlt Frühgeburten, das heißt ihre Lungen sind noch nicht fertig. Auch der Verdauungsapparat steht vor der Vollendung. Nach dem siebten Monat schluckt der Fetus mehr und mehr Fruchtwasser, nimmt mehr zu sich und gibt mehr Urin ab. Das Fruchtwasser wird alle drei Stunden erneuert.

Die Flüssigkeit geht im Blut des Fetus durch seinen Dünndarm und kommt über die Plazenta zurück in den mütterlichen Kreislauf. Am Ende der Schwangerschaft produziert die schwangere Frau täglich drei bis vier Liter Fruchtwasser und hat davon ungefähr einen Liter in der Gebärmutter.   Zwischen dem siebten und achten Monat sind alle Organe seines Verdauungssystems vorhanden. Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Dünn- und Dickdarm sind seit einiger Zeit fertig, aber auf der Ebene ihres Zellmechanismus funktionieren sie erst ab dem achten Monat. So führt der Fetus, mit der Aussicht auf die Verdauung der Milch, seine letzten Vorbereitungen auf Zell- und Molekülebene durch: Absonderung von Enzymen, Mechanismen der Resorption im Darm usw. Der Organismus des Babys im siebten oder achten Schwangerschaftsmont steht nun vor einer immer schwierigeren Aufgabe: die ganze Maschine in Gang zu setzen und sie harmonisch funktionieren zu lassen.

Gegen Mitte des neunten Monats ist es geschafft. Für eine Frühgeburt dieses Alters bestehen keine allzu großen Risiken mehr.   Das Baby schläft viel, zwischen 15 und 20 stunden am Tag. Diese Angewohnheit hat es bereits zwischen seinem vierten und fünften Monat angenommen. Träumt ein Fetus? Zeitweise vollführen seine Augäpfel sporadische Bewegungen. Wie der Erwachsene kennt es die REM-Phase, diese Zeit bewegter Hirntätigkeit, in denen wir in eine Phase starken Träumens eintreten.

Der Fetus träumt allerdings wesentlich mehr als wir Erwachsenen, denn während bei uns die Traumphase etwa 20 Prozent der gesamten Schlafenszeit ausmacht, sind es im sechsten Schwangerschaftsmonat etwa 60 Prozent. Das Gehör des Fetus ist eines der ersten Sinne das arbeitet. Es erkennt sogar die Stimme der Mutter und die des eigenen Vaters, wenn es diese oft genug gehört hat. Das Kind erlebt die Angst seiner Mutter schon vor der Geburt – biochemisch – oder nach der Geburt – psychologisch – mit. Das Adrenalin, das Stresshormon, aus dem mütterlichen Kreislauf bewirkt bei dem Kind Herzklopfen oder führt bei seiner Mutter glattweg zu einer Fehlgeburt.     Die Geburt   Schritt für Schritt wird die Gebärmutter in die Lage versetzt, sich zusammenzuziehen und der Gebärmutterhals wird ausgedehnt.

Mann ist sich noch nicht ganz sicher glaubt aber, dass das Kind die Wehen seiner Mutter auslöst. Der Gebärmutterhals tritt zurück und weitet sich. Die Fruchtblase bricht plötzlich auf, wenn sie das nicht schon zuvor getan hat. Der Kopf des Babys zeigt sich, der Schädel nach unten und drückt bald auf den Muttermund, der sich jetzt zehn bis elf Zentimeter öffnet. Die Gesamtdauer der Wehen, von ihrem Beginn bis zur Geburt, liegt im Durchschnitt bei 13 Stunden bei Erstgebärenden und bei weniger als acht Stunden bei Frauen, die bereits ein Kind haben. Die aktive Phase liegt zwischen zwei und viereinhalb Stunden.

Die Zeitabstände der Kontraktionen werden immer geringer. Wenn der Muttermund die Öffnung einer großen Handfläche erreicht hat entsprechen die Kontraktionen der Gebärmutter einem Gewicht von 25 kg. Das Baby passiert das Becken, sucht sich seinen Weg mehr rechts oder mehr links. Wenn sein Nacken nach hinten zeigt, drückt es auf die Nerven des Kreuzbeins und ruft bei seiner Mutter einen Schmerz im Rücken, in der Gegend der Nieren hervor. Das Kind erscheint im kleinen Becken, wo es eine Vierteldrehung des Kopfes vollführt und ihn dann beugt. Dann folgt der Beckenausgang, der aus Muskeln und Bändern besteht, die sich dehnen lassen.

Glücklicherweise sind die Nähte mit denen die fünf Knochenplatten des Schädels verbunden sind, noch unfertig, die Fontanellen sind noch nicht verknöchert. So können die Knochen einen Moment übereinander greifen. Die Augen, die Nase, der Mund, das Kinn. Noch ein Stoß, um die Schultern zu löse, selbstverständlich ohne die Nabelschnur zu sehr einzuklemmen. Der Brustkorb wird noch zu sehr gedrückt. Und kurz darauf ist das Kind geboren.

  Der Temperaturunterschied lässt es reagieren. Der erste Schrei! Der erste Anblick des Neuankömmlings kann mitunter überraschen. Das Baby ist noch nicht rosig und pausbackig - so wird es erst in drei oder vier Monaten sein. Jetzt ist er zerknittert, mit Schleim bedeckt, violett und nass.   Nachwort   Noch nie war der Mensch so nah daran, die Gesetze der Fortpflanzung zu beherrschen. Biologen fordern das Recht, menschliche Embryonen zu Forschungszwecken zu verwenden, wenn diesen sowieso die Zerstörung bestimmt ist.

Die Frage, wann ein Embryo als Mensch gilt ist noch nicht geklärt. Abtreibungsgegner verschiedener Kirchen fordern das Verbot jeglicher Manipulation des menschlichen Lebens, die Wissenschaftler nehmen die Freiheit zum Experiment in den Grenzen der bioethischen Gesetze in Anspruch.   Dank spezieller optischer Geräte ist es heutzutage sogar möglich sogar ins Innere der schützenden Hülle, in der sich der Embryo entwickelt, vorzudringen und davon Aufnahmen zu machen. Nach 1974 waren Blicke auf Embryonen nicht mehr möglich, da man Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr durch Kaiserschnitt, sondern mittels Ansaugen durch die Scheide durchführte. In den achtziger Jahren verhalf der Ultraschall zu einer Annäherung an das Kind. Der Weg war nun geebnet um das Wachstum des Kindes zu verfolgen, Missbildungen zu entdecken oder besondere Vorkehrungen für die Geburt zu treffen.

Es wurden sogar möglich eine Eizelle künstlich zu befruchten und dies öffnet unweigerlich den Weg zu einer Sortierung der Embryonen. Zwischen 1970 und 1980 konnten die Frauen erstmals über ihren Körper entscheiden. Heute wird zusätzlich noch gefordert, dass man die Schwangerschaft mit einem missgebildeten Fötus abbrechen und vielleicht in Zukunft sogar die Eigenschaften auswählen und selbst zusammenstellen kann.   Es ist heute schon teilweise möglich die fehlerhaften Gene durch Medikamente auszubessern, oder auszutauschen ...

  Die Eltern sind aber mehr denn je aufgerufen, das neue Lebewesen – ihr Kind – zu führen, an die Hand und in ihr Herz zu nehmen und zu beschützen.    

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