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  Einleitung

Galizische und bukowinische Juden in Wien   1848 - 1914                     Verfasst von: Obermeier Viktoria 9920552 Rebitsch Gerda 9921098  Inhaltsverzeichnis     1. Einleitung .....

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1 Begriffsdefinitionen: „Jude“ -„ Ost - und Westjude“......

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....2   2. Das Leben der Juden in Galizien und der Bukowina .

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3 2.1 Geschichtliches.....

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...3 2.2 Unterschiede zwischen der Situation der Juden in Galizien und der Bukowina..

...6   3. Der Aufbruch nach Wien..

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...7 3.1 Die Beweggründe der galizischen und bukowinischen Juden für die Migration nach Wien..

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..9   4. Das Leben der Juden in Wien ...

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....11 4.1 Die Lebensverhältnisse nach der Ankunft in Wien.

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..... 11   5.

Wiener jüdische Gemeinden ......

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..17 5.1 Die nicht jüdische Bevölkerung Wiens und die Juden ...

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...17 5.2 Die Stellung der jüdischen Frau in Wien..

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..19   6. Akkulturationsprozesse der galizischen Juden in Wien...

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.....20 6.

1 Reformbewegungen und Zionismus ......

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.....21 6.

2 Andere Organisationen......

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..23   7. Resumee...

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....25   8. Bibliographie.

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....27                 1.Einleitung     „ Der Ostjude sieht mit einer Sehnsucht nach dem Westen, die dieser keineswegs verdient.

“ Joseph Roth, Juden auf Wanderschaft   Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Österreich –jüdische Geschichte“ im Bereich „Jewish Studies“ organisierte Hr. Prof. Lichtblau eine Exkursion, die uns nach dem Besuch bei Simon Wiesenthal, in Galizien geboren, unter anderem auch die Ausstellung „Zwischen Ost und West- Galizische Juden und Wien“ im Jüdischen Museum in Wien ermöglichte. Nach dem Besuch dieser Ausstellung war es uns ein Anliegen, uns für die PS –Arbeit im Bereich „Migration und Flüchtlinge“ mit dem Thema näher zu beschäftigen und somit war für diese Arbeit die Ausstellung der eigentliche Denkanstoß. Wichtig schien uns heraus zu finden, warum die Juden Galiziens und der Bukowina für Wien interessant waren und worin die Beziehung zwischen der Hauptstadt und den jüdischen Bewohnern im Osten der österreichischen Monarchie lag. In der Ausstellung werden die mannigfaltigen Beziehungen zwischen Galizien und Wien dargestellt, in denen sich der grundsätzliche Konflikt zwischen Ost –und Westjuden spiegelt.


Bilder und Gegenbilder sowie Mythen über den jeweils „anderen“ werden einander gegenübergestellt. Die Vorstellung von Wien war für viele galizische Juden von irrealen Erwartungen erfüllt. Wien galt ihnen als Tor zur Welt, die sich von dem von Diskriminierungen und Armut geprägten Alltag in Galizien abhob, und wo sich all ihre Wünsche von einem besseren Leben erfüllen sollten. Die Ostjuden wurden von den Wienern jedoch keineswegs mit offenen Armen aufgenommen. Durch ihre jiddische Sprache, die man in Wien abfällig „Jargon“ nannte, und ihre nach außen getragene Religiosität, vor allem ihre Tracht – Kaftan und Schläfenlocken -, waren sie für die Antisemiten ein Stein des Anstoßes, aber auch viele alteingesessene Wiener Juden fühlten sich durch ihre Glaubensgenossen aus dem Osten in ihren Assimilationsbestrebungen bedroht. Im Gegensatz zum Negativstereotyp des Ostjuden konstruierten einige jüdische Intellektuelle ein positives Klischeebild von den Ostjuden als Träger jüdischer Authentizität.

Auch der heutige Blick auf die versunkene Welt des Ostjudentums ist oft von einer nostalgischen Sichtweise geprägt, die auf eine Romantisierung ostjüdischer Kultur hinausläuft.       1.1 Begriffdefinition: „Jude“, „Ost – und Westjude“   „ Ein Jude ist ein Mensch, der sich selbst für einen Juden hält“. Tatsächlich erweist sich der Versuch einer generellen Definition als sehr schwierig bis unmöglich, gibt es doch eine Vielzahl von Anschauungen über das Judentum. „Jude –Sein“ ist viel mehr als die bloße Bindung an eine Religion. Doch was hat es dann mit der Einteilung der Juden in „Ost –„bzw.

„Westjuden“ auf sich? Joseph Roth stellte grundsätzlich fest, daß „fast alle Juden“ einmal ‚Westjuden’ waren ehe sie nach Russland kamen. Und alle Juden waren einmal ‚Ostjuden’, ehe ein Teil von ihnen westjüdisch wurde. Und die Hälfte aller Juden, die heute verächtlich oder geringschätzig vom Osten sprechen, hatten Großväter, die aus Tarnopol kamen, so ist es ein Zufall, daß ihre Ahnen nicht nach Tarnopol hatten fliehen müssen.“ Tatsächlich ging die Entstehung der jüdischen Gemeinden in Osteuropa auf große Migrationswellen von Juden aus dem Westen im Zuge der Kreuzzüge von 1096 und 1147 sowie als Folge der Ausbreitung der Schwarzen Pest in Europa (1347 – 1348) zurück. Antijüdische Ausschreitungen veranlassten die Menschen zur Flucht in das damalige Königreich Polen, wo sie als wirtschaftsfördernder Faktor mehr oder weniger gastfreundlich aufgenommen wurden. Im 19.

und 20. Jahrhundert setzte nun der umgekehrte Prozess ein. Juden aus Galizien und der Bukowina kamen in den Westen, unter anderem nach Wien, wo sie als „Fremde“ zum Teil auf massive Ablehnung stießen. Die Bezeichnung „Ostjude“ fand Ende des 19. Jahrhunderts erstmals weite Verbreitung und setzte sich im Zuge der Stationierung deutsch- österreichischer Truppen in Galizien und der Bukowina während des 1.Weltkriegs sowie bei der Flüchtlingsbewegung in den Westen vor allem in den Verbindungen „Ostjudenfrage“ und „Ostjudengefahr“ im allgemeinen Sprachgebrauch durch.

Der „Ostjude“ galt als „schmutzig, laut, roh unsittlich und kulturell rückständig“, kurz gesagt, als „Vertreter des Ghettos“ im Gegensatz zum „modernen, emanzipierten und akkulturierten, deutschen“ Juden, der sich lediglich durch die mosaische Konfession von der „einheimischen“ Bevölkerung unterschied. Es ist Tatsache, daß die Übergänge zwischen den beiden Gruppen fließend waren, dass Zwischenpositionen existierten, die eine exakte Zuordnung unmöglich machen. Die beiden Begriffe sind daher generell nur mit Vorbehalten zu akzeptieren und zu verwenden, um unzulässige Verallgemeinerungen zu vermeiden.     2. Das Leben der Juden in Galizien und der Bukowina 2.1 Geschichtliches   Galizien hieß das am nördlichen Rand gelegene Kronland des Habsburgerreiches.

Heute gehört der westliche Teil zu Polen, der östliche zur Ukraine. 1795, nach der dritten Teilung, fielen die ehemaligen polnisch regierten Gebiete an Russland, Preußen und Österreich. Das Gebiet umfasste Westgalizien mit polnischer Bevölkerungsmehrheit und Ostgalizien, wo die Ruthenen (Ukrainer) in der Überzahl waren. Mehr als 10% der Bevölkerung Galiziens waren Juden, die unter den Regentschaften Maria Theresias und Joseph II. zahlreiche Beschränkungen erdulden mussten. Erst 1867 erfolgte ihre rechtliche Emanzipation, was jedoch nicht viel an der bedrückenden wirtschaftlichen Situation eines Großteils der galizischen Juden änderte.

Dennoch war mit der Gleichberechtigung der Juden mit dem neuen Staatsgrundgesetz von 1867 der Weg aus dem „Ghetto“ im territorialen wie im sozialen Sinne offen. Die Juden in Galizien verdienten sich ihren Lebensunterhalt vorwiegend als Händler im weitesten Sinne des Wortes, als Handwerker, Schankpächter und Wirtschaftsverwalter der Güter reicher polnischer Großgrundbesitzer. Im Zuge der Emanzipation brachen sie aus der Isolation des Schtetl- Lebens aus und siedelten sich in den größeren Städten des Landes an. Es handelte sich dabei hauptsächlich um Kaufleute, Ärzte und Rechtsanwälte, die den Weg der Akkulturation an die nichtjüdische polnische Umgebung beschritten. Gegen Ende des 19.Jahrhunderts gehörte Galizien zusammen mit Dalmatien zu den am wenigsten entwickelten Gebieten Österreich- Ungarns.

Noch um 1900 waren mehr als 80% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, die Industrialisierung setzte nur zögernd ein. Die ökonomische Misere war auch ausschlaggebend dafür, daß um die Jahrhundertwende zahlreiche Juden ihre Heimat verließen, um in den USA bzw. in Wien einen neuen Anfang zu wagen. Ab 1918 gehörte Galizien zum polnischen Staatsgebiet. Bukowina, ebenfalls in Osteuropa gelegen, an den Gebirgsausläufern der östlichen Karpaten gehört heute nördlich zur Ukraine und südlich zu Rumänien. Von 1786 bis 1849 bildete die Bukowina jedoch einen Bestandteil der Provinz Galizien.

Im März 1849 wurde sie zu einem selbständigen Herzogtum mit der Hauptstadt Czernowitz ernannt. Als die Habsburger 1774 auf Befehl Joseph II. das Land besetzten, wurden diese als Befreier begrüßt, da die Türken bis zu diesem Zeitpunkt die Bukowina sehr grausam beherrschten, während für die Polen Galiziens die Österreicher eine Besatzungsarmee waren. Die Juden, die um die Jahrhundertwende ca.13% der Gesamtbevölkerung der Bukowina ausmachten, stellten nach den Rumänen und Ruthenen die größte Bevölkerungsgruppe. Nach der Eingliederung in das Staatsgebiet der österreichisch- ungarischen Monarchie wanderten zahlreiche Juden aus Galizien in die Bukowina ein, auf deren Erfahrung und Geschäftssinn die Wirtschaft des rückständigen Kronlandes nicht verzichten konnte.

Bis zu ihrer Gleichstellung 1867 waren sie vor allem im Handel und im Schankwesen tätig. Mit der Emanzipation änderte sich diese Berufsverteilung und die Wirtschaft der Bukowina erfuhr einen ungeheuren Aufschwung. Zahlreiche Juden erwarben und pachteten große Güter und errichteten industrielle Betriebe, wie Brennereien, Brauereien, Zuckerfabriken und Mühlen. Auch die meisten Restaurants, Kaffeehäuser und Hotels befanden sich in jüdischen Händen, ebenso das Bankwesen, die Bauwirtschaft und die Holzindustrie. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehörte ein Drittel der Hörer an der deutschen Franz- Joseph Universität in Czernowitz der jüdischen Glaubensgemeinschaft an.

Viele davon wurden Universitätsprofessoren Ärzte, Lehrer, Ingenieure und Journalisten. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben der Bukowina wurde somit von jüdischer Seite entscheidend beeinflusst, auch wenn keineswegs alle Juden zur wohlhabenden Bevölkerungsgruppe gehörten. Ende des 19. Jahrhunderts verschlechterte sich die ökonomische Situation. Im Zuge des österreichisch- rumänischen Zollkrieges von 1886 wurde durch die enorme Erhöhung der Zollsätze die Einfuhr österreichischer Waren so gut wie unmöglich gemacht, wodurch der jüdische Handel in der Bukowina eines der wichtigsten Absatzgebiete verlor. Viele Betroffene entschlossen sich zur Abwanderung.

Auch der Vormarsch der russischen Truppen im 1.Weltkrieg löste eine Flüchtlingsbewegung nach Innerösterreich aus, von der vor allem die jüdische Bevölkerung erfasst wurde. Nach dem 1. Weltkrieg fiel das Gebiet an Rumänien und 1945 wurde es zwischen Rumänien und der Sowjetunion aufgeteilt. Tabelle 1: Berufspositionen der jüdischen und nichtjüdischen Berufstätigen, Galizien 1910   Insgesamt Juden % Juden Nichtjuden % Nichtjuden Differenz Selbständige 1.548.

194 168.151 49,1 1.380.043 33,2 15,9 Pächter 7.096 3.546 1,0 3.

550 0,1 0,9 Angestellte 90.709 18.535 5,4 72.174 1,7 3,7 Arbeiter 520.228 52.979 15,5 467.

249 11,2 4,3 Lehrlinge 33.084 8.665 2,5 24.419 0,6 1,9 Taglöhner 226.470 10.779 3,1 215.

691 5,2 2,1 mithelfende Fam.-mitgl. 2.078.120 80.087 23,4 1.

998.033 48,0 24,6 Zusammen 4. 503. 901 342.742 100,0 4.161.

159 100,0 53,4     Tabelle 2: Berufstätige in der Bukowina nach Berufsklassen 1910   Insgesamt Juden % Nichtjuden % Anteil Juden Differenz Selbständige 20.709 51,5 124,559 32,3 14,3 19,2 Pächter 616 1,5 408 0,1 60,2 1,4 Angestellte 3.920 9,7 7.065 1,8 35,7 7,9 Arbeiter 7.420 18,4 41.382 10,8 15,2 7,6 Lehrlinge 1.

433 3,6 2.276 0,6 38,6 3,0 Taglöhner 1.170 2,9 72.725 18,9 1,6 16,0 mithelfende Fam.-mitgl. 5.

017 12,4 136.772 35,5 3,5 23,1 Zusammen 40.366 100 385.187 100 9,5         2.2 Unterschiede zwischen der Situation der Juden in Galizien und der Bukowina   Nach der österreichisch- ungarischen Machtergreifung in der Bukowina wurden die Habsburger, wie schon erwähnt, als Befreier begrüßt. Vor allem die jüdische Bevölkerung des Landes orientierte sich stark an der deutschen Kultur.

Zum Ausdruck kam vor allem darin, dass bei Volksbefragungen fast alle Juden Deutsch als ihre Umgangssprache nannten, - das jiddische wurde ja bekanntlich von der österreichischen Statistik übergangen. Doch weder das Ruthenische noch das Rumänische schien für die bukowinischen Juden attraktiv zu sein, sodass sie mehr als die Hälfte der deutschsprechenden des Kronlandes bildeten. Einer der wesentlichen Unterschiede bestand darin auch zu den Juden Galiziens, die mehrheitlich Polnisch als ihre Umgangssprache bezeichneten. Im Gegensatz dazu fehlte in der Bukowina, so Albert Lichtblau, „eine nichtdeutsche Elite, die einen Assimilationsanreiz bieten hätte können. Außerdem fehlte es an traditionellen ökonomischen Beziehungen zwischen den Juden der Bukowina und den Ruthenen, wie sie etwa in Galizien mit dem polnischen Adel bestanden.“   Tabelle3: Bukowina Bukowina % Galizien Galizien % Deutsch 91 907 95,6 138 400 17,1 Ruthenisch 491 0,5 40 475 5,0 Rumänisch 263 0,3 - - Polnisch 171 0,2 621 036 76,5 Magyarisch 165 0,2 - - Andere 18 0,0 61 0,0 Staatsfremde 3 135 3,2 11 211 1,4 GESAMT 96 150 100,0 811 183 100,0       Ein weiterer Unterschied zu Galizien lag darin, dass die Juden in der Bukowina nur in wenigen Gemeinden die Mehrheit stellten.

In Czernowitz hielten sie mit knapp einem Drittel der Einwohner, gemessen an Religionen, zumindest die relative Bevölkerungsmehrheit. In wirtschaftlicher Hinsicht ist zu sagen, dass in beiden Kronländern der Anteil der Juden, die in der Landwirtschaft beschäftigt waren, relativ niedrig, im Vergleich zu den westlichen Provinzen der Habsburgermonarchie, in denen Juden der Kauf oder die Pacht von Grund und Boden lange untersagt worden war, jedoch relativ hoch war. Außerdem fanden sich in Galizien als auch in der Bukowina zahlreiche jüdische Handwerker, vor allem Schneider. Anders als im Westen, wo die christlichen Zünfte Juden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts die Ausübung des Handwerks behinderte.     3.

Der Aufbruch nach Wien:   Die Situation in Galizien: Armut war für die galizischen Juden die zentrale Erfahrungskategorie, und in ihren ständigen Bemühungen, in einer solchen materiellen Notlage ihre Existenz zu sichern, bildete sie auch deren- wenn auch unerwünschten- Lebensinhalt. Mit dem Bekanntwerden neuer Mobilität und somit auch Wanderbewegungen durchkämmten nun zehn Tausende das Land und suchten so nach Überlebensmöglichkeiten. Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung Galiziens gehörte zur Gruppe der „gewöhnlichen“ Bettler, die zuvor aus dem Wirtschaftsleben ausgeschieden waren und nun um die Brosamen der ihnen sozial Bessergestellten kämpfen mussten. Eltern, zum Beispiel, die ihre Tochter verheiraten wollten, jedoch nicht über die entsprechenden Mittel verfügten, um ihr die traditionell erforderliche Mitgift geben zu können, griffen ebenso wie jene darbenden Zeitgenossen, welche im eigenen Schtetl weder Arbeit noch ausreichende Mildtätigkeit zum Überleben fanden, zum Wanderbetteln, um sich dadurch das materiell Benötigte woanders zu erbitten. Die „Ferne“ nahm allmählich etwas Verheißungsvolles an. In dieser Weise wurde der „Mythos der Ferne“ kreiert, der von den Erzählungen über Fortgezogene, die in der Fremde zu Reichtum oder ansehen gekommen waren, noch zusätzlich genährt wurde.

Dieser Mythos bildete die Gegenwelt zur eigenen sozialen Lage und wurde von der Hoffnung getragen, einen Ausweg aus dem alltäglichen Elend zu finden, er war ein „soziales Wolkenkuckucksheim“. Diesem standen als weitere Wirklichkeitsalternativen die Bewegungen des Zionismus und Sozialismus gegenüber, die im Hier und Jetzt Veränderungen schaffen wollten, die keine Vorstellungen von geographischer Dimension über verbesserte Lebensverhältnisse hegten, sondern diesen einen zukünftigen Charakter gaben. Sowohl bei den genannten ideologischen Bewegungen wie auch beim „Mythos der Ferne“ handelte es sich um „Ersatzwelten“, die das Dasein ertragen helfen sollten. Viele Emigranten packte aber auch nur das Fernweh. Diese wanderten nicht so sehr aus sozialen Gründen aus, sondern vor allem weil sie der religiös-beengenden und jegliche Form der Selbstentfaltung erstickenden Schtetlatmosphäre entfliehen und mehr Abwechslung, Offenheit und kulturelle Vielfalt wollten. Diese Sehnsucht nach einer neuen Lebensatmosphäre in der Ferne war nichts Neues und immer schon dort aufgetreten, wo Juden gegen die beengende Orthodoxie rebelliert hatten, doch bis weit ins 19.

Jahrhundert war dieses Fernweh auf sehr wenige Menschen beschränkt gewesen, da es ja voraussetzte, dass man den Schtetlalltag geistig überwunden, zumindest Ahnung von einer anderen Lebens- und kulturellen Welt hatte. Doch die Aufklärung führte nur bei wenigen Juden zu einer entsprechenden Horizonterweiterung. Es bedurfte erst der großen Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Leben, die den strengreligiösen Einfluss schwächten und die Juden mit anderen Lebenskonzepten vertraut machte, um in weiteren Kreisen die Sehnsucht nach der Ferne zu wecken.                           3.1 Die Beweggründe der galizischen und bukowinischen Juden für die Migration nach Wien   Die Revolution von 1848 und das Staatsgrundgesetz von 1867 ermöglichte den Juden den Eintritt in das liberale Großbürgertum. Am 25.

April 1848 hatte die Regierung eine neue gemäßigte liberale Verfassung veröffentlicht, in welcher zwar die Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied der Konfession verfügt wurde, doch gleichzeitig verordnet wurde, daß die Aufhebung der Beschränkungen für die Juden dem einzuberufenden Reichstag vorbehalten bleiben sollte. Die Aufhebung der Ansiedlerbeschränkungen im Jahr 1848 bildete die Voraussetzung für die jüdische Zuwanderung nach Wien. Marsha Rozenblit unterscheidet drei Wellen galizisch- jüdischer Zuwanderung nach Wien. Die ersten Migranten kamen bereits in den 1859er bis 1870er Jahren. Diese verhältnismäßig geringe Zahl hatte es sich zum Ziel gemacht, die wirtschaftlich, sozialen und bildungsmäßigen Möglichkeiten in der Hauptstadt zu nutzen. Dennoch dominierten weiterhin böhmische, mährische und ungarische Juden in Wien.

Die Massenemigration von galizischen Juden nach Wien setzte um die Jahrhundertwende ein. Diese Menschen waren oft noch stark an das traditionelle jüdische Leben gebunden. Großteils hatte sie der wachsende politische und wirtschaftliche Druck in ihrer Provinz zum Verlassen der Heimat bewogen, auf der Suche nach einem Ausweg abseits der herrschenden Traditionen. Auffallend ist der verhältnismäßig hohe Anteil jüdischer Frauen, die im Sinne der Familienwanderung die Strapazen der Migration auf sich nahmen. Die dritte „Migrationswelle“ setzte im Zuge der Fluchtbewegungen des 1.Weltkrieges ein.

Damals kamen auch Strenggläubige nach Wien, die unter anderen Umständen niemals aus ihrer gewohnten Umgebung ausgebrochen wären, da sie aus Gemeinden stammten, in denen die religiösen Autoritäten noch großen Einfluss besaßen.   In der Bukowina, wo die Juden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der dominierenden Kräfte im Wirtschafts- und Kulturleben bildeten, entschlossen sich zahlreiche jüdische Handelstreibende aufgrund von ökonomischen Krisen in den 1870er und 1880er Jahren zur Auswanderung, vor allem in die USA. Hingegen nutzten junge Bukowiner Juden die Chance, in der Metropole Wien studieren zu können. Schließlich löste das Vordringen der russischen Truppen im 1.Weltkrieg eine ähnliche Fluchtbewegung wie unter den galizischen Juden aus.

Generell verband sich bei den Juden im Osten der Monarchie der Wunsch nach sozialer Besserstellung mit den mythisch assoziierten Begriffen „Amerika“ und „Wien“. Wien galt als Metropole der Bildung und geistigen Hochkultur sowie als „Wiege des Liberalismus“, der die Emanzipation ermöglicht hatte. Kaiser Franz Joseph wurde zum Symbol für die judenfreundliche Politik der Habsburger stilisiert. Darüber hinaus hingen die Juden Galiziens zum Teil der Vorstellung an, dass selbst die einfachste Handelstätigkeit in Wien Ansehen und Reichtum bringen konnte. Trotz antisemitischer Agitationen und der Ablehnung mancher „Wiener“ Juden strömten weiterhin viele Zuwanderer aus dem Osten nach Wien, in der Hoffnung, in ökonomischer und sozialer Hinsicht neue Chancen vorzufinden, ohne gleich alle Zelte hinter sich abrechen zu müssen, wie dies bei der Emigration in die USA der Fall gewesen wäre. Daneben beeinflussten natürlich auch Verwandte und Bekannte, die man in Wien oder New York hatte und bei denen man vorübergehend Aufnahme finden konnte, die Wanderungsentscheidung.

Mit dem Ausbruch des 1.Weltkrieges gab es nicht mehr viel zu überlegen. Das rasche Vordringen russischer Truppen versetzte die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina in panischen Schrecken. Völlig erschöpft von der Flucht, trafen viele von ihnen, oft nur mit den notwendigsten Habseligkeiten versehen, in Wien ein.                                 4. Das Leben der Juden in Wien 4.

1 Die Lebensverhältnisse nach der Ankunft in Wien   Am 13. März 1848 endete die Zeit des Vormärz. Die Erbuntertänigkeit der Bauern wurde aufgehoben und der Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte wurde vom Religionsbekenntnis abgelöst. Die Juden erhielten die volle bürgerliche und politische Gleichberechtigung durch eine am 18. August 1855 an die Behörden hinausgehende Weisung der Regierung. Die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden in Wien in der Zeit um 1848 beschränkte sich im wesentlichen auf zwei Zweige, auf den Engroshandel in Textilien und in Landesprodukten.

Der Aufstieg der Juden, der durchaus überproportionale Formen annahm, indem die Juden sich seit 1848 viel stärker vermehrten als die Christen, brachte begreiflicherweise den Antisemitismus auf den Plan, den wir in Kapitel 5.1 näher erklären. Sassen Saskia erklärt die Entstehung des Feindbildes, mit der Angst vor der Überflutung im eigenem Lande vor den Außenseitern, „den Anderen“. Nach 1848 fielen die Fesseln, die der Presse während der Metternich Ära auferlegt waren, und die Juden konnten sie mit aller Macht für sich gewinnen. Im Detailhandel waren die Juden bis 1859 zur Verkündung der Gewerbefreiheit überhaupt nicht vertreten, und ebenso wenig im Dienst von Staat und Gemeinden. In der Tat faßten sie nach 1859 allmählich in allen Zweigen des Bedarfs mit ihren Geschäften Fuß.

Stefan Zweig schrieb sogar in seinen Memoiren, “Die Welt von gestern“, daß neun Zehntel der Wiener Kultur vor 1914 von den Juden getragen waren. Im Allgemeinen vermieden es die Juden jedoch politisch offiziell hervorzutreten. Der Einfluß der Juden wuchs immer weiter an, und sie begannen allmählich auch wichtige Ämter zu erschließen. Die Sozialstruktur der jüdischen Bevölkerung Wiens unterschied sich sehr stark von jener der übrigen Bevölkerung Wiens. Juden gehörten überwiegend der Mittelklasse an, während die nicht - jüdische Bevölkerung großteils in der Arbeiterklasse vertreten war.       Tabelle 4: Die Jüdische Bevölkerung Wiens, 1848 – 1910 Jahr Bevölkerung Wiens Prozentteil der Juden An der Gesamtbevölkerung 1848 410.

900 2,5 % 1880 721.550 10,06 % 1890 1,363.600 8,7 % 1900 1,675.300 8,8 % 1910 2,020.000 8,6 %   Auffallend ist in dieser Tabelle, der rapide Anstieg von 1848 bis 1880. Der Rückgang der Prozentziffer in der Zeit von 1880 bis 1890ist damit zu erklären, daß einige ziemlich “judenfreie“ Vororte mit eingemeindet wurden Marsha Rozenblit betont in ihren Untersuchungen über die Juden Wiens, daß man “Assimilation“ in Gesellschaften anderer Glaubensgenossen erlebte, was ein völliges Aufgehen der Gruppen innerhalb der nichtjüdischen Umgebung verteilte.

Die Wiener Juden waren lokal auf die Bezirke 1,2 und 9 konzentriert, lebten also mehrheitlich in jüdischer Nachbarschaft und hatten ebensolche Freunde und Ehepartner. Sie siedelten sich in erster Linie dort an, wo bereits Juden lebten. Michael John und Albert Lichtblau schränkten diese Behauptung mit dem Hinweis ein, daß der hohe Selbständigen- und Angestelltenanteil unter den Juden ihre Ansiedlung nach der sozialen Zugehörigkeit in den bürgerlichen bzw. kleinbürgerlichen Bezirken 1, 2 und 9 begünstigte. Gleichzeitig betonten aber auch sie, daß Juden aller sozialer Schichten in relativer Nähe zueinander wohnten, wenn auch in verschiedenen Straßen und Häusern. In diesen Bezirken bestanden zahlreiche Zentren jüdischen Lebens.

Der 9. Bezirk übte aufgrund der Nähe zur Universität große Anziehung auf Akademiker und Intellektuelle aus. Die Leopoldstadt wiederum bildete im 17. Jhd. ein jüdisches Ghetto. Sie galt als jüdischer Stammbezirk und beherbergte Juden aller Herkunftsländer und sozialer Schichten.

      Tabelle 5: Prozentsatz der Wiener Juden von der Gesamtbevölkerung nach einzelnen Bezirken, 1880 -1910   1880 1890 1900 1910 I Innere Stadt 17,9 19,1 19,4 20,4 II Leopoldstadt 29,6 31,0 36,4 33,9 III Landstraße 6,0 6,6 6,0 6,3 IV Wieden 3,4 3,9 4,2 6,0 V Margareten 2,8 3,2 2,7 3,5 VI Mariahilf 4,9 7,2 9,5 12,9 VII Neubau 4,1 6,4 9,1 11,1 VIII Josefstadt 3,3 4,2 5,8 8,8 IX Alsergrund 10,1 14,7 18,2 20,5 X Favoriten 2,4 2,5 2,5 2,2 XI Simmering 1,6 1,5 0,9 XII Meidling 2,3 2,2 1,8 XIII Hitzing 1,5 1,7 2,7 XIV Sechshaus 4,2 3,9 3,9 XV Fünfhaus 5,1 5,1 5,4 XVI Ottakring 3,2 2,8 2,5 XVII Hernals 4,3 4,1 3,3 XVIII Währing 4,9 4,0 4,5 XIX Döbling 4,2 4,9 7,4 XX Brigittenau 15,7 14,0 XXI Floridsdorf 2,3     Das Leben in jüdischer Nachbarschaft zog natürlich ebensolche gesellschaftlichen Kontakte nach sich. Auch die Schulen in den Bezirken 1, 2 und 9 wiesen zum Teil einen überproportional hohen Anteil von jüdischen Schülern auf. Der Bereich der Bildung behielt seinen hohen Stellenwert. Die Juden, die im zu behandelnden Zeitraum durchschnittlich 8-10 % der Wiener Bevölkerung ausmachten, stellten rund 30 % der Gymnasiasten. Ihre Eltern wollten damit den eigenen gesellschaftlichen Aufstieg absichern, das durch kommerziellen Erfolg errungene Sozialprestige verbessern, den Kindern Karrieremöglichkeiten bieten und ihre Assimilation in die europäische Kuturwelt in die Wege leiten. Darüber hinaus legte die bürgerliche Gesellschaft im allgemeinen großen Wert auf die Bildung, sie ähnelte damit der jüdischen Form von Statutsbestimmung.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Zahl der jüdischen Gymnasiasten trotz des Anwachsens der Gemeinde nicht mehr proportional zu. Der Grund dafür lag in der Dominanz der galizischen Juden unter den Neuzuwanderern. Sie waren zum überwiegenden Teil unbemittelt und konnten ihre Kinder nicht so ohne weiteres auf die Mittelschule schicken. Trotz allem besuchten Söhne von Juden mit geringem Sozialprestige zu einem höheren Prozentsatz Gymnasien, als nichtjüdische Kinder dieser Schicht. Verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung, war auch der Prozentsatz von jüdischen Studenten an der Wiener Universität, vor allem an der medizinischen und der rechtswissenschaftlichen Fakultät immer relativ hoch.

Von 1881 bis 1891 betrug er 33 %, von 1891 bis 1896 29,2 %, von 1896 bis 1901 24,8 % und von 1901 bis 1904 23,7 %. Der Rückgang ist ähnlich, wie an den Schulen mit der Dominanz von verarmten galizischen Juden unter den Neuzuwanderern zu erklären.                               Tabelle 6: Verteilung der Hörer nach Konfessionen an den Fakultäten österreichischer Universitäten (%)       Juridische Fak. Kath. Juden and. Mediz.

Fak. K. J. and. Philo. Fak.

K. J. and. Im Gesamten K. J. andere Czernowitz 1883/84 1893/94 1902/03 1913/14 Lemberg 1883/84 1893/94 1903/04 1913/14 An allen Universitäten 1863/64 1873/74 1883/84 1893/94 1903/04 1913/14   31,9 36,2 31,9 29,6 40,8 29,6 22,6 52,4 25,0 23,3 45,3 26,4   82,1 17,3 0,6 73,8 25,3 0,9 70,4 29,4 0,2 70,4 29,1 0,5     88,1 8,8 3,1 80,7 15,0 4,3 79,9 16,1 4,0 78,6 16,0 5,4 76,1 18,0 5,5 74,5 20,2 5,3 -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --   -- -- -- -- -- -- 62,6 35,5 1,9 52,3 46,5 1,2     60,9 29,5 9,6 64,5 23,4 12,1 52,3 38,7 9,0 62,9 28,1 9,0 58,6 27,6 13,8 61,2 28,0 10,2   34,9 33,3 31,8 34,7 30,6 34,7 38,0 27,5 34,5 29,8 42,3 27,9   88,4 11,6 -- 78,0 11,6 -- 84,6 14,2 1,2 75,5 23,3 1,2     86,1 4,8 9,1 92,9 2,6 4,5 81,7 8,5 9,8 79,7 11,1 9,2 79,5 12,4 8,1 76,2 14,6 9,2   24,0 25,8 50,2 25,7 33,0 41,3 24,9 40,5 34,6 24,2 36,9 39,9   89,0 10,7 0,3 81,0 18,3 0,7 78,5 21,0 0,5 70,9 28,4 0,7     83,6 11,2 5,2 81,9 12,4 5,7 73,6 19,9 6,5 74,4 18,5 7,1 76,2 16,4 7,4 72,6 19,5 7,9       Der Trend zur Universität bewirkte wiederum den hohen Anteil von Freiberuflern unter den Wiener Juden.

Neben der Tätigkeit als Ärzte und Anwälte blieben sie mehrheitlich Händler, Kaufleute, selbständige Kapitalisten und Angestellte. Sie lehnten viele, sich in der Großstadt bietende Berufsmöglichkeiten ab, ganz gegen die Interessen der liberalen Förderer, zum Beispiel in den Sparten Fabriksarbeit und Handwerk. Aufgrund der galizischen Zuwanderer gab es in diesen Bereichen um die Jahrhundertwende einen leichten Zuwachs. Die Konzentration innerhalb spezifischer Berufszweige zog entsprechende geschäftliche und gesellschaftliche Kontakte nach sich, was durch ein dichtes Netz sozialer, kultureller und politischer jüdischer Organisationen zusätzlich forciert wurde. Zusammenfassend sei festgehalten, daß der Akkulturationsprozeß innerhalb der Großstadt beschleunigt wurde. Die Zuwanderer fühlten sich nicht so beengt wie innerhalb der traditionellen jüdischen Gemeinschaft und entledigen sich zu Teil überkommener sozialer und religiöser Verhaltensweisen.

Sie wurden zu mitteleuropäischen Städtern, nachdem die Kleidung, Sprache und Benehmen des Schtetls abgelehnt hatten; man strebte nach säkularer Bildung an den Gymnasien und Universitäten. Viele der wohlhabenden, gebildeten Juden nahmen nicht mehr am religiösen Leben Anteil. Einige taten sogar den letzten Schritt und konventierten.                                 5. Wiener jüdische Gemeinden 5.1 Die nicht jüdische Bevölkerung Wiens und die Juden Die weltpolitischen Ereignisse des ausgehenden 19.

 Jahrhunderts gaben den antijüdischen Gesinnungen erneut Nahrung. Die Jahre 1848, 1860 und 1867 waren ohne Zweifel für die Juden in rechtlicher Hinsicht ein Fortschritt, doch wurden sie weiterhin gesellschaftlich nicht akzeptiert. Die Ära des Hochliberalismus der 60er Jahre drängte die judenfeinfeindlichen Tendenzen vorübergehend in den Hintergrund. Die Juden, die durch die Revolution 1848 ein Stück Freiheit kennengelernt hatten, wurden nun die treuesten Anhänger des Liberalismus. Mit Begeisterung machten sich jene Juden, die für sich den Anspruch auf volle bürgerliche Gleichberechtigung stellten, zu Wortführern aller freiheitlichen Kreise des Bürgertums.   1873, den Börsencrash, kann man jedoch mit der Wende zum Feindbild der Juden deklarieren.

Das in wirtschaftlichen Depressionen steckende Kleinbürgertum wurde für antisemitische Schuldzuweisungen empfänglich. Die Gründe für die Entstehung des Feindbildes lassen sich nur schwer nennen, doch zählen sicherlich das Erleichterte Vorwärtskommen der Juden in allen Teilen des öffentlichen Lebens, ihre wirtschaftlichen Erfolge, ihr massiver Einfluß auf die Presse, die steigende jüdische Zuwanderung und der Börsenkrach von 1873 dazu. Bereits im 16. Jahrhundert hatte der Antisemitismus wirtschaftliche Ursachen. Zum Beispiel warf man den Juden vor, sich auf Kosten der Nichtjuden zu bereichern. Da die Christen im Mittelalter aus religiösen Gründen keine Zinsen nehmen durften, blieben die Geldgeschäfte meist den Juden vorbehalten.

So kam es, daß viele Christen bei Juden verschuldet waren. Den Juden waren außerdem die meisten Berufe verboten. Aus der Landwirtschaft wurden sie verdrängt, und ein Handwerk konnten sie nicht ausüben, weil sie als Nichtchristen kein Mitglied einer Zunft werden durften. So blieb ihnen nur das Geldgeschäft und der Kleinhandel. Somit sieht man, daß der Antisemitismus tiefe Wurzeln hat, und der Haß von Nichtjuden auf Juden seit jeher existiert.   Als Vorläufer der späteren antisemitischen Bewegung ist Domherr August Rohling zu sehen, der von katholischen Geistlichkeiten und ihrer Presse in Wien gefördert wurde.

Auch jene Kreise des Bildungsbürgertum, die den Antisemitismus grundsätzlich ablehnten, ließen sich durch Bücher wie die „Grundlage des 19. Jahrhunderts“, die Houston S. Chamberlain 1898 in Wien vollendete, von der Minderwertigkeit und Gefährlichkeit der jüdischen “Rasse“ überzeugen. Erst mit dem Auftreten der Altdeutschen unter Führung des Abgeordneten Georg v. Schönerer zu Beginn der achtziger Jahre wurde die antisemitische Ideologie nach dem deutschen Vorbild in die Massen getragen und zum Parteiprogramm erhoben. Georg von Schönerer ging mit seinem Motto “Ob Jude, ob Christ, ist einerlei – in der Rasse liegt die Schweinerei“ in diese traurige Geschichte ein.

Der Antisemitismus lehnte somit jedoch nicht in erster Linie die Religion, sondern die angeblichen Rassenmerkmale der zu den Semitenvölkern gehörenden Juden ab, und in Deutschland, Frankreich, Österreich und Ungarn schlossen sich politische Gruppen zusammen, um die Juden von hochrangigen Positionen auszuschließen. Antisemitismus ist ein im 19. Jahrhundert entstandener Begriff, der die Feindseligkeit den Juden gegenüber bezeichnet, unabhängig davon, ob sie religiös sind, oder nicht. Der Begriff Antisemitismus wurde 1879 von Wilhelm Marr geprägt, der mit zu seiner Verbreitung beitrug. Um dem Antisemitismus auch einen Nährboden zu geben, zog man rassistische Theorien heran, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland, Frankreich und England entwickelt worden waren.

Diese Theorien besagten, daß arische Völker, arisch ist mit dem Wort „edel“ gleichsetzbar, den semitischen Völkern körperlich und charakterlich überlegen sind. Die große Zahl mittelloser galizischer Juden, die sich um 1900 in der Metropole ansiedelten, konnten mit Sicherheit aber nicht als “kapitalistisches Feindbild“ dienen. Der Antisemitismus war und ist nicht nur von wirtschaftlichen Verhältnissen bestimmt.               5.2 Die Stellung der jüdischen Frau in Wien   Wie auch in anderen Religionen hatte die Frau im Judentum eine untergeordnete Rolle. Das System des Judentums begünstigte die Männer gegenüber den Frauen.

Macht und Autorität waren männliche Monopole und während Söhne vom frühen Alter an eine religiöse Ausbildung erhielten, wurden Mädchen so gut wie gar nicht unterrichtet. Den Frauen blieb auch weitgehend die Beteiligung am aktiven religiösen Leben der Synagoge verwehrt. Es ist heute nicht genau bekannt, ab wann die Absonderung der Frauen von den Männern erfolgte, doch schon mittelalterliche Synagogen haben separate Räumlichkeiten, den Frauenbereich. Erst mit den Reformern im 19. Jahrhundert gab es ein Entgegenkommen der Männer. In vielen Synagogen wurden die Gitter der Frauenbereiche niedriger gebaut oder ganz weggelassen.

War der Frauen- und Männerbereich durch eine Mauer getrennt, so kam es zu einer Öffnung mittels Durchbrüchen oder zu einem vollständigen Abriß. Bei den Reformern war es der Frau auch gestattet, unbehindert und aktiv am religiösen Leben teilzunehmen. Trotz der weiterhin andauernden Geschlechtertrennung war es für die Frau nun möglich, den Mann beim Gottesdienst zu sehen und andersherum. Man erreichte eine Integration der Frau. Die minderwertige Stellung der Frau im Judentum wird auch im Reinheitsprinzip deutlich. In der Mikwe, einem rituellen Bad, werden Personen oder Gegenstände gewaschen, die von Unreinheiten unterschiedlicher Herkunft gereinigt werden müssen.

Oftmals wird Unreinheit mit dem Tod verbunden. Wer also mit einem Toten in Kontakt war oder gar mit ihm unter einem Dach schlief wurde als nicht rein bezeichnet. Die Monatsblutung, die sich aus der Nichtbefruchtung und dem Tod einer Eizelle ergibt, macht die Frau in der Vorstellung des Judentums unrein. Während der Zeit der Unreinheit, also dem Zeitraum der Monatsblutung und den folgenden sieben Tagen, ist der Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner verboten und erst nach dem Untertauchen der Frau in der Mikwe wieder gestattet. Für die Frau gibt es also die Pflicht der Enthaltsamkeit während ihrer Periode der Unreinheit. Dieses Gesetz ist das Nidda-Gesetz, das Gesetz der Familienreinheit.

Das Eintauchen in der Mikwe gilt auch vor einer Hochzeit. Am Vorabend der Hochzeit ist es eine Pflicht für die Braut das Ritual des Untertauchens in der Mikwe auszuüben. Der Rechtsstatus war für Frauen ebenfalls nur gering. Man könnte ihn mit dem von Sklaven oder Minderjährigen vergleichen, nur daß dieser Rechtsstatus für jüdische Frauen ein Leben lang Gültigkeit hat. So war es ihnen untersagt, vor Gericht als Zeuge aufzutreten oder gar am politischen Leben teilzunehmen.     6.

Akkulturationsprozesse der galizischen und bokuwinischen Juden in Wien   Der erste Schritt beim Prozeß der Angleichung ist die Akkulturation, oder kulturelle Assimilation genannt. Das deutsche Wort Assimilation wird im “Duden Deutsches Universalwörterbuch“ als “Angleichung eines einzelnen oder einer Gruppe an die Eigenart einer anderen Gruppe, eines anderen Volkes“ definiert. Akkulturation, darunter versteht man die Annahme, der kulturellen Sitten durch die in unserem Fall jüdische Minorität, führt nicht unausweichlich zur völligen Anpassung an eine Gruppe. Es muß auch nicht sein, daß eine Gruppe verschwindet. Es kann passieren, daß sich eine Gruppe an die kulturellen Gewohnheiten einer Gesellschaft anpaßt, aber an seinen sozialen Akten, wie Freundschaft oder Geselligkeit festhält, und somit ihren Fortbestand sichert. Wie bereits erwähnt, erlangten die Juden ein gewisses Maß an Freiheit.

Die Aufhebung rechtlicher Beschränkungen und die allmähliche politische, wirtschaftliche und soziale Gleichstellung der Juden seit dem späten 18. Jahrhundert ist auch unter dem Begriff “Judenemanzipation“ bekannt. Diese Judenemanzipation wurde von der Aufklärung angeregt und von dem Gedanken der Toleranz und der Gleichheit aller Bürger geleitet. Der Grundstein im schweren Kampf um Gleichberechtigung wurde in der Französischen Revolution 1789 gelegt. Die Schlagworte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ galten hier erstmals auch für die Juden. 1782 leitete Kaiser Joseph II bereits in Europa.

mit einem Toleranzpatent die Emanzipation der Juden im Habsburgerreich ein. Napoleons Heere der französischen Revolution 1792 brachten diese Idee in weite Teile Europas und in Preußen zum Beispiel wurden die Juden im Rahmen der Preußischen Reformen 1812 gleichgestellt. Die jüdische Bevölkerung spaltete sich im 19. Jahrhundert in 2 Teile: die einen versuchten sich anzupassen, indem sie den Gesetzen genüge taten und die anderen bekämpften die Unterdrückung, indem sie sich dagegen wehrten. Die Judenemanzipation bewirkte auf der einen Seite eine verstärkte Assimilation der Juden, förderte auf der anderen Seite jedoch den Antisemitismus in Europa, der wiederum auf Entstehung und Ausbreitung des Zionismus wirkte und in einigen europäischen Ländern die Emigration der Juden forcierte.     6.

1 Reformbewegungen und Zionismus   Um die Jahrhundertwende vollzog sich fast unmerklich die Wiedererweckung des Judentums als geistigen Machtfaktors, der über den Parteien stand. Im 19. Jahrhundert entstand der Zionismus als eine organisierte politische Bewegung, doch seine Wurzeln reichen bis in das 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, als die Juden in die Gefangenschaft nach Babylon verschleppt wurden und ihre Propheten ihnen Mut zusprachen, daß Gott sie eines Tages wieder nach Palästina, oder ins Land Israel, zurückkehren lasse.

Den Namen Zionismus bekam die Bewegung 1890 vom österreichisch – jüdischen Philosophen Nathan Birnbaum, der diesen von der im Alten Testament eroberten Jebusiterfestung in Jerusalem ableitete. Der Aufstieg des modernen Antisemitismus begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, da zu dieser Zeit in Deutschland und Österreich-Ungarn organisierte antisemitische Parteien entstanden. 1896 veröffentlichte Theodor Herzl, ein österreichischer jüdischer Journalist, der als Begründer des modernen politischen Zionismus gesehen werden kann, eine Broschüre mit dem Titel “Der Judenstaat “, in der er die Gründe für den Antisemitismus analysierte und die Gründung eines eigenen jüdischen Staates vorschlug. Der 1. Zionistenkongress in Basel 1867, veranstaltet von Herzl, forderte indirekt die “Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland“.

Der Kongress gründete die Zionistische Weltorganisation (WZO) und ermächtigte sie, in jedem Land mit einem nennenswerten jüdischen Bevölkerungsanteil Zweigstellen zu errichten. Alle Versuche den Antisemitismus wirksam zu bekämpfen scheiterten, und der Zionismus, in dem der Ostjude den Beginn der Erlösung erblickte, fand nicht den Weg zur westlich orientierten jüdischen Intelligenz Wiens. Der Zionismus brachte ein Fülle unterschiedlicher Ideen und Ideologien hervor. Er spaltete sich in 3 Bereiche: den kulturellen Zionismus, den sozialistisch orientierten Zionismus und den religiösen Zionismus. Schon auf dem 2. Zionistenkongress in Basel 1898 wurde die Eroberung der Kultusgemeinde in allen jüdischen Siedlungen der Welt als Voraussetzung für einen Erfolg der zionistischen Zielsetzung gefordert.

Jüdische Gemeindevertreter, die ein Mandat inne hatten, traten jedoch nie für spezielle jüdische Interessen ein und so riet man jüdischen Wählern, ihre Stimmen den sozialdemokratischen Kandidaten zu geben. Diese Partei war jedoch aus Gründen der Popularitätshascherei nicht bereit, den Kampf den Antisemitenführern zu erklären. Um die judenfeindlichen Tendenzen in allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu bekämpfen, gründete man ein eigenes Forum, den “Jüdischen Volksverein“. Das Judentum wurde verstärkt für den in Zeit der Industrialisierung aufkommenden Pauperismus verantwortlich gemacht. So wuchs der Judenhaß am Ende des 19. Jahrhunderts zusehends.

Der Sozialdarwinismus war die Grundlage für viele Antisemiten. Er sah eine Notwendigkeit darin, die Menschen in hochwertige und minderwertige Rassen zu unterscheiden, wobei nur die hochwertige Rasse überleben sollten.                                 6.2 Andere Organisationen   Die Wiener Juden übten ähnliche Berufe aus, lebten in derselben Umgebung, gingen zusammen in die Schule und heirateten einander. Sie schufen auch ein ausgedehntes Netz jüdischer Organisationen, welches ihnen gestattete, vor allem auch mit anderen Juden Umgang zu pflegen. Durch dieses verschiedenartige Netz von Organisationen versorgten sich die Juden mit einer wirksamen Bremse gegen die vollständige Assimilation.

Jüdische Organisationen hatten zwei Zwecke. Einerseits bildeten sie ein Forum für die Geltendmachung der jüdischen Identität und andererseits versetzen die Juden verschiedener politischer Überzeugungen in den Stand, ein fast vollständig jüdisches Gesellschaftsleben zu führen. Jeder Untergruppe der Wiener jüdischen Gemeinde gründet, ihre eigenen Institutionen, die ihr halfen, die eigene Art jüdischer Identität zu sichern und ein Forum für reichhaltigen Meinungsaustausch mit jüdischen Mitbürgern zu bieten. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG), eine religiöse, wohltätige und soziale Organisation, leitet die religiösen Angelegenheiten der Wiener jüdischen Gemeinde. Schon 1852 ermächtigte die österreichische Regierung die Gemeinde zur ausschließlichen Vertretung der religiösen, erzieherischen und philanthropischen Bedürfnisse der Juden in der Stadt. Obwohl das Gesetz zur freien Religionsausübung von 1868 nur eine Gemeinde in jeder Stadt erlaubte, kümmerte sich die Israelitische Kultusgemeinde nur um die religiösen Angelegenheiten der aschkenasischen Juden in Wien.

Die Führung der IKG entstammte den reichsten und mächtigsten Kreisen der Wiener Judenschaft. Weiter religiöse, wohltätige Organisationen waren die Wiener “Allianz“, die moderne Schulen in Galizien errichtete, der “Verein zur Unterstützung jüdischer Handwerker und Kleingewerbetreibender“, gegründet 1888, “Wien“, gegründet 1895 und “Eintracht“, gegründet 1903. Neben all diesen karitativen und sozialen Organisationen schufen Wiener Juden auch politische Bewegungen, um für die persönlichen Rechte der Juden oder für jüdische nationale Gleichberechtigung zu kämpfen. Sie gründeten neue Bewegungen zur Auseinandersetzung mit dem Problem des Antisemitismus und zur erneuten Definition, was es bedeute Jude in Österreich zu sein. Die “Österreichisch- Israelitische Union“ versuchte die jüdischen Recht gegen die zunehmend heftiger werdenden Angriffe der Antisemiten zu verteidigen. Weiters wurde der Zionismus ins Leben gerufen, den wir bereits in Kapitel 6.

1 erklärt haben. Daß der Kampf der Juden um die in der Aufklärung wichtigen Worte, Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit, vergebens waren, zeigt sich spätesten dann im 2. Weltkrieg, bei dem man, mit der systematischen Vernichtung der Juden begann.                                                                          7. Resümee   Die Verbundenheit mit der deutsch-österreichischen Kultur beeinflußte den Wanderungsentschluß der galizischen und bukowinischen Juden ebenso, wie die Hoffnung mancher gläubiger Juden, das religiöse Leben in Wien einigermaßen aufrechterhalten zu können. Bei einer Bearbeitung von Autobiographien, wie dies zum Beispiel Mayer versuchte, fällt auf, daß die Autoren in ihrer Mehrheit keineswegs zu den strenggläubigen, orthodoxen Juden gehörten.

Der Prozeß der Assimilation an die nichtjüdische Umgebung hatte bereits bei zum Beispiel Leo Geller, die Väter von Minna Lachs und Julius Braunthaler in Galizien und der Bukowina eingesetzt. Die Betroffenen waren in bildungsmäßiger Hinsicht zum Teil auf den beschwerlichen Weg des Selbststudiums angewiesen. Die meisten dieser Migranten kehrten nicht mehr in den Osten zurück. Sie schwärmten durchwegs von Wien, seiner Kultur, seinen Denkmälern sowie vom pulsierenden Großstadtleben im allgemeinen. Der Aufbau einer wirtschaftlich-materiellen Existenz gestaltet sich zumeist schwierig; man hat jedoch mit diesen Anfangsschwierigkeiten gerechnet und sie in Kauf genommen. Als Wermutstropfen erwies sich vielmehr der bis 1938 stetig wachsende und immer brutaler werdende Antisemitismus der Wiener Bevölkerung, der vor allem in den Jahren des 1.

Weltkriegs von Feindseligkeiten seitens der bereits länger Zeit etablierten Juden Wiens begleitet wurde. Die Abneigung und Arroganz gegenüber den abfälligerweise als “Polische“ bezeichneten Juden war deutlich zu spüren, auch innerhalb der Familien. Der Antisemitismus und sein grausamster Höhepunkt, die Shoah, werden vorerst ein Bestandteil jüdischer Identität bleiben. Das kommt vor allem in den Lebenserinnerungen a- religiöser Juden zum Ausdruck, die aufgrund dieser schrecklichen Erfahrungen zu ihren Wurzeln zurückfanden. Man denke nur an Georg Clare, Helene Deutsch, “Bubi“ Zerwanitzer, Minna Lachs und Mane´s Sperber. Dennoch gab es durchaus auch positive Beziehungen zwischen den Autoren und nichtjüdischen Freunden und Bekannten.

Doch besonders in den weltlichen Schulen, die die meisten von ihnen besuchten, wurde ihnen erstmals ein Gefühl der Ausgeschlossenheit vermittelt, durch den getrennten Religionsunterricht. Strenggläubige Juden blieben in der Regel auch in Wien der traditionellen Lebensweise treu, Unterschiede existieren in Bezug auf die äußerliche Akkulturation. Während sich die einen in Sprache, Kleindung und Benehmen an die Umgebung anpaßten, machten die anderen auch in diesem Bereich keine Zugeständnisse an die Umgebung. Sie konnten jedoch trotz allem nicht verhindern, daß die Nachkommen das Großstadtleben und seine vielfältigen Möglichkeiten in vollen Zügen genossen haben.                                                                                                           Bibliographie     Allerhand, Jacob: Das Judentum in der Aufklärung.- Stuttgart / Bad Cannstatt 1980   Borchardt, Wolfgang / Mölder, Reinhardt: Jüdisches Leben in christlicher Umwelt.

Ein historischer Längsschnitt.- Berlin 1991   Chamberlain, Houston Steward: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts.- München 1923   Drosdowski, Günther: Duden deutsches Universalwörterbuch. Auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibung. 3.

erw. Auflage.- Mannheim, Wien 1996  Enzensberger, Hans Magnus: Die große Wanderung. 33 Markierungen.- Frankfurt 1993   Encarta Enzyklopädie: Multimediales Nachschlagen. Freude am Lernen.

- 1998   Glockemeier, Georg: Zur Wiener Judenfrage.- 1936   Gold, Hugo: Geschichte der Juden in Wien.- Tel-Aviv 1966   Grübel, Monika: Judentum.- Köln 1996   Hödl, Klaus: Als Bettler in die Leopoldstadt. Galizische und bukowinische Juden auf dem Weg nach Wien.- Wien 1994.

  Keil, Martha [Hrsg.]: Studien zur jüdischen Geschichte in Österreich.- Wien 1994   Lichtblau, Albert / John, Michael: Mythos „deutsche Kultur“. Jüdische Gemeinden in Galizien und der Bukowina. Zur unterschiedlichen Ausformung kultureller Identität. In: Keil, Martha / Lappin, Eleonore [Hrsg.

]: Studien zur Geschichte der Juden in Österreich. Handbuch zur Geschichte der Juden in Österreich. Reihe B. Band 3. Bodenheim 1997   Mayer, Monika: Galizische und bukowinische Juden in Wien. Migration und Akkulturation.

Das Leben im „Schtetl“ und in der neuen „Heimat“ im Spiegel lebensgeschichtlicher Aufzeichnungen. Diplomarbeit.- Salzburg 1995   Mattes, Angelika Maria: Wiens Juden: Subjekt und Objekt der Wiener Journalistik am Beispiel Neue Freie Presse. Diplomarbeit aus Publizistik.- Salzburg 1995   Roth, Joseph: Juden auf Wanderschaft. In: Roth, Joseph: Juden auf Wanderschaft.

In: Roth, Joseph: Werk ein 3 Bänden. 3. Band.- Köln, Berlin 1956   Rozenblit, Marsha L.: Die Juden Wiens 1867-1914. Assimilation und Identität.

- Wien 1989.   Sassen, Saskia: Migranten, Siedler, Flüchtlinge. Von der Massenauswanderung zur Festung Europa. 3. verb. Aufl.

Frankfurt am Main 2000    https://www.dl.shuttle.de/dl/lessing-doebeln/projekt/index.htm aufgerufen am 2.1.

2001  https://www.hagalil.com/galluth/chaim.htm aufgerufen am 28.12.2000  https://www.

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