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  Gliederung

Gliederung    Thematik der beiden Gedichte Interpretation der beiden Texte Erschließung Rilke: „Der Tod der Geliebten“ Inhalt: Person lernt durch Tod der Geliebten den Tod kennen Aufbau: Vier Sinnesabschnitte Zeile 1 und 2: Mann weiß nicht über Tod Zeile 3 bis 8: Tod der Geliebten Zeile 9 bis 11 Mitte: Der Tod als etwas Bekanntes Zeile 11 Ende bis 14: Akzeptieren des Todes Satzbau Klanggestalt in Verbindung mit Wortwahl Verwendung von Wörtern mit dunklem Klang Bindung durch Enjambements Alliterationen Bilder Der Tod Die Toten 2.2. Erschließung Bachmann: „Dunkles zu sagen“ Inhalt: lyrisches Ich scheint Verlust einer anderen Person zu beklagen Aufbau: sechs Sätze 2.2.2.1 Zeile 2 bis 5: Trostlosigkeit Zeile 6 bis 11: Erinnerung Zeile 12 bis 18: Der Tod Zeile 19 und 20: Getrenntsein und Klage Zeile 21 bis 24: Leben nach dem Tod Satzbau: Hypotaxe und Inversion Wortwahl Klanggestalt 2.

2.5.1 Wortklangspiele „Seite-Saite“ 2.2.5.2 Wortklangspiel „blaut“ Bilder 2.

2.6.1 Der Tod Vergleich Die Thematik (Parallelen, Unterschiede) Formaspekte Unterschiedliche Klanggestaltung Epochale Einbettung Rilkes Gedicht als ein Gedicht des Impressionismus Bachmanns Gedicht als ein Gedicht der Nachkriegszeit Stellungnahme zu beiden Werken              In Rainer Maria Rilkes Gedicht „Tod einer Geliebten“ beschreibt der Autor, wie das lyrische Ich durch den Tod seiner Geliebten die Angst vor dem Tod verliert und lernt, ihn zu akzeptieren. Ingeborg Bachmanns Gedicht „Dunkles zu sagen“ hat ebenfalls den Tod als Thematik, das lyrische Ich vergleicht sich mit Orpheus, stellt dar, wie es sich mit dem Gedanken an den Tod einer anderen Person, möglicherweise einer geliebten Person, beschäftigt.   Das lyrische Ich in Rilkes Gedicht beschreibt anfangs eine Person, die nichts über den Tod weiß, lediglich dass der Tod etwas nimmt, ist ihm bekannt. Doch dadurch, dass er die Geliebte verliert, und zwar auf eine sanfte Art und Weise und nicht plötzlich, erkennt er, dass der Tod nicht so schlimm ist, wie er zuerst befürchtet hat, sondern „lernt ihn kennen“, akzeptiert ihn als etwas, was geschieht, was man nicht verhindern kann, findet sich damit zurecht und lebt fortan mit den Tod, nicht dagegen.

Der Tod ist für den Mann nur mehr das „gutgelegene, das immersüße“ (Z.13) Land, vor dem man keine Furcht haben muss, durch seine Geliebte wird er mit ihm verbunden. Das Gedicht entspricht von seiner äußeren Form her einem Sonett, es besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten, wobei die Quartette das Reimschema a-b-a-b besitzen, die Terzette c-d-d, wobei c ein Schweifreim ist. Auffallend ist hier, dass der Text durch Satzzeichen aufgeteilt wird, und nicht durch die Strophenform. Der erste Abschnitt endet nach dem Punkt in Zeile 2, die Person, von der berichtet wird, weiß nichts über den Tod. Der zweite Abschnitt endet meiner Meinung nach mit dem Doppelpunkt in der achten Zeile, die Geliebte ist aus dem Leben geschieden.

Im nächsten Abschnitt, der bis zu dem Semikolon in Zeile 11 reicht, lernt der Mann den Tod kennen, er ist ihm nicht mehr fremd, und im letzten Abschnitt lernt er schließlich, mit dem Tod zu leben, ihn als etwas schönes zu akzeptieren. Die letzte Zeile könnte man hier noch eventuell absondern, den sie grenzt sich von ihrem Inhalt her ein wenig vom restlichen Text ab, die angesprochene Person lebt hier scheinbar in beiden Welten, denn sie „tastet“ das Land des Todes ab, ist aber offensichtlich noch am Leben. Was an dem Gedicht auffällt ist, dass es aus zwei kurzen und einem sehr langen Satz besteht. Der erste Satz geht bis Zeile 2, der zweite bis Zeile 13 und der letzte schließlich geht nur über eine Zeile. Möglicherweise will der Autor so den Verlauf des Kontaktes mit dem Tod darstellen. Anfangs ist nichts vorhanden, was mit dem Tod zu tun hat, dann lernt man ihn kennen, eine längere Prozedur, und schließlich ist er etwas normales, nichts außergewöhnliches.

Durch die Wortwahl Rilkes lernt der Leser ebenfalls den Tod als etwas, das nicht schlimm ist, kennen. Rilke verwendet häufig Worte mit weichem bzw. dunklem Klang, vor allem bei den reimenden Wörtern (z.B. Schatten – hatten, bekannt – Land, nun - wohlzutun); hierdurch wird die Angst vor dem Tod schon verringert, da er nicht mehr so hart klingt. Das Gedicht erscheint in seiner gesamten Form sehr rund und gebunden, was auch durch die häufigen Enjambements erzielt wird.

Diese Wirkung wird verstärkt durch die Alliterationen, die Rilke verwendet. So wird der Tod der Geliebten durch die Worte „aus seinen Augen ausgelöst“ (Z.4) sehr milde beschrieben, nicht unangenehm oder gar schmerzhaft. Das unterstreicht besonders das Wort „leis“, der Tod erscheint beiläufig, nimmt etwas sanft weg. Auch die Alliteration bei „Mond ihr Mädchenlächeln“ stellt den Tod nicht als etwas schlimmes dar, sondern als einen Ort, wo es der Geliebten anscheinend gut geht, da sie sonst nicht lächeln würde, er scheint ihr wohl zu tun (Z.8).


Der Tod selbst wird von Rilke personifiziert, er reißt niemanden fort, sondern nimmt die Sterbende leise aus dem Leben. Später im Gedicht wird der Tod zum „gutgelegenen, immersüßen“ Land, in dem es eventuell Unebenheiten gibt, was das Abtasten des Mannes erklären würde, da er somit alles aus dem Weg räumen könnte, was den Füßen der Geliebten beim Gehen auf dem Boden des „Landes“ schaden könnte. Die bereits Gestorbenen sind anfangs unbekannte Schatten, Umrisse, die man nicht kennt, nicht scharf sehen kann, doch mit der Erkenntnis, dass sie der Geliebten nicht schaden, sondern ihr Gutes tun und „wie einen Mond ihr Mädchenlachen“ haben, werden die Toten für den Mann sichtbar, vertraut, als würde er sie kennen oder wäre gar mit ihnen verwandt. Insgesamt kann man sagen, dass die Person durch den Verlust der Geliebten die „wahren“ Eigenschaften des Todes kennen lernt, und so die Angst vor diesem genommen wird, genauso wie die Trauer über den Verlust. Das zweite Gedicht, „Dunkles zu sagen“ von Ingeborg Bachmann, beschäftigt sich auf eine andere Art und Weise mit dem Thema „Tod“. Hier gibt es ein lyrisches Ich, es vergleicht sich mit Orpheus, der in der griechischen Antike seine Frau entgültig verlor, weil er sich, nachdem er sie aus der Unterwelt bereits befreit hatte, nach ihr umdrehte, obwohl im das verboten worden war.

In Bachmanns Text beklagt das lyrische Ich anscheinend ebenfalls den Verlust eines Menschen, wobei es sich in der Gegenwart befindet und an die Vergangenheit zurückzudenken scheint. Da Bachmann das Gedicht erst in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts schrieb, könnte es sich auf des zweiten Weltkrieg und dessen Ausmaße beziehen, bzw. auf die Zeit direkt danach, die Nachkriegszeit. Das lyrische Ich scheint jedenfalls den Verlust einer anderen Person zu beklagen. Aufteilen kann man das Gedicht nach Sätzen, fast jeder Satz bildet einen eigenen Absatz.

Der erste Satz beschreibt den Jetzt-Zustand des lyrischen Ichs, es vergleicht sich mit Orpheus, spielt „auf den Saiten des Lebens“, scheint also noch am Leben zu sein. Es „spielt“ wohl „das Lied vom Tod“, das Lied über die vermeintlich gestorbene Person, beschreibt die „Schönheit der Erde und“ der „Augen“, die so schön gewesen sein müssen, dass sie den „Himmel verwalten“. Doch das lyrische Ich scheint der Person nichts schönes sagen zu können, sondern nur Dunkles, möglicherweise weil der Verlust der Person das lyrische Ich so sehr schmerzt. Im zweiten Satz erinnert („Vergiß nicht“ (Z.6)) das lyrische Ich die Person an die Vergangenheit – der Tempus wechselt ebenfalls von Präsens zu Imperfekt, was das ganze unterstützt -, daran, dass sie an einem bestimmten „Morgen“ (Z.7), als sie anscheinend gerade erwacht war, einen „dunklen Fluß sah“ (Z.

10) der an ihr „vorbeizog“ (Z.11) Der dritte Abschnitt, und somit der dritte Satz, könnte sich mit dem Tod der Person beschäftigen, denn das lyrische Ich erzählt vom „Schweigen“ (Z.12), von einer „Welle von Blut“ (Z.13), davon das sich die „Locke ins Schattenhaar der Nacht“ (Z.15f) verwandelt hat, und dass „der Finsternis schwarze Flocken“ (Z.17) das Antlitz der Person „beschneiten“ (Z.

18). Möglicherweise wird hier das Erleben des Todes aus den Augen des lyrischen Ichs erzählt. Der vierte Abschnitt ist anders als die restlichen Abschnitte, er besteht nicht aus einem langen Satz, der sich über mehrere Zeilen erstreckt, sondern er setzt sich aus zwei kurzen Sätzen zusammen, die beide jedoch sehr viel aussagen. Der erste Satz stellt die Situation ein wenig klarer dar, das lyrische Ich gehört nicht zu der anderen Person, bzw. hat zu ihr gehört, macht es aber jetzt nicht mehr. Das stellt auch der erneute Wechsel des Tempus dar, nun wieder im Präsens.

Der zweite Satz in diesem Abschnitt beschreibt den Zustand der beiden Personen, sowohl das lyrische Ich als auch die Person beklagen sich anscheinend über den gegenseitigen Verlust. Im letzten Absatz greift Bachmann wieder den Vergleich mit Orpheus auf, das lyrische Ich erkennt, dass das Leben mit dem Tod nicht unbedingt vorbei ist, sondern dass es danach möglicherweise weitergeht, nur wahrscheinlich in einer anderen Art. Wie bereits erwähnt besteht das Gedicht aus wenigen, jedoch langen Sätzen, die meist hypotaktisch angeordnet sind. Das verstärkt mitunter die Einteilung des Gedichts. Diese Hypotaxe sieht man besonders deutlich im zweiten Satz, wobei der Einschub „plötzlich“ eine eigenartige Wirkung beim Leser erzielt, da die ganze Situation, in der sich die Person und das lyrische Ich befinden, anscheinend auf einmal gebildet hat, und nicht vorauszuahnen war. Man wird dadurch vielleicht ein wenig mehr auf die bevorstehende Wende vorbereitet, auf die Grausamkeiten des Todes, auf den „dunklen Fluß“, der womöglich durch viel Blut so dunkel geworden ist, worauf man durch die „Welle von Blut“ schließen kann.

Oft treten auch Inversionen auf, um bestimmte Dinge hervorzuheben, wie z.B. beim Vergleich mit Orpheus: „Wie Orpheus spiel ich auf den Saiten des Lebens den Tod“. Eigentlich müsste der Satz lauten: „Ich spiele wie Orpheus auf (...

)“. Diese Umstellung kommt auch beim zweiten Vergleich mit Orpheus (Z. 21f) vor, Bachmann hebt so die Tragödie des Orpheus in den Vordergrund und erzeugt so eine stärkere Wahrnehmung des Lesers was den Vergleich des lyrischen Ichs mit Orpheus betrifft. Ähnlich verhält es sich mit dem ersten kurzen Satz in Zeile 19, durch die Umstellung von „nicht zu dir“ zu „dir nicht zu“ wird das Getrenntsein der beiden Personen verdeutlicht, der Abstand der beiden klargemacht. Seltsam erscheinen die Verbindungen des Wortes „Saite“ mit dem Leben und dem Schweigen (Z.2 und 12); vielleicht stellt Bachmann durch die Saite die minimale Linie des Unterschiedes Leben – Tod dar.

Auch die „Nelke“, die „an deinem Herzen schlief“, erscheint unnatürlich ob der Personifikation. Möglicherweise stellt die Nelke in diesem Zusammenhang eine bestimmte Bedeutung für das lyrische Ich dar, eventuell ist sie auch ein Sinnbild für Unberührtheit, Unversehrtheit, Frieden, was alles durch den „dunklen Fluß“ zerstört wird. Durch die Wortwahl des dritten Satzes wird, wie oben bereits erwähnt, möglicherweise der Tod einer Person dargestellt. Die Verwandlung der „Locke ins Schattenhaar der Nacht“ versinnbildlicht den Tod, denn etwas lebendiges wie das Haar wird schwarz, leblos, in Verbindung mit Nacht und Dunkel steht auch oftmals der Tod. Auch die Tatsache, dass „der schwarzen Flocken“ das Antlitz beschneien, bestätigt den Eindruck des Todes. Der Schnee und die damit zusammenhängende Kälte rufen ein dunkles und kaltes Bild im Kopf des Lesers hervor.

Besonders auffällig bei der Untersuchung der Klanggestalt ist wohl Bachmanns Klangspiel mit den Wörtern „Saite“ und „Seite“. Hierbei stößt ins Auge, dass die Wörter nahezu symmetrisch in den Text eingegliedert sind, nämlich anfangs, in der Mitte und kurz vor Schluss, sich somit durch das gesamte Gedicht ziehen. Dadurch, dass „Saite“ und „Seite“ den selben Klang haben und man sie beim Hören nicht bzw. nur sehr schwer unterscheiden kann, entsteht eine Art Doppeldeutigkeit in der Verwendung. Man kann folglich sowohl den Tod auf der Seite des Lebens finden, als auch umgekehrt, die beiden Seiten hängen unmittelbar miteinander zusammen, und um im Kontext zu bleiben könnte man wohl auch sagen, dass Leben und Tod auf der selben Saite spielen. Das andere Klangspiel findet beim Wort „blaut“ (Z.

23) statt, dass man sowohl als ein „blüht“ deuten könnte - „blüht“ im Sinne von „mir blüht ein Leben ohne dich“ - oder aber als ein „graut“, hier im Sinne von „mir graut es davor, ohne dich leben zu müssen“, was aber voraussetzen würde, dass die Person, von der das lyrische Ich spricht, noch am Leben sein müsste, wenn auch nicht in unmittelbarer Nähe vom lyrischen Ich. Obwohl das Gedicht als zentrales Motiv den Tod hat, wird dieser kaum beschrieben, jedenfalls nicht so offensichtlich wie im ersten Gedicht. Das Wort selbst kommt nur zweimal vor, nämlich am Anfang und am Ende. Dazwischen gibt es nur Anspielungen auf den Tod, bzw. Umschreibungen. Hierzu zählen Wortverbindungen wie „dunkler Fluß“, der auf einen Fluß voll mit Blut schließen lässt, was wiederum Anlass zur Annahme einer Anspielung auf den zweiten Weltkrieg gibt.

Dazu kommt nahezu der gesamte dritte Satz, der womöglich den Tod der Person beschreibt, wie oben bereits angesprochen. Auch das „für immer geschlossene Aug“ (Z.24) verstärkt den Eindruck, denn nur ein Toter kann sein Auge nie mehr öffnen, und es bleibt auf ewig geschlossen.   Vergleicht man nun die beiden vorliegenden Gedichte kann man folgendes sagen: Beide haben zwar das selbe Thema, nämlich den Tod, behandeln dieses aber auf unterschiedliche Art und Weise. Während Rilke den Tod beschreibt, seine Auswirkungen darstellt und wie eine Person damit umgeht, umschreibt Bachmann den Tod ein wenig mehr, sie nennt ihn nicht so direkt wie Rilke, stellt ihn jedoch härter dar, grausamer, das lyrische Ich wird durch den Tod wahrscheinlich vollends von einer Person getrennt, wohingegen bei Rilke die Person, die die Geliebte verliert, weiterhin eine Art von Kontakt mit der Gestorbenen zu haben scheint. Die Auswirkungen des Todes werden folglich verschieden dargestellt, einmal nimmt der Tod zwar das Leben, aber nicht vollends den Kontakt, und auf der anderen Seite zerreißt der Tod zwei Menschen, möglicherweise ihre Beziehung.

Bei beiden Texten wird jedoch jemandem eine Person – nahestehend oder nicht sei dahingestellt, jedoch sicher in irgendeiner Art von Beziehung – durch den Tod genommen, und über diesen Verlust wird das Gedicht geschrieben. Hier wird auch die unterschiedliche Wahrnehmung des Todes sichtbar, wie ein Mensch diesen oftmals schmerzlichen Verlust auffasst, mit ihm zurechtkommt. Vom Äußeren her ist der größte Unterschied natürlich die Gedichtsform. Während Rilke in der klassischen Form des Sonetts schreibt, und seine Versenden sich nach dem vorgegebenen Muster reimen, schreibt Bachmann in einer freien Form ohne jegliches Reimschema. Was beide jedoch gleichermaßen verwenden ist die Hypotaxe, beide schreiben das gesamte Gedicht in wenigen Sätzen, und beide Autoren gliedern ihr Gedicht neben den Strophen nochmals durch Satzzeichen. Ein weiterer Unterschied, der die verschiedenartige Ausführung der Thematik unterstützt, ist die Klanggestalt.

Wie erwähnt klingen die Verse von Rilke hell, freundlich, er verwendet kaum Wörter mit hellem, schrillem Klang bzw. hellen Vokalen, was den Eindruck des sanften Todes beim Leser verstärkt. Ingeborg Bachmanns Gedicht hingegen ist vom Klang her ein wenig schriller, der Tod wirkt grausam, schmerzhaft, eben so, als ob er etwas Schönes zerreißt. Dadurch, dass Rilke das Gedicht am Ende des Impressionismus geschrieben hat, sind hier einige impressionistische Elemente erkennbar. Der Autor bemüht sich hier offensichtlich um eine Wiedergabe der Eindrücke, die die Person durch den Tod erfährt. Er beschreibt die Wahrnehmung des Todes selbst, wie die Person damit umgeht, er stellt die subjektive Erfahrung der Person dar, jedoch ohne konkret zu werden.

Durch die Verbindung des Todes mit dem Leben als ein „gutgelegenes, immersüßes“ Land zerbricht er die Vorstellung eines ganzheitlichen Weltbildes, er ersetzt das Rationale, wie es im Naturalismus noch verlangt wurde, durch innere Empfindungen. Bachmanns Gedicht lässt nicht nur aufgrund des Erscheinungsjahres darauf schließen, dass sie darin Elemente des Krieges bzw. der Nachkriegszeit verarbeitet hat. Bachmann bemüht sich in ihrem Werk um eine vieldeutige Metaphorik, sie verwendet oftmals neue, wenn auch meist paradoxe Kombinationen von Wörtern, und ihre Bilder ergeben auf den ersten Blick keinen Sinn, sie schreibt in mehreren Chiffren, der Leser muss sich die Bedeutung des Werkes erst erarbeiten, sie ist nicht so offensichtlich wie bei Rilke. Möglicherweise verwendet Bachmann das Gedicht auch, um ihre unmittelbaren Eindrücke und wohl auch oftmals schrecklichen und schmerzhaften Erfahrungen, die sie während des zweiten Weltkrieges gesammelt hat, besser verarbeiten zu können. Meiner Meinung nach sind beide Gedichte sehr gut.

Rilkes Gedicht ist einfacher zu lesen, man erfährt leichter die Intension des Autors und muss sich nicht soviel erarbeiten. Bachmanns Gedicht dagegen ist nicht so durchschaubar, man muss es erst mehrmals lesen, um in etwa die Intension der Autorin hinterfragen zu können. Dafür gibt es im Endeffekt mehr her, je öfter man es liest, desto mehr Bilder und Symbole kann man finden bzw. hineininterpretieren. Was das Gedicht zudem interessant macht ist, dass es einem keine klaren Aussagen liefert, der Leser muss sich alles selbst erarbeiten, und er findet nirgends im Text klare Belege für seine Vermutungen. Hier wird der Fantasie des Lesers keine Grenze gesetzt, jeder kann in dem Text das finden, was er für die richtige Aussage des Autors hält.

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