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  Brecht, bertolt, eigentlich berthold eugen friedrich brecht (1898-1956), schriftsteller und regisseur, einer der einflußreichsten deutschen dramatiker des 20

Mutter Courage und ihre Kinder Bertolt Brecht entstanden 1938/39Autor: Brecht, Bertolt, eigentlich Berthold Eugen Friedrich Brecht (1898-1956), Schriftsteller und Regisseur, einer der einflußreichsten deutschen Dramatiker des 20. Jahrhunderts, dessen experimentelles Theater großen Einfluß auf die Entwicklung des modernen Dramas ausübte. Brecht wurde am 10. Februar 1898 als Sohn eines Fabrikdirektors in Augsburg geboren und studierte u. a. Literatur, Philosophie und Medizin.

1919/1920 schrieb er Theaterkritiken für die Zeitung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und verfaßte seine ersten Stücke. Der Erfolg des 1922 in München uraufgeführten Stückes Trommeln in der Nacht brachte Brecht den Kleist-Preis ein. Bald darauf erhielt er einen Dramaturgenvertrag an den Münchner Kammerspielen. 1924 übersiedelte er nach Berlin, wo er unter der Leitung von Max Reinhardt Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin wurde. 1928 begann mit der Dreigroschenoper Brechts Zusammenarbeit mit dem Komponisten Kurt Weill. Dieses auf der Grundlage von The Beggar‘s Opera (1728) von John Gay entstandene Musical, eine beißende Satire auf den Kapitalismus und bürgerliche Konventionen, wurde zu einem großen Theatererfolg.

1926 hatte Brecht begonnen, sich mit dem Marxismus zu beschäftigen, der prägend für seine weitere Arbeit wurde. Von 1928 bis zur Machtergreifung Hitlers schrieb er mehrere didaktische musikalische Dramen. Die Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahogonny (1930), eine Parodie auf die Auswüchse des Kapitalismus, wiederum mit Musik von Weill, rief einen der größten Theaterskandale der Weimarer Republik hervor. Während der Arbeit am Deutschen Theater in Berlin bildete Brecht Schauspieler aus und begann, die Theorie des epischen Theaters auszuarbeiten. In bewußter Abgrenzung zur Theorie und Praxis des traditionellen aristotelischen Dramas, entwickelte er eine demonstrierend-erzählerische Form, bei der er distanzierende Mittel wie Beiseitesprechen, kommentierende Songs und Masken benutzte, um die Einfühlung des Zuschauers in den Schauspieler (der im Gegensatz zum illusionistischen Theater seine Rolle nur „zeigt“) zu verhindern. Der Verfremdungseffekt sollte in der Vermeidung der Identifikation des Publikums mit dem Bühnengeschehen als wesentliches Element dazu dienen, einen kritischen Lern- und Bewußtseinsprozeß anzuregen.

Die sogenannten Lehrstücke, darunter Die Maßnahme (1930), Die Ausnahme und die Regel (1930) sowie Der Jasager und der Neinsager (1930), sind der radikalste Ausdruck des am Marxismus geschulten Denkens Brechts. Als Gegner des Nationalsozialismus ging Brecht im Februar 1933 in die Emigration. Zunächst lebte er in der Schweiz, ließ sich 1933 in Dänemark nieder, wo er mit Unterbrechungen bis 1939 lebte. Er gelangte schließlich 1941 nach Kalifornien (bis 1947). In diesen Jahren des Exils entstand ein großer Teil seiner wichtigsten Werke, darunter Leben des Galilei , das Antikriegsstück Mutter Courage und ihre Kinder, das sogenannte „Volksstück“ Herr Puntila und sein Knecht Matti , sowie die Parabelstücke Der gute Mensch von Sezuan und Der Kaukasische Kreidekreis. Brecht verstand sich selbst als Theaterpraktiker, der sich von den Trends des expressionistischen Theaters befreit hatte, um mit neuen Formen zu experimentieren.

Mit seinem sozialkritisch-didaktischen Werk versuchte er zu demonstrieren, daß eine Veränderung nicht nur möglich, sondern notwendig sei. Sein unkonventioneller Gebrauch von Sprache und dichterischer Form – klassische Sprache vermischt mit der eines beliebigen Menschen von der Straße, ungereimte und unregelmäßige Verse – zielte darauf ab, das Publikum aus seiner unkritischen Beobachterhaltung hervorzulocken und zum Denken und Handeln anzuregen. 1949 kehrte Brecht nach Deutschland zurück. Er ließ sich in Ostberlin nieder und gründete zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Helene Weigel, eine eigene Theatertruppe, das Berliner Ensemble. Brecht war auch ein äußerst produktiver und vielseitiger Lyriker. Seine Gedichte erschienen in drei großen Gedichtsammlungen: Hauspostille (1927), Svendborger Gedichte (1939) und Buckower Elegien (1954).

Daneben verfaßte er auch Romane (Dreigroschenroman, 1939; Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar, hg. 1957), Kurzprosa vorwiegend spruchhaft-didaktischer Natur, wie die Kalendergeschichten (1949) und die Geschichten vom Herrn Keuner (hg. 1958), sowie Hörspiele und Dialoge. Zu seinen posthum erschienenen theoretischen Arbeiten gehören die Schriften zur Literatur und Kunst (1966), Schriften zur Politik und Gesellschaft (1968) und Texte für Filme (1969). Mit seinem Gesamtwerk, das sich kritisch mit Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung des einzelnen auseinandersetzt, erlangte Brecht den Status eines modernen Klassikers. Obgleich Brecht 1951 mit dem Nationalpreis der DDR und 1954 mit dem Internationalen Lenin-Friedenspreis ausgezeichnet worden war und nach seinem Tod zum Nationaldichter der DDR avancierte, war er in Osteuropa eine umstrittene Persönlichkeit, da sein moralischer Pessimismus nicht mit dem sowjetischen Ideal des sozialistischen Realismus zu vereinen war.


Er starb am 14. August 1956 in Berlin.     Inhalt: Die Marketenderin Anna Fierling genannt Mutter Courage zieht mit ihren Söhnen Eilif und Schweizerkas und ihrer (stumme) Tochter Kattrin durch die vom Krieg („Großer Glaubenskrieg“ 1624-1641) heimgesuchten Länder (Schweden, Polen, Sachsen und Bayern). Dabei achtet sie darauf, ihre Kinder aus den Kriegshandlungen herauszuhalten, aber auch darauf, am Krieg zu verdienen (ihren „Schnitt zu machen“). Dies gelingt ihr nicht ganz. Zunächst verliert sie den ersten Sohn Eilif durch eine List an das Militär (finnisches) - später geht auch ihr zweiter Sohn Schweizerkas zum Heer als Zahlmeister.

  Er ist es auch, den sie als ersten verliert. Schweizerkas wird beschuldigt, die Feldkasse seines Regiments gestohlen zu haben und wird verhaftet. Mutter Courage will durch die Verpfändung ihres Planwagens die Schuld begleichen - verliert aber durch das Feilschen um den Preis zuviel Zeit und ihr Sohn wird schließlich hingerichtet. Auch ihr zweiter Sohn wird (ein paar Jahre vor Ende des Krieges) hingerichtet - er hatte während einer kurzen „Friedenspause“ ein Bauernhaus geplündert.   Mutter Courage zieht noch ein paar Jahre mit ihrer Tochter über die Schlachtfelder, bis auch Kattrin getötet wird. Sie hatte die evangelische Stadt Halle vor den anrückenden kaiserlichen Soldaten mittels Trommelwirbel gewarnt.

Dabei wurde sie von einem Spähtrupp erschossen.   Am Ende des Stückes sind ihre Kinder tot, die Courage hat nichts gelernt, sie zieht alleine weiter („Hoffentlich zieh ich den Wagen alleine. Es wird schon gehen, es ist nicht viel drinnen. Ich muß wieder in’n Handel kommen“ ).     Zum Stück, Interpretation: Mutter Courage verliert ihre Kinder durch einen Krieg, den sie nicht abschaffen möchte, weil er ihr ihren Lebensunterhalt bietet. Brecht zeigt damit den entsetzlichen Widerspruch zwischen liebender Mutter und geschäftstüchtiger Händlerin.

Die Ursache dafür liegt seiner Meinung nach nicht in der Person der Hauptfigur, sondern in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Die Courage wird trotz der grauenvollen Kriegsereignissen und des Verlustes ihrer Kinder nicht „sehend“. Sie weiß im Grunde, was gespielt wird, aber das Handelsinteresse, der persönliche Vorteil, macht sie immer wieder blind. Der Zuschauer, der die tragische Handlung distanziert betrachtet und nachdenkt, kann und soll gerade daraus lernen, daß Kriege und historisches Geschehen gesellschaftlich bedingt und daher vermeidbar bzw. veränderbar sind.     Aufbau (auch in Zusammenhang mit dem epischen Theater): Vor jeder Szene gibt es eine Zusammenfassung und eine Art Kommentar, die meist an die Bühnenwand projiziert werden.

Dadurch fragt der Zuschauer nicht mehr nach dem „Was“ , sondern kann sich auf das „Wie“ der Handlung konzentrieren und das Vorgeführte aus kritischer Distanz betrachten. Im Verlaufe des Stückes durchleuchten kleine Kontrastszenen blitzartig die Situation und machen sie durchsichtig. Der Krieg erscheint im „anderen“ Blickpunkt, z.B. Mutter Courage Sohn Eilif, der noch nichts vom plötzlichen Frieden nach der Schlacht von Lützern gehört hat, betreibt seine Plündereien, für die er im Krieg ausgezeichnet wurde, weiter und wird nun dafür hingerichtet. Die Heldentat ist plötzlich ein Verbrechen.

Oder: Nicht wissend, daß ihr der Krieg gerade ihren zweiten Sohn genommen hat, singt Mutter Courage ein Loblied auf den Krieg, der seinen Mann ernährt .

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