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  Biographie

Biographie:   Friedrich Dürrenmatt wird am 05.01.1921 in Kanolfingen im Kantorn Bern (Schweiz) geboren. Sein Vater Reinhold ist evangelischer Pfarrer, seine Mutter Hulda Dürrenmatt-Zimmermann Hausfrau. Sein Großvater Ulrich Dürrenmatt ist ein konservativer Nationalrat, der durch Satiren die gesellschaftliche Mißstände kritisiert. Einige Jahre vor seiner Geburt haben die Eltern aufgrund jahrelanger Kinderlosigkeit ein Mädchen adoptiert und drei Jahre nach ihm kommt seine jüngere Schwester zur Welt.

Nachdem die Familie 1935 nach Bern umgezogen ist, besucht Friedrich Dürrenmatt dort das freie Gymnasium. Aufgrund z.T. ungenügender schulischer Leistungen und Konflikten mit verschiedenen Lehrkörpern wechselt er später an das Berner Humboldianum. Nachdem er dort erfolgreich die Maturitätsprüfung abgelegt hat, studiert er von 1941-1945 ohne ernsthaft erkennbares Ziel, zuerst in Zürich, später in Bern. Er besucht Lesungen in Germanistik, Philosophie, Naturwissenschaften und Theologie und studiert vor allem Kant, Plato und Kierkegaard.

Er beschäftigt sich u.a. mit griechischen Tragikern wie Aristophanes aber auch mit Shakespear, Kafka, Jünger und Wedekind. Sein Lieblinsklassiker ist Lessing. Er verläßt die Universität ohne jegliches Examen. Bis er freier Schriftsteller wird, arbeitet er kurzfristig als Grafiker und Journalist.

Im Winter 1946 heiratet er die Schauspielerin Lotti Geißler, mit der er insgesamt drei Kinder haben wird (Peter *1946, Barbara und Ruth *1947). Nach dem Umzug nach Ligerz im Jahre 1948 läßt er sich schließlich 1952 in Neuchâtel nieder. Friedrich Dürrenmatt stirbt am 14. Dezember 1990 in seinem Haus in Neuchâtel im Alter von 69 Jahren an Herzversagen.    Bibliographie:   Während des Zweiten Weltkriegs im Alter von ca. 22 Jahren entstanden Dürrenmatts erste schriftstellerische Werke schon in seiner Studienzeit wie z.

B. “Folterknecht” und “Weihnacht”. Im Jahre 1945 erscheint seine erste Publikation, “Der Alte” in der Berner Tageszeitung. Zwei Jahre später, also 1947 (19 April), findet die Uraufführung von “Es steht geschrieben” - seines ersten Theaterstücks - statt. Seine ersten abendfüllenden Dramen erscheinen nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Gemeinsame in seinen zu dieser Zeit erschienenen Stücken ist eine grausame, machthungrige Hauptperson, die den Zuschauer nicht selten an Adolf Hitler erinnert.

Somit ist er einer der ersten Schriftsteller, der versucht die jüngste Vergangenheit aufzuarbeiten und dem Trauma der Menschen, das durch den Zweiten Weltkrieg verursacht wurde, ein Ende zu bereiten. 1946 beginnt er Theaterkritiken für die “Züricher Woche” zu schreiben. 1950 wiederum schreibt Dürrenmatt auch für die Zeitung “Der Schweizerische Beobachter”. Der Fortsetzungsroman “Der Richter und sein Henker”, der in acht Folgen im “Beobachter” erscheint, wird ein großer Erfolg. Auch sein zweiter Kriminalroman “Der Verdacht” (1951), der mehr oder weniger die Fortsetzung des ersten ist und ebenfalls ein Mehrteiler, ist äußerst erfolgreich. In den späten 50ger und frühen 60ger Jahren besinnt sich Dürrenmatt darauf, sich eher mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen auseinanderzusetzen.

1952 erfolgt die Uraufführung des Dramas “Die Ehe des Herrn Mississippi” in den Münchner Kammerspielen, an dem er 1950 zu schreiben begonnen hatte. 1955 beginnt er mit den Arbeiten an “Der Besuch der alten Dame” und “Grieche sucht Griechin”. Am 29. Januar 1956 wird “Der Besuch der alten Dame” schließlich im Schauspielhaus Zürich uraufgeführt. In den Folgejahren wird das Drama nach den entsprechenden Übersetzungen u.a.

in New York (“The Visit”), Mailand, London, Paris, Prag, Lissabon, Jerusalem und Tokio. 1957 liefert Dürrenmatt das Drehbuch zum Film “Es geschah am hellichten Tag” und gleichzeitig eine Weiterenwicklung dessen im Roman “Das Versprechen”. 1962 wird das Drama “Die Physiker” uraufgeführt, an dem er 1960 zu schreiben begonnen hatte. Natürlich erfolgt die erste Inszenierung am Schauspielhaus Zürich. 1964 beginnen die Arbeiten an der Komödie “Der Meteor” und der Film zu “Der Besuch der alten Dame” (mit Ingrid Bergman und Anthony Quinn) hat Deutschlandpremiere. In den folgenden Jahrzehnten widmet er sich bis zu seinem Tod der Überarbeitung seiner Werke für die Theaterbühne und es erschienen nur noch wenige neue Werke von ihm wie z.


B. die Erzählung “Der Sturz” (1971).     Die hier genannten Werke werden im allgemeinen als Dürrenmatts berühmteste angesehen, sind aber bei weitem nicht alle. Aus der Reihe der genannten sind jedoch “Der Besuch der alten Dame”, “Die Physiker”, “Die Ehe des Herrn Mississippi” und auch “Der Nihilist” als seine erfolgreichsten und wichtigsten hervorzuheben, wobei mir zu letzterem keinerlei weitere Informationen vorliegen. Nicht sehr berühmt sind die Werke, die während seiner Studienzeit entstanden, doch aufgrund der Tatsache, daß sie seine ersten schriftstellerischen Versuch darstellen, halte ich sie dennoch für unbedingt erwähnenswert.   Im Laufe seiner schriftstellerischen Karriere erhielt Friedrich Dürrenmatt folgende Auszeichnungen und Honorationen:   1957 Hörspielpreis der Kriegsblinden (“Die Panne”) 1958 Hörspielpreis “Prix d´Italia” (“Abendstunde im Spätherbst”) 1959 Schiller-Preis der Stadt Mannheim 1959 Theaterpreis der New Yorker Theaterkritiker für “Der Besuch der alten Dame” 1974 Verleihung einer Ehrenprofessur durch Israel 1977 Buber-Rosenzweig Medaille 1983 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur 1984 Karl-Zuckermayer Medaille 1986 Georg-Büchner-Preis 1989 Ernst-Robert-Curtuis-Preis (Bonn)   Übersicht des erweiterten Kreises Dürrenmatts wichtigster Werke:   Dramen: Romulus der Große (1950) Die Ehe des Herrn Mississippi (1952) Ein Engel kommt nach Babylon (1954) Der Besuch der alten Dame (1956) Die Physiker (1962)   Romane: Der Richter und sein Henker (1952) Grieche sucht Griechin (1955) Die Panne (1956) Das Versprechen (1958)   Hörspiele: Unternehmen Wega (1955) Nächtliches Gespräch mit einem verachteten Menschen (1957)                              Handlungsorte:   Die Handlung von Dürrenmatts “Der Besuch der alten Dame” spielt in der fiktiven Kleinstadt Güllen an der deutsch-schweizerischen Grenze.

Eine solche Standortbestimmung lassen die dort gängigen Zugverbindungen zu, insbesondere der “Börsianer” (Zürich-Hamburg), der “Rasende Roland” (Venedig-Stockholm) und die “Gudrun” (Hamburg Neapel) und die Tatsache, daß Dürrenmatt Schweizer war und viele Handlungen in seinem Heimatland ansiedelte. Nach Dürrenmatts eigenem Anhang liegt Güllen zwischen Kaffingen und Kalberstadt, Orte, deren reale Existenz ebenfalls nicht nachgewiesen werden kann, was anhand der Namensgebung wohl auch überflüssig ist. Im Verlauf des Dramas wird Güllen genauer beschrieben und als für den Gang der Handlung wichtig werden die Petersche Scheune, der Konradsweilerwald, das Gasthaus “Zum Goldenen Apostel” und das Güllener Münster genannt. Desweiteren besitzt Güllen einst blühende Industrien, die mittlerweile allerdings völlig verarmt sind: die Wagnerwerke, Bockmann und die Platz-an-der-Sonne-Hütte. Nach Dürrenmatts eigener Aussage liegt die Einwohnerzahl bei 5056 Einwohnern.    Zeit der Handlung:  Die Zeit der Handlung in “Der Besuch der alten Dame” ist nicht bestimmt.

Anhand der Handlung des Romans kann man jedoch sagen, daß, abgesehen von einigen Rückblenden, die Ereignisse vor 45 Jahren beleuchten, sich die Handlung nicht länger als ein paar Tage erstrecken dürfte. Das oberste Maximum wären eineinhalb bis zwei Wochen, denke ich. Zur Austauschbarkeit der Zeit ist zu sagen, daß schon der Beginn des Stückes mit der Definition “Zeit: Gegenwart” festgelegt wird, wodurch die Intention des Stückes allgemeingültig und nicht auf eine spezifische Zeit bezogen ist.    Inhaltangabe:   In seinem 1956 uraufgeführten Drama “Der Besuch der alten Dame” beschreibt Friedrich Dürrenmatt das kleine Städtchen Güllen an der deutsch-schweizerischen Grenze, daß gespannt die Ankunft der Multimilliadärin Claire Zachanassian erwartet, die in Güllen aufwuchs. Man erwartet von ihr eine erhebliche Geldspritze, um die heruntergekommene Wirtschaft Güllens wieder anzukurbeln, doch sie verlangt eine unerwartete Gegenleistung.   In der extrem verarmten Kleinstadt Güllen, nahe der deutsch-schweizerischen Grenze erwartet man hohen Besuch.

Die Multimilliadärin Claire Zachanassian, die einst in Güllen geboren wurde und auch aufwuchs, hat sich angekündigt. Die Güllener erwarten eine nicht unerhebliche Finanzspritze von ihr, die die am Boden zerstörte Wirtschaft wieder ankurbeln soll, so wie sie es auch schon in benachbarten Städten getan hat. Der “Trumpf im Ärmel” der Güllener ist der beliebteste Bürger des Städchens der 65jährige Kaufmann Alfred Ill, der außerdem als Nachfolger des amtierenden Bürgermeisters vorgesehen ist. Von ihm erhoffen sich die Güllener sehr viel, da er seinerzeit eine Liebesbeziehung mit Claire Zachanassian, damals noch Kläri Wäscher, hatte. Die Güllener Bürger sowie die “Würdenträger des Stadt” versammeln sich am Bahnhof, um der verlorenen Tochter einen gebührenden Empfang zu bereiten. Die Multimilliadärin erscheint mitsamt Gefolge.

Am gleichen Tag findet ein Empfang für Claire Zachanassian statt. Der Bürgermeister hält eine Laudatio auf die Multimilliadärin. Diese scheint geschmeichelt, und macht unter tosendem Beifall die Ankündigung der Stadt eine Milliarde zu spenden, 500 Millionen für die Stadt und 500 Millionen verteilt auf alle ansäßigen Familien. Frau Zachanassian fährt fort, daß sie eine Bedingung stelle, nämlich, daß sie sich die Gerechtigkeit erkaufen wolle. Daraufhin erklärt ihr Butler Boby, der ehemalige Oberrichter Güllens, daß Ill im Jahre 1910 eine Vaterschaftsklage von Kläri Wäscher nur dadurch abschmettern konnte, indem er zwei Zeugen mit Schnaps bestach, die aussagten, sie hätten ebenfalls sexuellen Verkehr mit Kläri gehabt.   Claire Zachanassian führt ihre Bedingungsforderung fort: Sie spendet eine Milliarde, wenn jemand Alfred Ill tötet.

Unter dem tosenden Beifall der restlichen Anwesenden lehnt der Güllener Bürgermeister das Angebot ab. Daraufhin zieht sich Claire Zachanassian mit den Worten “Ich warte.” in ihr Zimmer im Goldenen Apostel zurück. In den nächsten Tagen gehen seltsame Veränderungen in Güllen vor. Trotz der Tatsache, daß der Bürgermeister die Milliarde im Namen aller Güllener abgelehnt hat, fangen auf einmal alle Einwohner an auf großem Fuß zu leben und Anschaffungen zu machen, kurzum alle verhalten sich so, als sei in naher Zukunft mit einem Vermögenszuwachs zu rechnen. Ill, der dies als Kaufmann natürlich als erster erlebt wird es unbehaglich und er merkt, daß sich trotz der Ablehnung etwas gegen ihn zusammenbraut.

Er wendet sich nacheinander an die Würdenträger der Gemeinde, den Polizisten, den Bürgermeister und den Pfarrer, da er in ihnen die einzigen Personen sieht, die ihrem Amt entsprechend noch moralisch handeln und somit seine letzte Rettung darstellen. Doch ihm wird anhand ihrer Äußerungen, der Art, wie sie mit ihm umgehen klar und neuen Anschaffungen klar, daß selbst sie übergelaufen sind. Von ihnen besitzt nur noch der Pfarrer einen Ansatz von schlechtem Gewissen und fordert Ill zur Flucht aus der Stadt auf, wenn er nicht umkommen will. Auf dem Weg zum Bahnhof schließen sich Ill immer mehr Leute an und scharren sich um ihn. Im Glauben sie würden ihn aufhalten bricht Ill mit den Worten “Ich bin verloren!” zusammen, obwohl man ihm versichert, ihm stände es frei wegzufahren. In der Folge unternehmen Arzt und Lehrer, die einzigen, in denen noch Menschlichkeit verblieben ist einen letzten verzweifelten Versuch Ill zu retten, indem sie Claire Zachanassian ein Geschäft zur Sanierung der Güllener Industrie vorschalgen, durch die die Ermordung Ills überflüssig würde.

Claire Zachanassian stellt allerdings klar, daß die Industrien schon lange ihr gehören und daß sie sie in den Ruin trieb. Somit wird der Tod Ills unausweichlich. Die Bevölkerung, die mittlerweile hochverschuldet ist, und selbst Ills Familie haben sich mittlerweile gegen ihn gestellt. Ill jedoch hat seine Schuld an der ganzen Situation eingesehen und stellt sich offen einer Gemeindeversammlung, die über sein Schicksal entscheiden wird, bereit jedes Urteil anzunehmen. Die Gemeindeversammlung verläuft einstimmig mit dem Beschluss Ill zu töten, was auch sofort an Ort und Stelle geschieht und durch die Würdenträger der Stadt gedeckt wird (falsche Diagnose zur Todesursache durch den Arzt usw). Schließlich verläßt Claire Zachanassian die Stadt mit der Leiche Ills und Güllen erhält den Scheck über eine Milliarde.

   Charakterisierungen:     Claire Zachanassian   Claire Zachanassian stammt gebürtig aus Güllen, wurde dort geboren und wuchs dort als Klara Wäscher auf. Ihr Vater war dort ein angeblich großer Architekt, dessen hervorragenstes Bauwerk allerdings die Bahnhofstoilette war, zudem war er Alkoholiker. Ihre Jugend war aufgrund ihres zerüttelten Elternhauses wohl nicht sehr angenehm, nicht auszuschließen ist, daß sie von ihrem Vater (Alkoholiker) geschlagen wurde, was die auch in ihrem späterem Leben als Milliadärin männerfeindliche- bzw. herabsetzende Haltung erklären könnte (die natürlich später durch Ills Verhalten noch verstärkt wurde) und allgemeine “seelische Narben” aus der Kindheit vermuten läßt. Die Abneigung gegenüber Männern zeigte sich in ihrer Jugend vor allem darin, daß sie auf dem Bahnhofsklo saß und auf Leute spuckte. “Aber nur auf die Männer.

” (S.27). Desweiteren waren ihr Betragen und ihre Noten in der Schule schlecht, lediglich in Pflanzen- und Tierkunde war sie mittelmäßig. Auch sonst war sie Obrigkeiten nicht sehr verbunden und nicht sehr tugendhaft, was sich darin widerspiegelt, daß sie den Güllener Polizisten mit Steinen beschmiß, um ihren Unmut auszudrücken. Während der Pubertät mauserte sich Klara zu einer sehr hübschen, gerstenschlanken jungen Dame, zudem war sie rothaarig und sehr leidenschaftlich, eine Konstellation, mit der sie eine große Resonanz bei den männlichen Bewohnern Güllens hervorrief, was jedoch nicht bedeutet, daß sie sich mit allen einließ. Für sie gab es zu dieser Zeit nur einen, nämlich ihre große Liebe Alfred Ill.

Es scheint als hatte sie in ihm das gefunden, was ihrem Bild von Mann entsprach, was sie zu Hause vielleicht nie erfahren hatte und was sie bis dahin nicht kannte. Als Ill ihre Vaterschaftsklage durch Bestechung von Zeugen abschmettert, zerbricht für sie die heile Welt, die sie sich immer erträumt hatte. Mit 17 Jahren verließ sie ihre Heimatstadt in Schimpf und Schande. Ein Jahr später starb das gemeinsame Kind, was den Schmerz, den ihr Ill zufügte noch vergrößerte. Sie schwor Rache und nachdem sie der Multimilliadär Zachanassian aus dem Bordell, in dem sie “geendet” war herausheiratete, ergaben sich in dieser Beziehung neue Möglichkeiten für sie.   Im Zeitraum der vergangenen 45 Jahre bis zu ihrer Rückkehr nach Güllen hat sich ihr Charakter und dementsprechend auch ihr äußeres sehr verändert.

Durch mehrere Unfälle hat sie im Laufe der Jahre einen Arm und ein Bein verloren, welche durch Protesen ersetzt wurden. Mittlerweile ist sie 62 Jahre alt, die Haare sind immer noch rot, wahrscheinlich gefärbt. Sie tritt ihrem Reichtum entsprechend mit Perlenhalsband und riesiegen Goldenen Armringen auf, “aufgedonnert, unmöglich, aber gerade darum wieder eine Dame von Welt, mit einer seltsamen Grazie, trotz allem Grotesken” (S.22). Im allgemeinen kann man sagen, daß ihr das Geld, welches sie besitzt nicht sehr viel bedeutet, was sich auch in der Art zeigt, wie sie mit Geld umgeht, als sie z.B.

gegenüber dem Bahnhofsvorsteher 4000,- als eine “Kleinigkeit” (S.24) bezeichnet. Andererseits kann dies natürlich auch bedeuten, daß ihr der Reichtum in gewisser Weise zu Kopf gestiegen ist, auf reiner Güte beruht ihre Spendierfreudigkeit mit Sicherheit nicht. Desweiteren ist das Verhalten der Claire Zachanassian, im Gegensatz zum leidenschaftlichen der Klara Wäscher, durch alle Schicksalschläge, die sie erlebt hat, kalt und gefühlslos geworden, was sich natürlich in der Haupthandlung zeigt, in der Art und Weise, wie sie sozusagen ohne ein Wimpernzucken die Ermordung Ills fordert, aber auch an der Tatsachen, daß sie im letzten Gespräch mit Ill das gemeinsame Kind lediglich als “das Ding” (S.116) bezeichnet. Eine eine z.

T. erschreckende, berechnende Grausamkeit ergibt sich wiederum in der Tatsache, daß die Ermordung Ills bis ins kleinste Datail, wahrscheinlich über Jahre hinweg geplant war. Sie hat die gesamte Industrie Güllens lahmlegen lassen, was zeigt, daß sie als reichste Frau der Welt in ganz anderen Dimensionen lebt als die Güllener, indem sie nämlich die Armut einer ganzen Stadt, immerhin 5056 Einwohnern, eiskalt mit in ihren Plan einberechnet. In diesem und auch anderen Zusammenhängen scheint sie die Katze zu sein, die mit dem Wollknäul spielt. Auch der Satz “Ich warte.” nachdem der Bürgermeister das Angebot abgelehnt hat, zeugt von dieser genannten grausamen Kalkulation, da sie sich über den Ausgang der ganzen Angelegenheit vollkommen im Klaren ist.

Diese “andere Dimension” wird außerdem deutlich, als sie auf dem Balkon des “Goldenen Apostels” sitzt und mit der High Society der Welt telefoniert. Sie tront praktisch, ansatzweise einer Göttin gleich, über der Stadt und die Probleme der Güllener erscheinen im Vergleich zu den Gesprächspartnern am Telefon unwichtig. Einerseits ist dies wie schon erwähnt sehr grausam, andererseits gehört auch Intelligenz zu einer solchen Planung, wenn diese sich auch mit den finanziellen Mitteln der Claire Zachanassian wesentlich einfacher gestaltet. Ill hatte ihre gesamten Illusionen auf ein normales Leben mit seinem Verrat zerstört. Daß sie dieses ihrem jetztigen Milliadärsleben ggf. vorziehen würde sagt sie deutlich mit den Worten “Du hast Dein Leben gewählt und mich in das meine gezwungen.

” (S.49). Und auch in den Gesprächen mit Ill im Konradsweiler Wald scheint sie der gemeinsamen Vergangenheit eher in einem gewissen Grad nostalgisch gegenüberzustehen, auf jeden Fall verflucht sie sie nicht, sondern hält die für sie schönen Momente in guter Erinnerung: “Ich liebte dich. Du hast mich verraten. Doch den Traum von Leben, Liebe, von Vertrauen, diesen einst wirklichen Traum habe ich nicht vergessen.” (S.

117). Eine weitere Erinnerung ist in diesem Zusammenhang das Lieblingslied Ills, daß sie auf dem Balkon spielen läßt. Im Gegensatz zur Tugendlosigkeit, die sie, wie bereits erwähnt, schon in ihrer Jugend zeigte, hat sie dennoch einen gewissen Hang zur Wahrheit, mit dem sie z.T. natürlich andere beleidigt, aber sich auch selber kritisiert, was sie zu einer Realistin macht (siehe S. 26).

Ihr Verhältnis zu Männern scheint nach Ills Verrat vollkommen zerstört zu sein. Einerseits verschwendet sie schon fast, verbraucht in den wenigen Tagen, in denen sie in Güllen ist zwei von ihren insegesamt neun Gatten, andererseits redet sie so gut wie gar nicht mit ihnen, sondern gibt Befehle: “Denk nach, Moby” (S.26). “Einen Mann hält man sich zu Ausstellungszwecken, nicht als Nutzobjekt”, sagt sie, was im Grunde ihre eher verachtende bzw. differenzierte Haltung ihnen gegenüber ausdrückt. Ein weiteres gutes Beispiel hierfür ist auch die Namensgebung ihrer gesamten Gefolgschaft und ihrer Ehemänner.

      Sie ist sich darüber im Klaren, daß sie die finanzielle Kraft, die sie besitzt, nicht ihr Verdienst ist, dennoch weiß sie damit umzugehen und aus ihren eigenen Erfahrungen lernte sie, daß alles und jeder käuflich ist. “[...] mit meiner Finanzkraft leistet man sich eine Weltordnung.” - Eine Aussage, die Ihr Verhältnis zum Geld hervorragend ausdrückt.

Desweiteren ist ihre Rache im ganzen Stück gnadenlos, was sich u.a. an der Umgehensweise mit den bestochenen Zeugen zeigt und natürlich auch darin, daß sie sich durch nichts und niemanden von ihrem Weg abbringen läßt. Ein weiterer Beweis dafür, wie sehr Ill sie damals verletzt haben muß.   Alles in allem ist Claire Zachanassian nicht mehr als ein Opfer der Gesellschaft, die jedoch durch das Glück den Milliadär Zachanassian kennenzulernen in der Lage ist, diese mit den eigenen Waffen zu schlagen. In dieser Funktion steht sie auch am Ende des Stückes gewissermaßen als Racheengel da.

Der von der Gesellschaft geformte eiskalte, abgestumpfte Charakter ist praktisch Vorraussetzung, um ihren grausamen Plan, zu dem sie nicht zu vergessen auch die nötige Intelligenz besitzt, auszuführen. In ihren Augen regieren diejenigen, die die Finanzkraft haben sich die Gerechtigkeit oder sogar eine Weltordnung zu leisten. Das Volk (die Güllener) hat für sie jenen Reichen gegenüber so gut wie gar keine Rechte und wird ohne jede Gefühlsregung ihrerseits in ihren Plan miteinbezogen. Hierbei ist natürlich auch zu brücksichtigen, daß sie sich auch an den Güllenern rächen will, die damals den Gerechtigkeitsbruch billigten.    Alfred Ill   Alfred Ill ist 65 Jahre alt und besitzt einen kleinen Kaufmannsladen in Güllen. Er ist verheiratet Mathilde Blumhard und hat mit ihr zwei Kinder, Ottilie und Karl.

Claire Zachanassian beschreibt ihn in ihrer direkten Art als “fett, grau und versoffen”* (S.26) Desweiteren soll er nach ihren Angaben zur Zeit ihrer Liebschaft “stark und mutig” (S.117) gewesen sein. Alfred Ill gilt bei Ankunft der alten Dame als beliebtester Bürger der Stadt und als zukünftiger Nachfolger des Bürgermeisters, was natürlich z.T. aber wohl doch nicht hundertprozentig darauf beruht, daß man alle Hoffnungen in Bezug auf eine Finanzspritze seitens Claire Zachanassians auf ihn setzt.

Anhand der Tatsache, daß er damals Klara Wäscher betrog, sich durch die Bestechung sogar strafbar machte, ist zu erkennen, daß es ihm scheinbar an Ehre mangelte bzw. z.T. immer noch mangelt. So stellt er auch seine jetzige Frau gegenüber anderen nicht im besten Licht dar und auch im allgemeinen hat er kein besonders gutes Verhältnis zu seiner Familie, was die Ausnahmestellung eines gemeinsamen Frühstücks deutlich zeigt; man ist voneinander entwöhnt. An mangelndem Selbstvertrauen leidet er allerdings nicht, da er sich im Vorfeld Claire Zachanassians Ankunft maßlos überschätzt und allen großmundig erklärt, daß er sie “im Sack hat”* (S.

25). Seiner Schuld, die er durch den Gerichtsbetrug vor 45 Jahren auf sich lud, ist er sich nicht bewußt. Seiner Ansicht nach hat das Leben dieses Problem getilgt. In seinen Augen “ging das Leben längst weiter”* (S.49) und die ganze Geschichte sei “verjährt”. Weder damals noch heute ist er sich im Klaren darüber, welche Konsequenzen sein Handeln für seine “angebliche” Geliebte (siehe unten) hatten.

Ihm Dummheit zu unterstellen wäre übertrieben, doch ist er nicht in der Lage das Ausmaß seines Verrats zu erfassen. Er argumentiert teilweise sogar noch damit, daß er Klara damals aus Liebe habe gehen lassen, was allerdings dann auch hieße, daß er sie aus Liebe verriet. Daß dies eine klare Lüge und nur eine weitere Einschmeichlungstaktik seinerseits ist, ist klar, denn es wird eindeutig durch Claire Zachanassian festgestellt, daß er damals Mathilde Blumhard nur wegen des Geldes bzw. wegen des in Aussicht stehenden Krämerladens heiratete und nicht, weil er das beste für Klara wollte. Entweder er liebte Klara zum damaligen Zeitpunkt nicht, oder er hatte nicht genug Ehre um seine Pflichten zu erfüllen. Eine Kombination aus beidem ist ebenfalls möglich.

Aus seinem Versuch Claire Zachanassian umzustimmen spricht wiederum eine gewisse Portion Naivität, da er seine Situation noch immer nicht erkannt hat und alles noch für einen bösen Scherz hält. Zur letztendlichen Verteidigung seines Charakters muß man allerdings sagen, daß er, nachdem er zu fliehen versuchte, (® Angst) eine charakterliche Kehrwendung macht und langsam aber sicher seine Schuld eingesteht. Selbst die Chance die Mordpläne gegen ihn der Presse mitzuteilen läßt er aus und lehnt auch einen Selbstmord ab, da die Güllener über ihn richten sollen.   Dies trägt zweifelsohne zu seiner charakterlichen Rehabilition bei, wobei die Bestrafung mit dem Tod zweifelsohne zu hoch ausfällt. Unbestritten ist jedoch, daß er zuletzt zumindest einen Teil seiner Ehre wiedergewinnt und im biblischen Sinne nunmehr ohne Schuld ist.   Alles in allem, kann man sagen, daß die schlechten Charakterschaften von Ill durch die Vorgeschichte und auch durch das Verhalten gegenüber Claire Zachanassian (schmeicheln) zu überwiegen scheinen, obwohl er natürlich stets der nette Kaufmann von nebenan ist.

Allerdings sieht er seine Schuld ein, wodurch er, sozusagen in einer Gegenbewegung seine Seele, zumindest im biblischen Sinne, retten kann, wohingegen die moralischen Werte der Güllener mehr und mehr verfallen.     * sinngemäß, nicht wörtlich zitiert     Der Bürgermeister   Der Bürgermeister repräsentiert in mehreren Szenen die Meinung aller Güllener. Er hat natürlich Verantwortung gegenüber der Gemeinde und ist der Organisator der eher spärlichen Empfangszeremonie. In diesem Zusammenhang bastelt er aus den wenigen eher herabsetzenden Informationen, die er über “Kläri” bekommt, eine Laudatio, die auf sehr großzügigen Interpretationen beruht. Der charakterliche Wandel der Gemeinde und der moralischer Verfall wird auch in seinem Fall sichtbar. Während er noch am Ende des 1.

Aktes versicherte man bleibe “lieber arm, denn blutbefleckt (S. 50), so verfällt auch er später der Versuchung des Geldes. Nicht zuletzt sichbar an den neuen Schuhen, der neuen Schreibmaschine und den Babauungsplänen in seinem Büro. Und auch er begibt sich symbolisch auf die Jagd nach dem “schwarzen Panther”, der zugleich das Tier als auch Klaras ehemaligen Kosenamen für Ill symbolisiert und bezeichnet Ills berechtigte Ängste als Hirngespinnste. Er schlägt sich eindeutig auf die Seite der Milliardärin, als er ihr Verhalten als “weiß Gott nicht so unverständlich bezeichnet” (S.70) und Ills damaliges Verhalten offen kritisiert.

Er ist nicht im eigentlichen Sinne als schlechter Mensch zu betrachten, doch erliegt auch er der Versuchung der Milliarde und macht sich damit genauso strafbar, indem er das Gesetz bricht, wie Ill es damals tat. Auch ist er es, der Ill kurz vor der Gemeindeversammlung zum Selbstmord rät. Dies könnte ggf. auch ein letzter Versuch sein, die Sache ohne einen direkten Mord zu lösen, sich die Hände nicht schmutzig zu machen, was allerdings nach der Ablehnung des Vorschlags dennoch geschieht unter Mithilfe des Bürgermeisters, der Ills Tod mit “Tod als Freude” bestätigt.     Der Polizist   Güllens Polizist repräsentiert im “Besuch der alten Dame” den langen Arm des Gesetzes bzw. die ausführende Staatsgewalt.

Bei der Ankunft der Claire Zachanassian erklärt er erhaben, er würde auch schonmal zwei Augen in Güllen zudrücken, wenns nötig sei (S.28). Später “mutiert” jedoch auch der edle Hüter des Gesetzes zum Handlanger der Milliadärin. Als Ill ihn aufsucht und ihn bittet Claire Zachanassian zu verhaften, bezeichnet er die Anstiftung zum Mord als keinen ausreichenden Grund für eine Festnahme, außerdem könne das Angebot nicht ernst gemeint sein, da eine Milliarde kein angemessener Preis für “so was” sei, dafür “würde man tausend oder vielleicht zweitausend, mehr bestimmt nicht” (S.62) zahlen. Auch er hat sich vom moralischen Aspekt her nun vollkommen gegen Ill gewendet, gut zu erkennen indem er Ills Fall bzw.

Ill selber als “so was” bezeichnet. Absolut sicherer Beweis für seinen Überlauf ins Milliadärinnenlager sind der neue Goldzahn, das bessere Bier und natürlich die neuen gelben Schuhe. Im Vergleich zu den anderen Nebendarstellern, an die Ill sich wendet, ist der Polizist der kälteste. Gerade er als Hüter des Gesetzes sollte auf Ill eingehen und noch einen Funken Moral besitzen, was aber keinesfalls der fall ist. Er ist voll und ganz der Geldgier verfallen, was sich auch in seinem Verhalten gegenüber Ill kurz vor dessen Tod zeigt: “Steh auf, Du Schwein.”     Der Pfarrer   Der Pfarrer bildet in der Reihe der Güllener Würdenträger keine Ausnahme, auch er nimmt letztendlich den Tod Ills in Kauf und macht sich am Mord mitschuldig.

Zwar betont er vor der Ankunft der Zachanassian, daß außer ihr auch noch Gott eine Hoffnung darstellt, was aber später anhand seines Verhaltens nur als leere Formel bezeichnet werden kann, da er entgegen Gottes Gesetzen handelt. Wie auch bei den anderen von Ill in seiner Angst besuchten bemerkt dieser den Seitenwechsel anhand neuer Anschaffungen, in diesem Fall der neuen Kirchenglocke. Außerdem ist selbst der Pfarrer bewaffnet (natürlich um den Panther zu jagen), was für einen Mann Gottes relativ ungewöhnlich ist. Nachdem er Ill in der Sakristei mit leeren Phrasen vertröstet hat, ihm schon andeutete, daß sein Schicksal besiegelt sei und es nur noch um “sein ewiges Leben” (S.74), sprich dem Leben im Jeseits, gehe und ihn wie auch die anderen Würdenträger vor ihm moralisch verurteilte, fordert er ihn in einem letzten Anflug von Christlichkeit auf zu fliehen: “Flieh! Wir sind schwach, Christen und Heiden. [.

..] Flieh, führe uns nicht in Versuchung, indem Du bleibst.” Durch dieses letztes bischen Gewissen kommt er der moralischen Ehre des Lehrers und z.T. des Arztes am nächsten.

  Der Arzt   Doktor Nüßlin ist der einzige Güllener, der ein Auto besitzt, welches er Claire Zachanassian bei deren Ankunft prompt anbietet. Von Narben im Gesicht gezeichnet, lehnte er einst aus Verbundenheit zu seinem Heimatort ähnlich dem Lehrer einen Platz an der Universität Erlangen ab. Hoch anzurechnen ist ihm, daß er es ist, der zusammen mit dem Lehrer einen letzten Versuch unternimmt, Claire Zachanassian umzustimmen. Dies zeugt von charakterlichen Zügen, die nicht zu verurteilen sind, auch wenn er es ist, der schließlich maßgeblich an der Ermordung Ills durch die Fälschung der Sterbeurkunde beteiligt ist. Doch allein der Versuch von Ills Rettung hebt ihn zusammen mit dem Lehrer und vielleicht auch dem Pfarrer vom Rest der Güllener ab.   Der Lehrer   Der Lehrer ist gleichzeitig Direktor des Güllener Gymnasiums.

Nach seinen eigenen Angaben unterrichtet er Latein und Griechisch und ist ein Humanist. Auf ihn macht Claire Zachanassian von vorne herein einen “gruseligen” Eindruck und er vergleicht sie mit Klotho, einer griechischen Schicksalsgöttin (S.34). Daß er diese Einschätzung allen anderen Güllenern voraus hat, mag an seiner Bildung sowie seiner Menschenkenntnis liegen. Außerdem durchschaute er nach eigener Aussage (S.103) von Anfang an, daß für Ill keinerlei Chance auf Rettung besteht, gerade deswegen ist es ihm hoch anzurechnen, daß er dennoch sehr viel Zivilcourage beweist, als er zusammen mit Arzt Doktor Nüßlin den letzten verzweifelten Versuch zu Ills Rettung unternimmt und Claire Zachanassian ein Geschäft vorschlägt, das Ills Tod unsinnig machen würde.

Als diese jedoch die Karten auf den Tisch legt (ihr gehört die gesamte Industrie Güllens, was das Geschäft unmöglich macht) ist sein humanistischer Glauben und seine wenigen verbliebenen Hoffnungen durch Claire am Boden zerstört, weil er nun die Ausweglosigkeit der ganzen Situation schließlich und endlich anerkennen muß. Von allen Güllenern widersteht er der Versuchung des Geldes am längsten. Alkoholisiert macht er in Ills Laden seiner ganzen Enttäuschung und seinem arg belasteten Gewissen Platz und kann nur durch die Kunden und Ill selber daran gehindert werden, der Presse über die geplante Ermordung zu erzählen: “Güllener! Ich will die Wahrheit verkünden, auch wenn unsere Armut ewig währen sollte!”. Besonders enttäuscht scheint er in diesem Zusammenhang von Ills Familie zu sein, da er die Familie an sich wegen seiner Ideale für etwas Unzerstörbares zu halten scheint. Für ihn zählt im Gegensatz zu allen anderen Güllenern zu diesem Zeitpunkt Ills Leben immer noch mehr als das Geld der Milliardärin, auch wenn er weiß, daß er nicht ewig widerstehen wird und kann. Er scheint sich aber außerdem auch als einziger darüber im klaren zu sein, daß auch sie (das Kollektiv der Güllener) zum angemessenen Zeitpunkt eine “alte Dame” ereilen wird, sprich die Gerechtigkeit bzw.

die gerechte Strafe.    Es kommt gegen Ende des Stückes so, wie er es schon angekündigt hatte. Er ist es schließlich, der die Rede hält, die die für Ill tödliche Gemeindeversammlung eröffnet. Davon jedoch abgesehen ist der Lehrer mit all seinen Skrupeln, den Gewissensbissen, dem Glauben an die Menschen und den verschiedenen Versuchen Ill zu retten vielleicht der “reinste” Bürger Güllens bzw. die “reinste” Figur im ganzen Drama. Er allein kann sich jedoch nicht gegen den allgemeinen moralischen Verfall wehren, so wie sich keiner von uns gegen eine anders denkende Übermacht durchsetzen könnte.

   Untersuchung der Sprache:  Im allgemeinen ist zu sagen, daß die Sprache im vorliegenden Drama erfreulich “normal” ist, d.h. keine dichterischen oder lyrischen Umschreibungen enthält. Somit ist das Buch auch ohne Vorkenntnisse in der Materie durchweg zu verstehen. Das einzige, was dem Leser ins Auge fällt sind die rhetorischen Mittel, die Dürrenmatt anwendet und die Art, wie er Verhaltensweisen und Charakter von Personen hervorhebt, indem er ihre Sprache verändert:   Sehr auffällig an der Haupfigur des Stücks, Claire Zachanassian, ist die Art und Weise, wie sie mit anderen Personen umgeht. An dem Verhalten gegenüber ihren Gatten (und ihrem gefolge) wird dies besonders deutlich, da sie mit ihnen fast ausschließlich im Imperativ redet.

Wendungen wie “Denk nach, Moby” (S.26) oder “geh forschen” sind keine Ausnahmen. Auch ihre Andeutungen und teilweise auch ihre Doppeldeutigkeit fällt ins Auge. Die Güllener sind z.B. sehr verwundert, als sie den Arzt fragt, ob er auch Totenscheine ausstellt und als dieser die Frage mit “ja” beantwortet, vorschlägt in Zukunft Herzschlag festzustellen (S.

30). Ähnliche Szene wiederholen sich im übrigen auch beim Polizisten und dem Turner. Daß dies Andeutungen auf den Mord sind ist zu diesem Zeitpunkt weder den Güllenern noch dem Leser klar, was das Interesse des letzteren intensivieren dürfte. Ein weiteres Beispiel für Claire Zachanassians Doppeldeutigkeit findet sich in der Szene, als sie und Ill aneinander vorbei reden. Im Bezug auf den Mord ist auch dies nicht die einzige Textstelle. Ill: Schön, daß du gekommen bist.

Claire Zachanassian: Das habe ich mir immer vorgenommen (S.25). Ill: Nun wird sich alles ändern. Claire Zachanassian: Gewiß. (S.38) Auch hier ist deutlich, daß Claire Zachanassian das “gewiß” anders wertet als Ill.

Sie sieht als Veränderung den Tod Ills und er den rein finanziellen Aspekt. Auch gemeinsamen Erinnerungen, sozusagen die Rückblenden, von Ill und Claire im Konradsweiler Wald heben sich vom Rest des Textes ab. Die Erinnerungen sind im allgemeinen “schöner” fomuliert, geprägt von Liebe eben. Beispiel: Ill: Wäre doch die Zeit aufgehoben, mein Zauberhexchen. Hätte uns doch das Leben nicht getrennt. (S.

39) Auch Claire Zachanassians Kälte und Gefühlslosigkeit wird mehr als einmal durch ihre Sprache deutlich. So redet sie z.B. relativ “locker” über ihre Unfälle und ihre Protesen, als würden sie ihr nicht sehr viel ausmachen.     Bereits das im Vorfeld von Claire Zachanassians Ankunft zu beobachtende Auftreten der Güllener als “sprachliches Kollektiv” ist auffällig. Niemand von ihnen spricht einen Satz zu Ende, sondern erst die Äußerungen aller (meisten vier) Güllenern ergeben ein ganzen Satz bzw.

eine vernünftige Aussage. Beispiel: Der Erste: Der >Rasende Roland<. Der Zweite: Vendig-Stockholm elfuhrsiebenundzwanzig. (S.20)     Zum Teil werden Sätze auch zerlegt und auf die verschiedenen Güllener als Bruchstücke verteilt, deren aneinandergereite Aussagen dann wieder den ganzen Satz preisgeben: Beispiel: der Maler: Der D-Zug! der Erste: Hält! der Zweite: In Güllen! der Dritte: Im verarmtesten- der Vierte: lausigsten - der Erste: erbärmlichsten Nest der Strecke Venedig-Stockholm! (S.21) Diese Darstellung macht die Güllener sozusagen zu einem Armutskollektiv, das so wie es gemeinsam spricht auch gleich Handeln wird, was für Claire Zachanassian von Anfang an fester Bestandteil ihres Plans.

Eine andere Haltung der Güllener, eine allgemeine Unstimmigkeit oder generell unterschiedliche Meinungen hätten den weiteren Verlauf des Dramas unmöglich gemacht, weswegen Dürrenmatt im Grunde nur auf eine solche Form zurückgreifen konnte. Das “Kollektivdasein” der Güllener gipfelt schließlich in ihrem Auftreten als Chor (S.132,133). Ähnlich den Güllenern treten auch Koby und Loby auf, die beiden Kastraten, die alles wiederholen, was sie sagen und die im gesamten Stück auch nie einzeln sprechen. Beispiel: der Polizist: Was seid ihr denn sonst, zum Teufel? die beiden: Werden´s schon merken, werden´s schon merken! (S.32) Unter anderem setzen sich ähnliche, aber eher echoartige Wiederholungen auch in Ills Laden fort.

Beispiel: der Zweite: Wirst im Frühling zum Bürgermeister gewählt. der Erste: Todsicher. die Frauen: Todsicher, Herr Ill, todsicher. In diesem Fall dient die Wiederholung , um auf das “todsicher” aufmerksam zu machen, dessen Doppeldeutigkeit wohl nicht zu bestreiten ist. Es sind auch die Güllener die, um sich bei der Milliardäirin einzuschmeicheln, sehr glorifizierend vorgehen. So z.

B. wird aus einem Angriff auf den hiesigen Schutzmann kurzerhand “Gerechtigkeitsliebe” (S.43). Ebenfalls sind die Aussagen der Güllener Würdenträger zu beachten, die sich ,als sie Ill ausweichen und seine Ängste für nichtig erklären wollen, allesamt leerer Phrasen bedienen und z.T. auch Ills Aussagen gegen ihn wenden.

Beispiel: der Polizist: Wir sind schließlich an Gesetze gebunden. (S.62) der Bürgermeister: Sie vergessen, daß sie sich in Güllen befinden. In einer Stadt mit humanistischer Tradition. (S.69) der Pfarrer: Das Gotteshaus steht jedem offen.

(S.73) & Man soll nicht die Menschen fürchten, sondern Gott... (S.73) Außerdem auffällig ist, daß alle genannten Würdenträger in der selben Weise Handeln und dementsprechend auch in leicht abgeänderten Form die gleichen Argumente gegen Ill benutzen.

Abgesehen davon wechselt der Pfarrer seine Stimme sogar einmal ins Dramatische: “Flieh! Flieh, die Glocke des Verrats dröhnt in Güllen [...]” (S.76). Die Ansprache des alkoholisierten Lehrers an Ills Familie und auch seine Rede kurz vor dessen Tod wirken wie eine Predikt durch die Verwendung von Worten wie “Weib” oder Sätzen wie “Es wäre an dir zu reden, und nun muß es dein alter Lehrer tun mit Donnerstimme!” In diesem Zusammenhang ist auch der schon erwähnte Chor der Güllener nach Ills Tod zu erwähnen, dessen Gesang, vor allem die letzte Passage eher einem Gebet gleicht (S.

134).         Zur Angemessenheit der Sprache zu den Figuren, denke ich, daß die Abstimmung sehr gut gelungen ist, wie man es von Dürrenmatt allerdings auch nicht anders erwartet hat. So z.B. ist die eher befehlende Art der Claire Zachanassian exakt auf ihre Position als die reichste Frau der Welt abgestimmt, die entscheidet, und Forderungen stellen kann, sozusagen durch ihr Vermögen unverwundbar ist und außerhalb jeder Kritik steht. Alles in allem denke ich, daß die Abstimmung der Sprache zu den jeweiligen Figuren rundum gelungen ist.

     Buchkritik:   Ich war beim Lesen des Stückes angenehm überrascht. Durch “Das Versprechen” war ich einen anderen Stil von Dürrenmatt gewohnt, als der, den ich vorfand. Daß “Der Besuch der alten Dame” und “Das Versprechen” zwei völlig anderen Gattungen angehören ist mir klar, dennoch macht man sich ein gewisses Bild von einem Autor, nachdem man eines seiner Bücher gelesen hat und dieses Bild, sozusagen ein kleines Vorurteil, kann die Erwartungshaltung gegenüber eines weiteren Buches des Autors zumindest z.T. mitbestimmen. Ich muß allerdings sagen, daß ich “Der Besuch der alten Dame” gerne gelesen habe, im Gegensatz zu “Das Versprechen”.

Die Handlung an sich war durchgehend interessant und spannend, auch, weil das Stück einen tieferen Sinn hat und sich auch auf heutige gesellschaftliche Probleme bezieht und man gespannt sein dürfte, wie das Stück endet und entsprechend wie der Autor die Gesellschaft sah. Zudem waren die beiden gegenläufigen Bewegungen interessant, auf der einen Seite der moralische Verfall der Stadt, auf der anderen die Selbstfindung Ills. Allgemein kann gesagt werden, daß das Gesamtbild des Stücks neben der fesselnden Vor- und Haupthandlung durch die z.T. wie bei Claire Zachanassian etwas überzeichneten Charaktere hervorragend abgerundet wird. Zur Intention kann natürlich niemand hundertprozentig genau sagen, welche Hintergedanken Dürrenmatt hatte.

Es ist bekannt, daß er einerseits “gerne” die Gesellschaft bzw. deren Fehler kritisierte, was in diesem Stück auf den moralischen Werteverfall abzielen könnte und dessen Beziehung zur Macht des Geldes, die oft mehr im Vordergrund steht als das Leben eines Menschen. Für diese doch sehr plausible Theorie spricht auch das “Gebet” bzw. der Chorgesang am Ende des Stücks, daß die Anbetung des Geldes als eine Art Gott zum Inhalt hat. Andererseits kann dem Stück ob von Dürrenmatt gewollt oder nicht eine gewisse Ähnlichkeit zu den Vorgehen rund um den Marshall-Plan nicht abgesprochen werden, auch wenn der Autor dies absolut ausschloß. Ebenfalls nicht zu übersehen ist eine gewisse Ähnlichkeit zum Nationalsozialismus, was in diesem Fall bedeuten würde, daß Dürrenmatt das Kollektiv, nicht aber den einzelnen verantwortlich machen würde.

Auf den ersten Blick scheint die NS-Zeit etwas abwegig zu sein, was aber durch die Tatsache relativiert wird, daß Dürrenmatt sich unbestreitbar in seinen frühen Werken mit dem Zweiten Weltkrieg und somit natürlich auch mit den Nationalsozialisten auseinandersetzte. Für den Leser ist allerdings eine Diskussion hierüber nicht relevant, da jeder sich ein eigenes Bild über dieses Drama machen wird, über die Handlung und auch über die Intention. Egal, was nun dahintersteckt, Dürrenmatt ist mit dem “Besuch der alten Dame” eine fesselndes und tiefsinniges Drama gelungen, das es wert ist gelesen zu werden und darüber zu spekulieren, ob Claire Zachanassian nun mir zweiten Vornamen Marshall heißt oder nach Dürrenmatt nur das ist, was sie darstellt, “die reichste Frau der Welt.”               Thomas Reuter 1998 Gelegentliche Tippfehler möge man dem Autor verzeihen.                              

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