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  Ludwig van beethoven

Ludwig van Beethoven  Beethoven in Bonn... (1770-1792)   Herkunft und Kindheit Ludwig van Beethoven stammte aus einer Musikerfamilie. Sein Vater wie sein Großvater waren im Dienste der Kurfürsten von Köln gestanden, deren Residenz sich in Bonn befand. Der Großvater, Lodewyk van Beethoven (1712-1773), der aus dem belgischen Mechelen stammte, trat 1733 als Bassist in die kurfürstliche Kapelle ein; 1761 wurde er zum Kapellmeister ernannt.

Sein Sohn Johann (1740-1792) war mit zwölf Jahren Sopranist, nach dem Stimmbruch Tenor in der Kapelle. Außerdem spielte er Klavier und Violine und konnte somit durch Unterrichten sein Gehalt aufbessern. Im November 1767 heiratete er Maria Magdalena Leym, geborene Keverich, eine einundzwanzigjährige Witwe. Im April 1769 wurde ihr erstes Kind geboren, das aber nur sechs Tage am Leben blieb. Am 17. Dezember 1770 kam Ludwig van Beethoven in Bonn zur Welt.

Von seinen fünf jüngeren Geschwistern überlebten nur zwei die ersten Lebensjahre, Caspar Anton Carl (1774-1815) und Nikolaus Johann (1776-1848); sie standen Ludwig zeitlebens sehr nahe. Der Vater hatte das außergewöhnliche Talent seines Sohnes schon früh erkannt; er erteilte ihm Klavier- und Violinunterricht und versuchte, ihn nach dem Beispiel Mozart als Wunderkind zu „vermarkten". Am 26. März 1778 stellte er sein „Söhngen von sechs Jahren" erstmals dem Kölner Publikum vor - Ludwig war ein Vierteljahr vorher sieben geworden. Auf den frühen Drucken ist sein Alter durchweg zwei Jahre jünger angegeben.   Unterricht bei Christian Gottlob Neefe 1779 kam der Komponist und Organist Christian Gottlob Neefe (1748-1798) als Hoforganist nach Bonn, und Ludwig wurde sein Schüler.

Neben dem Klavier- und Orgelspiel unterrichtete er ihn auch im Generalbassspiel und in der Komposition und half ihm, seine ersten Werke zu veröffentlichen. Er stellte ihn als Hilfsorganist im Bonner Hoforchester an, und auch am Cembalo vertrat Beethoven häufig seinen Lehrer.  Der 16jährige Beethoven in Hoftracht (Silhouette)Durch den Dienst bei sonn- und festtäglichen Hochämtern und die Mitwirkung im Konzert und im Theater kam der junge Künstler mit der Musik Haydns, Mozarts und mit Werken der Mannheimer und der Pariser Komponisten in Berührung; sein Lehrer machte ihn mit der strengen Kontrapunktik Johann Sebastian Bachs bekannt. Durch seine Kompositionen und durch sein virtuoses Klavierspiel erregte Beethoven Aufsehen am Bonner Hof; der Kurfürst Maximilian Franz (1756-1801) zeigte großes Interesse an seinen Fortschritten. Im Frühjahr 1787 gewährte er dem Siebzehnjährigen Urlaub für eine Reise nach Wien, damit er sich bei Mozart weiterbilde. Aus diesem Vorhaben wurde allerdings nichts, denn nach vierzehntägigem Wien-Aufenthalt wurde Beethoven durch die Nachricht von der Erkrankung seiner Mutter nach Bonn zurückgerufen.

Kurze Zeit nach seiner Rückkehr, am 17. Juli 1787, starb die Mutter. Orchestermusiker in Bonn 1789 wurde das neue Opernhaus in Bonn eröffnet; mehrere Jahre hindurch spielte Beethoven im Opernorchester die Bratsche. Auf dem Spielplan standen neben Werken der beliebten Komponisten Giovanni Paisiello (1741-1816) und Ignaz Umlauf (1746-1796) unter anderem auch Mozarts Entführung aus dem Serail, Le Nozze di Figaro und Don Giovanni. Im November 1789 wurde Beethovens Vater aus dem Orchesterdienst in den Ruhestand entlassen. Nach dem Tod der Mutter hatte er sich mehr und mehr dem Trunk ergeben, und die Sorge um die Geschwister lastete immer stärker auf dem ältesten Sohn - Beethoven erwirkte vom Hof, dass ihm die Hälfte des väterlichen Gehalts für den Unterhalt der Brüder überlassen wurde.

  Bekanntschaft mit Haydn Im Dezember 1790 machte Joseph Haydn auf seiner ersten Reise nach London Zwischenstation in Bonn, möglicherweise traf Beethoven schon damals mit ihm zusammen. Ganz sicher jedoch begegneten sie einander auf Haydns Rückreise nach Wien im Sommer des Jahres 1792. Vermutlich bot ihm Haydn an, ihn zu unterrichten. Auch der Bonner Hof, allen voran Kurfürst Maximilian Franz, hielt einen Studienaufenthalt in Wien bei Haydn für sinnvoll, und so wurde vereinbart, dass Beethoven auch noch während der ersten Zeit in Wien sein Gehalt aus Bonn erhalten sollte. Anfang November 1792 reiste Beethoven aus Bonn ab, und um den 10. November kam er in Wien an.

 Beethoven in Wien...   Unterricht bei Haydn, Albrechtsberger und Salieri Kurze Zeit nach seiner Ankunft in der Kaiserstadt begann Beethoven mit seinen musikalischen Studien bei Haydn. Die Unterweisung im Kontrapunkt dauerte mit Unterbrechungen bis zum Beginn des Jahres 1794, als Haydn seine zweite Londonreise antrat. Beethoven war mit den lockeren Unterrichtsmethoden Haydns nicht immer zufrieden.


Als Haydn Wien verlassen hatte, begann er bei dem bekannten Theoretiker Johann Georg Albrechtsberger (1736 -1809) mit dem Studium von Kontrapunkt, Kanon und Fuge. Die Beziehung zu Haydn blieb jedoch bis zu dessen Tod 1809 bestehen, und das Verhältnis zwischen den beiden soll trotz einiger negativer Aussagen Beethovens über seinen Lehrer durchaus freundlich gewesen sein. Sicherlich verdankte er Haydn auch die Bekanntschaft mit einflussreichen Kunstliebhabern und Mäzenen der Stadt. Seine erste Unterkunft fand der Bonner Musiker bei Fürst Karl Lichnowsky (1756-1814), in dessen Stadtresidenz Haydn ein gerngesehener Gast war. Auch Baron Gottfried van Swieten (1733-1809) nahm Notiz von Beethoven, der zunächst weniger als Komponist denn als Klaviervirtuose bekannt war. Der Freund und Gönner Mozarts förderte den jungen Pianisten gerade zu Beginn seiner Karriere in Wien, und Beethoven widmete ihm seine erste Sinfonie.

Nach der Unterweisung im Kontrapunkt durch Haydn und Albrechtsberger nahm Beethoven von 1799 bis 1802 noch Unterricht im italienischen Vokal- und Opernstil bei dem damaligen Wiener Hofkapellmeister, Antonio Salieri (1750-1825). Später hatte er keinen nennenswerten Kontakt mehr zu dem hoch angesehenen Opernkomponisten, und es scheint, dass dieser dann auch eher gegen ihn eingenommen war.   Als freischaffender Pianist in Wien Im März 1794 stellte Kurfürst Maximilian die Zahlungen ein. Beethoven war zu jenem Zeitpunkt nicht mehr auf die Zuwendungen des Bonner Hofs angewiesen. Er war als Klavierlehrer sehr gefragt und unterrichtete eine ganze Reihe junger Damen aus wohlhabenden adeligen Familien. Kurze Zeit später zog sein Bruder Caspar Carl zu ihm nach Wien.

Im darauf folgenden Jahr kam auch Nikolaus Johann in die Kaiserstadt und arbeitete hier als Apothekenhelfer. Während der ersten Wiener Jahre trat Beethoven als Pianist nur im privaten Rahmen auf. Am 29. März 1795 stellte er sich dem Wiener Publikum in seinem ersten öffentlichen Konzert im Burgtheater.   Der erste große Erfolg: „Die Geschöpfe des Prometheus" (1801) Nach intensiver Arbeit an den Streichquartetten op. 18 wagte sich Beethoven 1799 zum ersten Mal an die Komposition einer Sinfonie - am 2.

April 1800 wurde seine erste Sinfonie op. 21 im Rahmen eines Benefizkonzertes im alten Burgtheater aufgeführt. Den Durchbruch als Komponist brachte ihm allerdings erst seine Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus" op. 43, ein Auftragswerk des berühmten Tänzers, Choreographen und Komponisten Salvatore Vigano (1769-1821). Die Premiere am 28. März 1801 hatte großen Erfolg, das Ballett wurde im selben Jahr noch dreizehn Mal, im darauf folgenden Jahr neunmal gegeben.

1800-1802 entstanden auch die Klaviersonaten op. 27 und op. 28, das Quintett op. 29 und die Violinromanze op. 40. Im Februar 1802 schloss er die Komposition der zweiten Sinfonie op.

36 ab, die jedoch erst ein Jahr später, am 5. April 1803, zur Uraufführung gelangte.   Beethoven in Wien II (1802-1815) Nach den schwierigen Monaten in Heiligenstadt - die Klaviervariationen op. 34 - 35 und die Klaviersonate op. 31 stammen unter anderem aus dieser Zeit - arbeitete er nun mit großer Energie an neuen Werken. Im März 1803 vollendete er das Oratorium Christus am Ölberge op.

85 und das dritte Klavierkonzert op. 37. Am 5. April 1803 wurden diese Werke und die Sinfonie Nr. 2 in einem Benefizkonzert im Theater an der Wien uraufgeführt. Beethoven erhielt dafür Einnahmen von etwa 1800 Gulden.

Das Theater an der Wien Hier wurden unter anderem die Sinfonien Nr. 3 und 6, das Violinkonzert und die Oper "Fidelio" uraufgeführtAngespornt durch den erzielten Erfolg, begann er mit der Komposition der Violinsonate op. 47, die er später dem französischen Geiger Rodolphe Kreutzer (1766-1831) widmete, und der dritten Sinfonie op. 55 ("Eroica"). Seit Anfang des Jahres war er als Komponist am Theater an der Wien angestellt, und kurze Zeit später zog er zusammen mit seinem Bruder Caspar in eine Dienstwohnung am Theater.   Fidelio Im Frühjahr 1804 lief sein Vertrag mit dem Theater an der Wien aus, doch Anfang September desselben Jahres wurde er wieder vom Theater angestellt.

Beethoven trug sich schon einige Zeit mit dem Gedanken, eine Oper zu schreiben, und als Joseph Sonnleithner (1766-1835), der Sekretär des Wiener Hoftheaters, nach einer französischen Vorlage das Libretto zu Leonore für ihn geschrieben hatte, arbeitete er intensiv an der Komposition. Die Uraufführung wurde für den 30. September 1805 festgesetzt, mußte jedoch verschoben werden, weil die Theaterzensur Einspruch erhob und erst nach einer Petition Sonnleithners einlenkte. Auch der zweite Termin konnte nicht eingehalten werden, da Napoleons Truppen in die Kaiserstadt einmarschiert waren und Napoleon sein Hauptquartier in Schloß Schönbrunn einrichtete. Am 20. November 1805 fand die Premiere von Leonore wirklich statt; es folgten zwei weitere Aufführungen.

Beethoven war jedoch mit dem Werk nicht zufrieden. Er überarbeitete das Stück mehrmals, und auch der Text wurde immer wieder abgeändert - damit befaßte sich unter anderem sein Bonner Freund Stephan von Breuning (1774-1827). Die endgültige Fassung wurde erst acht Jahre später, am 23. Mai 1814, mit neuer Ouvertüre und unter demTitel Fidelio im Kärntnertortheater zum ersten Mal aufgeführt; sie sollte trotz anderer Opernpläne des Komponisten seine einzige vollendete Oper bleiben.   Beethoven in Wien III (1812 - 1827) Im Herbst 1812 verbrachte Beethoven einige Wochen bei seinem Bruder Nikolaus Johann, der in Linz als Apotheker lebte. Während dieses Aufenthalts schrieb er seine achte Sinfonie op.

93 nieder. Daß sein Bruder mit seiner Haushälterin Therese Obermeyer in wilder Ehe lebte, war ihm ein Dorn im Auge, er wandte sich in dieser Angelegenheit sogar an den zuständigen Bischof. Nikolaus und Therese heirateten am 8. November, und nach dieser Lösung des Problems reiste Beethoven nach Wien zurück. Im Juni 1813 siegte der Herzog von Wellington über Napoleon. Auf Anregung des Erfinders Johann Nepomuk Mälzels (1772-1838) schrieb Beethoven die „Schlachtensinfonie" op.

91, „Wellingtons Sieg". Ursprünglich war das Stück für Mälzels „Panharmonicon", ein mechanisches Musikinstrument gedacht. In der Orchesterbearbeitung wurde es am 8. Dezember zusammen mit der siebenten Sinfonie bei einem Wohltätigkeitskonzert uraufgeführt und erregte ungeheures Aufsehen. Im Orchester, das für die „Schlachtensinfonie" eine ungewöhnlich große Besetzung erforderte, saßen die berühmtesten Musiker Wiens, unter anderem die Komponisten Johann Nepomuk Hummel und Antonio Salieri. Das Konzert wurde vier Tage später wiederholt; der Reinerlös der beiden Vorstellungen von insgesamt 4000 Gulden kam den Kriegsopfern zugute.

  Die großen Erfolge der letzten Jahre Nun folgte eine Reihe von glanzvollen Konzerten. Im Februar 1814 erklang erstmals die achte Sinfonie op. 93, im April das „Erzherzogtrio" op. 97. Fidelio wurde von Grund auf überarbeitet und ging am 23. Mai im Kärntnertortheater unter Beethovens Leitung über die Bühne; die zweite Aufführung am 26.

Mai eröffnete eine neue, die jetzige Fidelio-Ouvertüre (die drei vorher entstandenen werden als Leonohren-Ouvertüren bezeichnet). Für die Eröffnung des Wiener Kongresses 1814 schrieb Beethoven die Kantate „Der glorreiche Augenblick" op. 136, die am 29. November im Rahmen einer Akademie im Großen Redoutensaal erstmals gegeben wurde; auf dem Programm stand neben „Wellingtons Sieg" auch die siebente Sinfonie. Die Kaiserinnen von Österreich und Russland, der König von Preußen und fast alle der fürstlichen Teilnehmer des Wiener Kongresses wohnten dem Konzert bei, im Orchester wirkten wieder die berühmtesten Musiker Wiens mit.   Der Streit um die Vormundschaft Am 15.

November dieses Jahres starb sein Bruder Caspar Carl. Beethoven fühlte sich für dessen einzigen Sohn verantwortlich und bemühte sich um die alleinige Vormundschaft, was langwierige Streitigkeiten mit der Mutter des Knaben zur Folge hatte. Nach aufreibenden Prozessen durch verschiedene Instanzen wurde ihm schließlich im April 1820 das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Ein umfangreiches Schreiben Beethovens vom Februar 1820 an den Wiener Magistrat zeugt von seinen Anstrengungen in diesen Auseinandersetzungen und beleuchtet die kompromisslosen Erziehungsprinzipien des Komponisten. Beethoven um 1818Beethoven hatte den Jungen 1816 für zwei Jahre in ein privates Erziehungsinstitut gegeben; nach seinem Schulabschluss hatte Karl die Universität besucht, dann wechselte er an das Polytechnikum. Zermürbt durch die andauernden emotionalen Belastungen, machte er am 30.

Juli 1826 einen Selbstmordversuch, den er glücklicherweise überlebte. Beethoven war dadurch zutiefst getroffen. Er gab nun dem Wunsch seines Neffen nach und erlaubte ihm, ins Militär einzutreten. Der Streit um die Vormundschaft hatte Beethoven nicht nur große finanzielle Einbußen gebracht, sondern ihn auch für längere Zeit in seiner Schaffenskraft nahezu gelähmt. Seine Ertaubung war nun so weit fortgeschritten, dass er sich nur noch schriftlich mit seiner Umgebung verständigen konnte.   Die Konversationshefte Beethovens Schwerhörigkeit hatte etwa 1818 einen Grad erreicht, der den Komponisten zwang, mit seinen Gesprächspartnern schriftlich zu kommunizieren.

Zu diesem Zweck trug er ständig ein Notizbuch bei sich; an die 400 soll er im Laufe der Zeit voll geschrieben haben. Heute sind 137 dieser so genannten Konversationshefte erhalten, sie stellen eine aufschlussreiche Quelle für Beethovens Lebensjahre von 1818 bis 1827 dar. Dabei liegt die Bedeutung des Materials in erster Linie darin, dass es uns eine Vorstellung von der Lebensweise Beethovens vermittelt, eingehende Erklärungen über seine kompositorische Arbeitsweise sind eher selten. Unter anderem geben ausführliche Aufzeichnungen Aufschluss über die Vorbereitungen zur Uraufführung der neunten Sinfonie op. 125 am 7. Mai 1824, doch werden auch familiäre Begebenheiten, etwa Karls Selbstmordversuch, erörtert.

Eine Vielzahl persönlicher Notizen, Einkaufslisten, Briefskizzen, Abschriften von Zeitungsannoncen und sogar Kompositionsskizzen finden sich unter den Eintragungen. Die ungeheure Fülle an Informationen muss allerdings mit gewisser Vorsicht behandelt werden. Einerseits geben die Aufzeichnungen fast ausschließlich die Äußerungen der Gesprächspartner wieder, andererseits haben längst nicht alle Konversationen Beethovens schriftliche Spuren hinterlassen, da sich einige seiner Freunde und Bekannten (etwa Erzherzog Rudolf) trotz seines Gebrechens nach wie vor mündlich mit ihm unterhielten. Dazu kommt, dass die Hefte nach dem Tod des Komponisten in den Besitz Anton Schindlers (1795-1864) gelangten, der seit 1819 sein Adlatus war und später die erste Beethoven-Biographie verfasste. Schindler fügte nachträglich zahlreiche Eintragungen ein, um den Anschein zu erwecken, er habe in engem Kontakt zu Beethoven gestanden. Während der letzten drei Jahrzehnte gelang es der Forschung jedoch, die gefälschten Textstellen Schindlers zu identifizieren.

Seit den sechziger Jahren arbeitet ein Team der Deutschen Staatsbibliothek, wo sich die meisten Konversationshefte befinden, an einer wissenschaftlich fundierten zehnbändigen Ausgabe des umfangreichen Materials.   Beethovens Wohnorte Allein die Anzahl der Wiener Wohnungen des Komponisten beläuft sich ohne die Quartiere, die er während der Sommermonate bewohnte, auf mindestens dreißig. Beethoven galt als schwieriger Mieter. Einerseits führte sein ungestümes Wesen immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den benachbarten Mietern, andererseits hatte er oft Sonderwünsche. So bevorzugte er vor allem südseitig gelegene Wohnungen, die eine gute Aussicht hatten und sich in ruhiger Lage befanden; in Wien war es ihm wichtig, in der Nähe der Innenstadt zu wohnen. Oft hatte er bald nach seinem Einzug an der Wohnung etwas auszusetzen und suchte sofort eine neue Bleibe.

Seine erste Unterkunft in Wien befand sich im Stadtpalais des Fürsten Lichnowsky (heute Alserstraße 30), der ihn seit seiner Ankunft in Wien unterstützte und förderte. Dort wohnte er zunächst in der Mansarde, dann im Erdgeschoss und schließlich im ersten Stock als Gast des Hauses. Lange Zeit lebte er im vierten Stock des Hauses eines anderen adeligen Gönners, des Barons Johann Baptist von Pasqualati (1777-1830), in der heutigen Mölkerbastei Nr. 8. Das Wappen am PasqualatihausManchmal hatte er auch gleichzeitig zwei Wohnungen, z.B.

die Unterkunft in der Mölkerbastei und eine Dienstwohnung im Theater an der Wien (heute Linke Wienzeile 6). Die Sommermonate verbrachte er oft außerhalb der Stadt. Bevorzugte Orte in der Umgebung Wiens waren Mödling und Baden. Beethovenhaus in MödlingEine besonders schwierige Zeit seines Lebens verbrachte er in Heiligenstadt (von Mai bis Oktober 1802), das damals ein Dorf außerhalb Wiens war. Dort schrieb er in der heutigen Probusgasse Nr. 6 das "Heiligenstädter Testament" nieder.

Beethoven starb 1827 im zweiten Stock des Alten Schwarzspanier-Hauses (heute Schwarzspanierstraße 15).   Beethovens finanzielle Verhältnisse Als einer der ersten Künstler konnte Ludwig van Beethoven von den Erträgen aus Konzerten, Veröffentlichungen seiner Werke und immer wieder großzügigen finanziellen Zuwendungen seiner Gönner seinen Lebensunterhalt bestreiten. Beethoven wuchs in Bonn in bescheidenen finanziellen Verhältnissen auf. Als 1789 sein Vater in den Ruhestand trat, übernahm er es, für den Unterhalt seiner Brüder zu sorgen. Er erreichte, dass ihm die Hälfte der väterlichen Pension für diese Aufgabe zugesprochen wurde. An der Entscheidung, für die beiden jüngeren Brüder zu sorgen, hielt er auch nach seinem Umzug nach Wien fest.

Im März 1794 stellte der Bonner Hof die Zahlungen an Beethoven ein. Er hatte seinen Unterhalt in der Zwischenzeit durch Unterrichtsstunden, Aufführungen und Veröffentlichungen gesichert. Außerdem konnte er mit der Unterstützung des Wiener Adels rechnen. Einflussreiche Familien wie die Lichnowsky und die Lobkowitz förderten ihn immer wieder durch finanzielle Zuwendungen. Von 1800 an bezahlte Fürst Karl Lichnowsky Beethoven ein jährliches Gehalt von 600 Gulden. Im Sommer des Jahres 1806 kam es zu einer großen Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern, und wir wissen nicht, ob Beethoven dieses Gehalt noch weiter bezog.

Immerhin verfügte er damals über ein jährliches Einkommen von mindestens 600 Gulden, im Vergleich dazu hatte sich sein Bruder Caspar Anton, der mittlerweile nach Wien gezogen war und im öffentlichen Dienst stand, mit einem jährlichen Lohn von 250 Gulden zu begnügen. Beethoven war sich der unsicheren Lage bewusst, in der sich ein freischaffender, von der Gunst der Mäzene abhängiger Künstler befand. Deshalb unterzog er Angebote einer höfischen Anstellung einer sorgfältigen Prüfung. Ein solches Angebot verhalf ihm auf indirektem Wege zu einem lebenslangen "Stipendium". Ende 1808 wurde die Stelle des zuständigen Generaldirektors für Theater und Orchester am Kasseler Hof frei. Der angesehene Komponist Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), der sie innegehabt hatte, war beim König in Ungnade gefallen, und man sah in Beethoven einen geeigneten Kandidaten für die Neubesetzung.

Im Januar 1809 sandte Beethoven seine Zusicherung nach Kassel, er schien entschlossen zu sein, Wien den Rücken zu kehren. Angesichts dieser Möglichkeit setzten sich nun einige seiner Freunde für sein Verbleiben ein. Sie versuchten von einflussreichen und zahlungskräftigen Mitgliedern des österreichischen Hochadels die Zusage für eine großzügige Unterstützung zu erlangen, die den Komponisten endgültig an Wien binden würde. Erzherzog Rudolf, Beethovens Schüler und GönnerErzherzog Rudolf (1788-1833), der Bruder des Kaisers, Fürst Franz Joseph Maximilian Lobkowitz (1772-1816) und Fürst Ferdinand Kinsky (1781-1812) verpflichteten sich, Beethoven auf Lebenszeit eine Jahresrente in der Höhe von 4000 Gulden zukommen zu lassen, mit der einzigen Bedingung, dass der Komponist sich weiterhin die meiste Zeit des Jahres in Wien aufzuhalten hatte. Der Erzherzog zahlte 1500 Gulden, Fürst Kinsky 1800 Gulden und Fürst Lobkowitz 700 Gulden. Nach anfänglichen Verzögerungen - Fürst Kinsky war nach der Zusage nach Prag abgereist und hatte keine Anordnungen für die Auszahlung des Betrages in Wien hinterlassen - bezog Beethoven seine Jahresrente vorerst regelmäßig.

In diesen Jahren erhielt er außerdem erhebliche Beträge vom Verleger Breitkopf & Härtel; trotzdem soll er sich immer wieder darüber beklagt haben, zuwenig Geld zur Verfügung zu haben. 1811 kam es in der Monarchie zu einer drastischen Abwertung des Guldens, und Beethoven musste bei seinen Gönnern um die Anhebung der Jahresrente ansuchen. Erzherzog Rudolf erklärte sich sofort dazu bereit, und auch Fürst Kinsky war damit einverstanden, doch starb er 1812 an den Folgen eines Reitunfalls, und erst 1815 wurde die Frage der Zahlungen mit seinen Erben geklärt. Fürst Lobkowitz war durch seinen aufwendigen Lebensstil 1813 an den Rand des Bankrotts geraten - er war einer der bedeutendsten privaten Mäzene und hatte 1811 auch die Leitung des Hoftheaters übernommen, was mit finanziellen Verpflichtungen verbunden war. Über den Rest seines Vermögens konnte er nicht mehr frei verfügen, und Beethoven erhielt erst 1815 nach langwierigen Verhandlungen mit den Vermögensverwaltern die ausständigen Zahlungen von Fürst Lobkowitz; danach bezog er die jährlichen Beträge anstandslos bis zu seinem Tod. 1815 brachten seine Auftritte während des Wiener Kongresses neben dem Ruhm auch hohe finanzielle Gewinne, die er unter anderem in Aktien anlegte.

In dasselbe Jahr fällt der Tod seines Bruders Caspar. In einem langwierigen Rechtsstreit kämpfte Beethoven um die Vormundschaft von Caspars Sohn Karl. Allein die Gerichtskosten stellten eine erhebliche finanzielle Belastung dar, und das zeitweilige Nachlassen seiner Kompositionstätigkeit während dieser Zeit machte sich auch in materieller Hinsicht bemerkbar. Das Gericht sprach ihm letztendlich die Vormundschaft über Karl zu, und Beethoven hatte nun auch für den Unterhalt und die hohen Schulkosten seines Neffen zu sorgen. Beethoven im Jahre 1823Zu Beginn der zwanziger Jahre hatte er große Schulden, so dass er gezwungen war, ein Darlehen aufzunehmen, dessen Rückzahlung er durch den gleichzeitigen Verkauf seiner Kompositionen an verschiedene Verleger sichern wollte. Da ihm dies nicht gelang, musste er schließlich einen Teil seiner Aktien verkaufen.

Die letzten Jahre seines Lebens lebte Beethoven im Glauben, dass er arm sei. Nach seinem Tod stellte es sich jedoch heraus, dass er nach der Liquidation seiner Aktien und der Einforderung offenstehender Zahlungen seinen Erben fast 10.000 Gulden hinterließ.   Personen aus Beethovens Freundeskreis Brentano, Antonie (1780-1869) Gute Freundin Beethovens und möglicherweise die beabsichtigte Empfängerin seines berühmten Briefs an die „Unsterbliche Geliebte" vom Juli 1812. Verheiratet mit Franz Brentano (23. Juli 1798).

1823 widmete ihr Beethoven die „Diabelli-Variationen".   Erdödy, Gräfin Anna Marie (1778-1837) Ungarische Musikliebhaberin, verheiratet mit Graf Peter Erdödy. Im Jahre 1808 lebte Beethoven für kurze Zeit in ihrem Haus (heute Beethoven-Gedenkstätte Florisdorf). Beethoven widmete ihr seine Trios op. 70 und die Wiener Ausgabe der Cellosonaten op. 102.

  Galitzin, Fürst Nikolaus Borissovich (1794-1866) Russischer Fürst und großer Bewunderer von Beethovens. Gab drei Streichquartette (op. 127. 132 und 130) bei Beethoven in Auftrag. Diese Werke sowie die Ouvertüre „Die Weihe des Hauses" hat der Komponist ihm gewidmet. Fürst Galitzin organisierte die erste Aufführung der „Missa solemnis" in St.

Petersburg.   Lichnowsky, Fürst Karl (1756-1814) Bedeutender Mäzen, der Beethoven vor allem während der ersten Wiener Jahre förderte. 1793 bis 1795 wohnte Beethoven in seinem Palais in der Alserstraße. Lichnowsky sind die Trios op. 1, die Klaviersonaten op. 13 und 26, eine Variationsreihe und die zweite Sinfonie gewidmet.

  Lobkowitz, Fürst Franz Joseph Maximilian von (1772-1815) Auch Fürst Lobkowitz zählt zu den bedeutenden Förderern Beethovens. Er stellte ihm sein privates Orchester für Proben und nichtöffentliche Aufführungen zur Verfügung. Beethoven probte etwa die Eroica vor ihrer Erstaufführung mehrmals mit diesem Orchester. Dem Fürsten Lobkowitz sind die Quartette op. 18, das Tripelkonzert, das Quartett op. 74, der Liederzyklus „An die ferne Geliebte" sowie die Sinfonien Nr.

3, Nr. 5 und Nr. 6 gewidmet.   Rasumovsky, Graf Andreas Kirillovich (1752-1836) In Wien lebender russischer Gesandter, Musikliebhaber und Kunstsammler; er unterhielt ein eigenes Streichquartett, welches als Rasumovsky-Quartett in die Wiener Musikgeschichte einging. Als Dank für die Großzügigkeit des Grafen ihm gegenüber widmete ihm Beethoven seine drei Quartette op. 59 und, neben dem Fürsten Lobkowitz, die fünfte und die sechste Sinfonie.

  Rudolf, Erzherzog von Österreich (1788-1831) Bruder von Kaiser Franz. Er trat 1805 in den geistlichen Stand und wurde 1819 zum Erzbischof von Olmütz gewählt. Er war ein hervorragender Pianist und Gelegenheitskomponist und lange Jahre Beethovens Schüler, der in im Klavierspiel, in Musiktheorie und in Komposition unterrichtete. Um Beethoven in Wien zu halten, unterzeichnete er 1809 zusammen mit den Fürsten Lobkowitz und Kinsky einen Pensionsvertrag, der dem Komponisten als lebenslange Rente jährlich 4000 Gulden zusicherte. Beethoven hat Erzherzog Rudolf weitaus mehr Kompositionen als irgend jemand anderem gewidmet: das vierte und das fünfte Klavierkonzert, die Klaviersonate „Les Adieux", die Missa solemnis und die Große Fuge op. 133 - um nur einige zu nennen.

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