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  Die frauen von palau - zur ethnoanalyse einer mutterrechtlichen kultur

Die Frauen von Palau - Zur Ethnoanalyse einer mutterrechtlichen Kultur   Evelyn Heinemann, Prof. Dr. phil., verbrachte einige Zeit auf Palau, einer Inselkette im Pazifischen Ozean, auf der bis heute eine matrilineare Kultur herrscht. Als Erkenntnisinstrumente in der fremden Kultur benützte sie vor allem die Selbstreflexion (Verstehen von innen), das bedeutet, daß der Forscher sich mit der fremden Kultur auseinandersetzt und der Interaktionspartner durch Gespräche und Beschreibung bestimmter Szenen beim Forscher emotionale Reaktionen auslöst, die seinen verinnerlichten Szenen entsprechen. Das heißt, das der Forscher sich in diesem Augenblick so fühlt wie sich sein Gesprächspartner in einer vergangenen Szene fühlte.

Die Frage die dabei im Mittelpunkt steht lautet: „Was löst der andere in mir aus?“ Mit Hilfe ihrer psychoanalytischen Grundaubildung konnte Evelyn Heinemann ihre eigenen unbewußten Reaktionen später reflektieren und deuten. Außer der Sebstreflexion verwendete die Autorin ethnographische Erkenntnisse anderer Feldforscher, manifeste Inhalte von Gesprächen, und Dokumentationen aus dem Land selbst. Der Ethnopsychoanalyse geht es um das Verstehen des spezifischen Verhältnisses von Individuum und Gesellschaft, nicht um eine Abwertung oder Idealisierung anderer Kulturen. a) Geographie und Geschichte Die Republik Palau gehört zu den westlichen Karolineninseln und ist nur etwa 750 km östlich der Philippinen gelegen. Palau besteht aus etwa 343 Inseln, von denen nur fünf bewohnt sind, und aus zwei Korallenatollen. Die Hauptstadt Palaus ist Koror.

Palau wurde 1783 von Engländern entdeckt, die Schiffbruch erlitten hatten. 1885 wurde die Inselkette von den Spaniern als ihr Eigentum proklamiert und 1899 an Deutschland verkauft. 1914 wurde Palau von den Japanern besetzt und nach dem zweiten Weltkrieg unter die Treuhandschaft der Vereinigten Nationen gestellt. Die USA bekam die administrative Autorität für Palau und unterstützt die Inselkette mit hohen Geldbeträgen, wobei gleichzeitig militärische Stationierungsrechte gefordert werden. Palau ist ein Land mit wenig Armut, es gibt keine Slums und reichlich Nahrung im Wasser und auf den Feldern. Besonders bedenklich ist allerdings, daß die früher geringe Kriminalitätsrate heute aufgrund jugendlicher Täter steigt, denen die Orientierung an Tradition fehlt und die stärker vom amerikanischen Lebensstil geprägt sind.

b) Palau aus mythologischer Sicht Der südliche und der nördliche Teil Palaus besitzen zwei verschiedene Ursprungsmythen, allerdings geht es in beiden Geschichten um orale Gier und Neid und um deren Überwindung. Da durch Mythen kulturtypische Konflikte, die im Laufe der Sozialisation ins Unbewußte verdrängt werden, in verkleideter Form bearbeitet oder abgewehrt werden können, stellen die Themen Essen, Gier und Neid einen zentralen Konflikt im ethnischen Unbewußten der Bewohner Palaus dar. c) Matriliearität Im Zentrum des Verwandtschaftssystems in Palau steht die Beziehung der Schwestern zu ihren Brüdern. Schon im Schöpfungsmythos erkennt man die kulturelle Bedeutung der Bindung zwischen Geschwistern, da die vier wichtigsten Machtzentren Palaus von vier Geschwistern gegründet wurden. Im Mittelpunkt der palauischen Kultur stehen Tauschbeziehungen und vor allem Geld. Zwischen dem Ehemann und seinen Schwestern auf der einen Seite und der Ehefrau und ihren Brüdern auf der anderen Seite besteht eine wichtige Tauschbeziehung.

Während der gesamten Zeit der Ehe kommt es zu traditionellen Tauschhandlungen, die die Verwandtschaft festigen soll. Dabei besteht eine seltsame Diskrepanz zwischen der Situation der Frauen und der Männer als Geschwister und als Ehegatten: Eine Frau muß in der Rolle der Schwester ihren Bruder mit Geld unterstützen. Um dieses Geld zu bekommen sollte sie heiraten. Als Ehefrau hat sie keine starke Stellung, muß hart arbeiten und wird von ihrem Ehemann bezahlt. Auch sexuelle Dienste gegenüber dem Ehemann werden als Arbeit angesehen und bezahlt. Außerdem muß die Frau als Ehefrau die Schwestern ihres Mannes zufriedenstellen.

Das geschieht dadurch, daß sie ihrer Schwägerin Essenspakete übergibt, die diese wiederum ihrem Mann gibt. Als Ausgleich für die Essenspakete bekommt die Frau von ihrer Schwägerin Pakete mit Waschmittel, Kleidung, Geschirr und eventuell auch Frauengeld. Als Schwester hat die Frau allerdings wieder eine hohe Stellung, da die Ehefrauen ihrer Brüder sie ebenso zufriedenstellen müssen. Beim Mann ist es ähnlich: Als Ehemann hat er keine hohe Stellung, er muß seiner Frau Geld geben, das er wiederum von seinen Schwestern bekommt. Die Kinder gehören zum Klan seiner Frau, und er gilt nur als Vater, wenn er mit der Mutter des Kindes verheiratet ist und seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt. Allerdings kann er als Vater Kinderdienst in Anspruch nehmen, das heißt, die Kinder für sich arbeiten lassen.


Als Bruder hat er mehr Macht und Einfluß, zum Beispiel hat er die letzte Verantwortung für die Kinder seiner Schwestern. Die Geschwisterbeziehung ist tabuisiert und es herrscht ein strenges Inzesttabu. Das Tauschprinzip dient der Abwehr bzw. Bewältigung eines oralen Triebkonflikts, oraler Neid kann durch ritualisierte Formen des Gebens und Nehmens abgewehrt und beherrscht werden. d) Frauengeld und Männergeld Noch heute gibt es in Palau neben dem US-Dollar das traditionelle Geld, das das soziale Leben regelt und eine wichtige Rolle in der sozialen Gemeinschaft spielt. Bei den verschiedensten Anlässen wird Geld gezahlt oder erhalten.

Es gibt Männergeld und Frauengeld. Das Männergeld ist heilig, weil es als Gabe der Götter betrachtet wird. Es ist aus gebranntem Ton oder Glasperlen, und kann heute nicht mehr hergestellt werden, da es nicht von der Inselkette Palau stammt. Das Geld gehört immer dem Klan, nicht einem Individuum. Das Geld kann durch Arbeit oder durch soziale Bräuche verdient werden, Frauen erhalten vor allem aufgrund der sozialen Bräuche Geld. Bei allen wichtigen Ereignissen wird Geld gegeben oder verlangt: bei Schwangerschaft, Heirat, Scheidung, Tod, bei Kriegen, Festen, in früheren Zeiten bei Kopfjagden, bei der Titelvergabe und als Strafe.

Die älteren Frauen des Klans verwalten das Geld, nur mit ihrer Erlaubnis können Männer über das Geld verfügen. Nach der Sitte waren alle Produkte, die man selbst produzierte nicht selbst zu benutzen. Nur wenn man an Tauschverpflichtungen teilgenommen hat, konnte man als Verstorbener seine Reise in die Nachwelt ordnungsgemäß beginnen. Deswegen waren Güter, Waren und Geld immer in Bewegung. Frauengeld sind kleine Tabletts aus dem Panzer der Karettschildkröten. Da es heute noch hergestellt werden kann, ist es weniger wert.

Betrachtet man das Gebot, eigene Produkte nicht selbst zu verwenden, sondern zu geben und dafür Geld zu erhalten, so sieht man, daß Geld eine wichtige Funktion der Triebsteuerung übernommen hat. Die Götter symbolisieren die Über - Ich - Forderung nach Überwindung oraler Gier. Die Überwindung oraler Gier wird mit Geld belohnt. Wer sich nicht an die Regeln hält wird mit Scham, nicht mit Schuld bestraft - nicht geben wird mit sozialer Isolation beantwortet. Das Geld unterstützt die Abwehrleistung des Ichs und die Anpassung an die kulturelle Gemeinschaft. e) Frauentitel und Männertitel Macht und Verantwortung werden in Palau über die Vergabe von Titeln geregelt.

So ist ein System ausgeprägter Dualität entstanden, das vor Ausgeglichenheit und Gerechtigkeit sichern soll. Das Land Palau ist in zwei Hälften geteilt, in die Distrikte der Westküste und die der Ostküste, die zusammen die „zwei Seiten des Himmels“ bilden. Außerdem gibt es heilige Beziehungen zwischen jeweils zwei Distrikten, und es gibt Distrikte die „Kinder des Chuab“, und Distrikte, die „Kinder von Milad“ sind (Namen aus alten Mythen). Jeder Klan vergibt Titel, dabei hat jeder männliche Titelhalter eine komplementäre weibliche Titelhalterin, die idealerweise seine Schwester sein sollte. Jeder Klan hat ein männliches und ein weibliches Oberhaupt, die den Klan in der „Männerversammlung“ bzw. in der „Frauenversammlung“ vertreten, die von den zehn bis elf höchstrangigen Titelhaltern in einem Distrikt gebildet werden.

Die männlichen Titelhalter werden von den ältesten Frauen des Klans vorgeschlagen und von der Versammlung der Männer bestätigt oder abgelehnt. Die Frauentitel werden von der Mutter auf die Tochter übertragen. Ein neugewählter männlicher Titelhalter muß bei seinem Antrittsfest Geld zahlen, und wird danach auch von seinen Verwandten mit dem Titel angesprochen. Nach dem Prinzip der Dualität ist auch das gesamte Dorf in zwei Hälften geteilt. Ebenso ist es bei der Männerversammlung, der Frauenversammlung, den Frauenklubs und den Männerklubs. Wenn Pflichten erfüllt werden müssen, wie zum Beispiel der Bau eines Bootshauses, so ist die eine Hälfte der Versammlung für einen Teil der Aufgaben verantwortlich, die andere Hälfte übernimmt andere Aufgaben.

Ein oder mehrere Titelhalter sind für bestimmte Aufgaben eingeteilt, zum Beispiel Exekutive, Legislative, verfolgen und bestrafen, Verkündung des Strafmaßes, Hüter der Kasse,..... Wenn jemand ein Unrecht begeht verteidigt ihn die eine Hälfte der Männerversammlung, der der Titelhalter seines Klans angehört, während die andere Hälfte die Anklage übernimmt.

Die halbe Männerversammlung übernimmt die Bezahlung der Strafe. Strafen konnten sein: Tod, Verbannung aus dem Distrikt, eine bestimmte Anzahl von Geld. Allerdings konnte jede Strafe in eine Geldstrafe umgewandelt werden. Auch Frauenversammlungen können eine solche Art der Gerichtsverhandlung durchführen, allerdings gibt es heute auch eine Rechtsprechung nach amerikanischem Vorbild. Die Titelhalter werden als Abkömmlinge der Götter betrachtet, deshalb ist es sehr wichtig, daß ihnen die nötige Ehrerbietung entgegengebracht wird. In der Männerversammlung gibt es bestimmte Diskussionsregeln, man unterhält sich nur flüsternd und durch Boten.

Diese Politik wird „Weg des Flüsterns“, und das Haus der Männerversammlung „Gebäude des Flüsterns“ genannt. Bei Frauenversammlungen wird nicht geflüstert. Nach der Geburt erhält das Kind seinen Namen von seinem Vater. Hat man dann einen Titel, den man nur bekommen kann wenn man verheiratet ist und ein Haus hat, muß man von allen mit dem Titel angesprochen werden. Nach dem Tod wird der Titel durch eine spezielle Zeremonie wieder entfernt und man wird mit dem Geburtsnamen begraben. Beim System der Dualität wird das gesamte Leben in zueinander gehörige, komplementäre Seiten aufgeteilt.

Es gibt keine Teilung in Gut und Böse - das System dient der Machtbalance, Aggression wird kontrolliert. Die Dualität hat wieder viel mit oraler Gier zu tun: Der Erwachsenenstatus wird nicht durch Identifizierung des Sohnes mit dem Vater und durch den Aufbau des Über - Ichs mittels ödipaler Verbote erworben. Die Geschwister müssen, um erwachsen zu werden, ihre Gier beherrschen lernen und teilen. Die Dualität kann auch der Bewältigung der Geschwisterrivalität dienen. Oraler Neid einem Geschwisterkind gegenüber kann besonders heftig sein und durch Rituale, die auf absoluter Gleichbehandlung beider Teile beruhen, abgewertet werden. Geschwisterrivalität kann in Palau durch die fehlende Bedeutung des Vaters und durch den Aufstieg innerhalb des mütterlichen Klans aufgrund von Leistung und Konkurrenz zu den Geschwistern gefördert werden.

Der einzelne ist immer in einer Gruppe involviert, die ein Gegenüber hat. Bei einer Geldstrafe zum Beispiel zahlt der Klan oder der Klub, nicht der einzelne. Durch die Titelvergabe sieht man, wie viel Macht Frauen in Palau haben. Die Männerversammlung übernimmt schon wesentliche politische Funktionen wie Kriege und Politik und das Verhandeln mit Fremden, aber Frauen kontrollieren alle Entscheidungen der Männer und sind bei allen Tauschvorgängen und Zeremonien die leitenden Personen. Trotzdem wird ein Machtgleichgewicht angestrebt, die Männer- und Frauenseite sind getrennt, so daß genug Autonomie für beide Geschlechter möglich ist. f) Frauenklubs und Männerklubs Das soziale Leben in Palau wird weitgehend durch Frauen- und Männerklubs geregelt, die traditionell die Anweisungen der Männer- und Frauenklubs ausführten.

Die innere Disziplin des Klubs war streng, und Gehorsam und Anwesenheit im Klub wurden erwartet. Idealerweise sollte jedes Dorf sechs Klubs haben, 3 für jede Dorfhälfte. Die drei Klubs unterschieden sich durch das Alter der Mitglieder: es gab den Klub der jüngsten Männer bzw. Frauen, den Klub der Männer und Frauen im mittleren Alter und der Klub der ältesten Männer bzw. Frauen. Eine gleiche Anzahl der Klubs stellte die Balance der beiden Dorfhälften dar.

Jedes Klubmitglied hatte einen Repräsentanten des Klubs der anderen Seite als Freund. Die Aufgabe der Männerklubs war die Verteidigung des Dorfes. Jeder Männerklub hatte ein eigenes Haus (Männerhaus) und ein Kriegskanu (Symbol des Klubs), in das 40 - 60 Personen passen. Das war auch die ideale Anzahl von Mitgliedern. Frauen hatten kein eigenes Haus und benutzten deswegen die Männerhäuser. Die Klubs übernahmen Erziehungsaufgaben.

Im Alter von sechs bis zehn Jahren wurde der Knabe langsam von der Familie getrennt und schlief die meiste Zeit im Männerhaus seines Klubs. Nach der Pubertät wurden die Knaben behutsam von Frauen in die Sexualität eingeführt. Das Mädchen wurde nach der ersten Menstruation im Menstruationshaus von seiner Mutter oder Tante defloriert (entjungfert) und danach zu den zahlungsfähigen Oberhäuptern geschickt, um ihr erstes Geld im Tauch gegen Sexualität zu verdienen. Danach ging das Mädchen für drei Monate in ein fremdes Männerhaus, wo sie Gesellschafterin war, gut behandelt wurde, sich den Liebhaber selbst aussuchen konnte und viel Geld verdiente, das sie nachher ihrem Vater gab. Es kam auch vor, daß ein Frauenklub einheitlich ein fremdes Männerhaus besuchte, allerdings geschah das nur unter befreundeten Gemeinden. Die Frauen blieben sieben bis zwölf Monate, und jede Frau verkehrte mit dem Mann, der ihrem Rang entsprach.

Keine Frau, auch wenn sie verheiratet war, konnte sich ausschließen. Wurde eine verheiratete Frau in einem fremden Männerhaus schwanger, so wurde ihr Ehemann als der Vater des Kindes angesehen. Ein Frauenklub konnte von einem Männerklub eingeladen werden, wenn dieser noch Geld übrig hatte, oder der Frauenklub kam von selbst, wenn bekannt wurde, daß der Männerklub Geld hatte. Außerdem konnten auch die Ältesten der Gemeinde einen Frauenklub losschicken, wenn Geld gebraucht wurde, oder der Frieden gefestigt werden sollte. Sexualität muß trotzdem dem Tauschprinzip und damit den sozialen Regeln der Gemeinschaft unterworfen werden. Das ist Aufgabe des Pubertätsritus der Defloration und des anschließenden Tausches Sexualität gegen Geld.

Frauen dürfen keinen Orgasmus, keine erfüllte genitale Sexualität haben, da außereheliche Sexualität genauen Regeln unterlag und oberflächlich betrachtet ökonomischen und politischen Zwecken diente. Gleichzeitig bietet die Unterwerfung unter die Regeln auch einen gewissen Lustgewinn, da individueller, außerehelicher Sexualverkehr mit einem Mann streng verboten war, hier aber geduldet werden mußte. In Palau essen die Geschlechter getrennt, da Essen mit dem anderen Geschlecht als sexuelle Verführung erlebt wird und tabuisiert werden muß. Vor Kindern wurden keine sexuellen Gefühle gezeigt, Küsse waren in Palau nicht bekannt, und man durfte nicht einmal die Hände halten. g) Kindheit Die Kindheit in Palau ist geprägt von der hohen kulturellen Wertschätzung der Mutterschaft. Die Erziehung des Kindes fand traditionell im Haus und im Klub statt.

Es gibt folgende Erziehungsgrundsätze: Respekt: Die Eltern zeigen Respekt in der Art, wie sie miteinander umgehen, die Kinder lernen durch Beobachtung. Schläge oder Schelte bringen nichts. Verantwortung für Pflichten: Das Mädchen verbringt die ganze Zeit mit der Mutter und lernt Aufgaben und Verantwortung der Frauen. Der Knabe lernt die Fertigkeiten des Mannes bei seinem Vater. Arbeit und Beruf: ab 16 Jahren sind Mädchen und Jungen alt genug für öffentliche Arbeiten. Gehorsam, Güte und Ausdauer : Aufgrund der Güte einiger Mitglieder lernt der Klub zu teilen und übernimmt schwere Aufgaben damit sich die Mitglieder in harter Arbeit, Ausdauer und Zusammenarbeit üben können.

Besuche zwischen Verwandten: Junge Männer gehen mit Geschenken zu Verwandten, Mädchen unterstützen die Mutter bei Beerdigungen und Geldsammlungen. Demut und die Art zu reden: Stolz und Eigennutz sollen nicht aufkommen, auch wenn jemand reich oder von hohem Rang ist, darf er nicht den Respekt gegenüber anderen verlieren. Sorge, Liebe und Mitleid: Kinder lernen allen Personen des Klans zu helfen die in Not sind, sie sollen Älteren bei der Arbeit helfen und Essen und Trinken bringen. Sorge um Haus und Distrikt: Respekt, Güte, Mitleid und Demut sind das ganze Leben zu zeigen, damit keine Schande über das Haus und den Distrikt gebracht wird. Der wichtigste Grundsatz ist allerdings der Respekt. Kinder werden noch heute so erzogen, ohne Anwendung von Strafe oder Gewalt, sie sollen durch Beobachtung lernen.

Unglaublich stark verbreitet in Palau ist die Praxis der Adoption, die seelische Konflikte hervorruft. Aus einer Studie aus dem Jahr 1983 folgt, daß 57,5 % der Einwohner in Melekeok adoptiert waren, der Mittelwert lag bei 4,8 Adoptionen pro Haushalt. Bei einer Adoption wird das Kind meist von einem Mitglied des mütterlichen Klans aufgenommen. Geben oder Nehmen eines Kindes wird als eine der höchsten Verpflichtungen unter Geschwistern angesehen. Gründe für Adoptionen sind ausgewogene Geschlechtsverteilung in jeder Generation, Bindung einer Person, Geld, Land, jede verheiratete Frau soll Kinder haben, damit der Ehemann bezahlt. Ein Kind, das von einer Frau des mütterlichen Klans adoptiert wird, steigt im Klan auf.

Ein Kind, daß von einer Frau des väterlichen Klans adoptiert wird kann nur aufsteigen, wenn es etwas leistet und fleißig ist. Die Bedrohung durch Adoption und die Bevorzugung der eigenen Kinder muß im Erleben des Kindes eine tiefe Verunsicherung hinterlassen und orale Ängste verstärken. Das Leben beginnt für einen Säugling mit ausgesprochener oraler Verwöhnung, traditionell blieb die Mutter nach der Geburt noch zehn Monate im Haus ihrer Mutter, damit sie sich ganz dem Stillen des Kindes widmen konnte. Bekam sie allerdings ein neues Kind, wurde das ältere einem Muttersubstitut, zum Beispiel der Tante, übergeben. Diese Erfahrung der abrupten Ablösung der Mutter fördert die Geschwisterrivalität. Die Kinder wachsen zwischen Beziehungsabbruch und extremer Triebfreiheit auf.

Bis zum Alter von sechs Jahren liefen die Kinder meist nackt herum, eine Sauberkeitserziehung fehlte. Ältere Kinder sollen tiefen Respekt und Gehorsam gegenüber den Erwachsenen zeigen, die sollen ruhig sein, beobachten und nicht sprechen. Während die Kinder essen, spricht der Vater mit ihnen über Erziehung. Sie sollen nicht antworten. Das bedeutet, daß Lernen als orale Inkorporation verstanden wird, das Wissen des Vaters wird gegessen und verdaut. Mit Essen wird in Palau vieles abgewehrt: Aggression, Angst vor Fremden, Sexualität und Gefühle.

Die frühe orale Verwöhnung führt zu einer Fixierung, die später hilft, Konflikte abzuwehren. Aus Angst vor oraler Aggression wird an Säuglingen gerochen, sie werden nicht geküßt. Auffallend ist das völlige Fehlen narzißtischer Konflikte. In einer Kultur, in der die Gemeinschaft Vorrang vor individuellen Bedürfnissen hat, muß eine narzißtische Entwicklung unterdrückt werden. Kinder dürfen Erwachsenen nicht in die Augen sehen, sie werden dem Tauschprinzip (Adoption) unterworfen, was eine narzißtische Besetzung verhindert. h) Heirat Mit einer Heirat verfolgten Frauen im traditionellen Palau vor allem das Ziel, ein Einkommen zu erhalten.

Es gab drei Wege zur Heirat: die von den Eltern arrangiert Heirat, die „Heirat durch zwingen von Herz und Seele“, oder zwei Menschen warben umeinander. Am häufigsten waren arrangierte Hochzeiten. Der künftige Ehemann kam mit Begleitern in das Haus der künftigen Frau, wo man sich einigte. Eine höherrangige Frau sollte keinen niedrigrangigen Mann heiraten, tat sie es doch, mußten ihre männlichen Verwandten hohe Geldstrafen zahlen. Junge unverheiratete Männer und Frauen konnten auch Liebhaber haben, allerdings durften sie sich nicht öffentlich zusammen zeigen. Wenn der Mann die Frau im Haus besuchte, mußte er bis zum Sonnenaufgang das Haus verlassen.

Wurden die beiden am Morgen zusammen gesehen, galten sie als verheiratet. Es gab keine spezielle Heiratszeremonie, allerdings wurde früher nach einigen Ehejahren vom Ehemann ein Fest veranstaltet. Heute bekommt die Frau nach einigen Jahren ein besonderes Geldstück geschenkt. Die Frau kann einen hohen Preis für die Heirat verlangen, 5000 $ sind heute keine Seltenheit. Die Ehe kann jederzeit von beiden Ehepartnern geschieden werden. Ehebruch ist besonders für die Frau streng verboten, als Strafe muß ihr Liebhaber Geld an den Ehemann oder dessen Klan zahlen, außer er ist ein hochrangigerer Titelhalter.

Bei schlechter Behandlung der Frau muß der Ehemann Strafe zahlen. Nach einer Scheidung oder Tod sowohl der Ehefrau als auch des Ehemannes zahlt der Klan des Ehemannes an den Klan der Ehefrau palauisches Geld für ihre Dienst und Arbeit im Haus des Mannes. Nach einer Scheidung bleiben die Kinder bei der Mutter. Frauen können im Prinzip heiraten, wen sie wollen, allerdings unter der Berücksichtigung der Rangordnung. Mit zunehmendem Alter müssen sie sich den Forderungen des Klans unterwerfen um im Klan Macht und Autorität zu erhalten. Als Schwestern oder ältere Frauen haben sie Macht über andere jüngere Frauen, deren genitale Sexualität und persönliche Liebe sie zu unterdrücken haben, um die Regeln der sozialen Gemeinschaft durchzusetzen.

i) Schwangerschaft und Geburt Schwangerschaft und Geburt, vor allem die Geburt des ersten Kindes einer verheirateten Frau, sind in Palau Inhalt der bedeutendsten Zeremonien. Trotzdem gibt es in Palau eine lange Tradition des Schwangerschaftsabbruchs, wobei besondere Frauen mit speziellen Pflanzenkenntnissen bei der Abtreibung halfen. Die erste Schwangerschaft und in abgeschwächter Form auch alle weiteren, ist von einer Vielzahl ritueller Tabus und Auflagen umgeben. Nach dem Ausbleiben der Menstruation muß die Schwangere ihre Mutter informieren. Während ihrer Schwangerschaft muß sie zahlreiche Essentabus einhalten, darf keinen Geschlechtsverkehr haben, nicht an heiligen Orten vorbeigehen oder allein auf der Straße gehen. Damit sie die Tabus einhält, werden ihr Begleiterinnen aus ihrem Klan zugewiesen.

Etwa im fünften Monat geht sie in das Haus ihrer Mutter zurück und bekommt vom Mutterbruder ein palauisches Geldstück, das am Hals getragen wird, damit sich das Kind gesund entwickelt. Während den restlichen Monaten sorgt die Familie der Schwangeren für nahrhaftes Essen und besondere Delikatessen, in einem besonderen Ritual im sechsten Monat wird der werdenden Mutter dann noch ein Geldstück überreicht und das Geschlecht und die Geburt des Kindes vorausgesagt. Wird es ein Mädchen, vergrößert es den Reichtum der Familie, wird es ein Knabe, stärkt es den Vater und wird ehrgeizig sein. Die Geburt findet im Kreis von Frauen statt. Kurz nach der Geburt drückt die Mutter gegen die Zunge des Neugeborenen, damit das Kind später nicht so viel redet. Die junge Mutter bleibt noch zehn Monate nach der Geburt im Haus ihrer Mutter, wo sie mit Delikatessen versorgt und von Arbeit verschont wird, um sich ganz dem Stillen des Säuglings widmen zu können.

Orale Triebbefriedigung spielt schon hier eine große Rolle. Danach muß sie keine Essentabus mehr einhalten und kann in das Haus ihres Ehemannes zurückkehren. Traditionell sollte der Ehemann während der Schwangerschaft seiner Frau im Männerhaus andere Beziehungen haben um seine Männlichkeit zu stärken. Das Kind im Mutterleib darf durch sexuelle Tätigkeit nicht verletzt werden. Heute werden Schwangerschaft und Geburt kaum mehr in der alten Form erlebt. Die Vorgänge von Schwangerschaft und Geburt sind mit starken Ängsten besetzt, die vor allem in Mythen Ausdruck finden.

Die Tabus sollen die gesunde Entwicklung der Mutter und des ungeborenen Kindes garantieren. Ihr werden Begleiterinnen zugeordnet, so daß nicht sie allein, sondern der ganze Klan verantwortlich ist. Das Essentabu soll orale und sexuelle Impulse unterdrücken, denn der Geschlechtsverkehr wird als Gefahr für das ungeborene Kind gesehen. j) Die Zeremonie des ersten Kindes Die Zeremonie des ersten Kindes ist die bedeutendste Zeremonie in Palau und besteht aus drei Teilen, aus einer Serie von heißen Bädern, aus dem Dampfbad und dem öffentlichen Auftritt. 1) Die heißen Bäder: sie beginnen nach den Ruhemonaten nach der Geburt des ersten Kindes und sollen dafür sorgen, daß die junge Mutter die heiße Sonne auf den Feldern wieder ertragen kann, daß ihre Geschlechtsorgane heilen und ihre Haut wieder rein und schön wird. Je nach Rang dauern die Bäder vier bis neun Tage, wobei etwa acht Bäder pro Tag genommen werden, die je 20 Minuten dauern.

Bei den Bädern begibt sich die junge Frau mit einer von der Familie angeheuerten Spezialistin in einen speziell hergerichteten Raum und setzt sich nackt auf Pandanusmatten. Zuerst wird die Frau von der Spezialistin mit Kokosnußöl und Gelbwurz eingerieben, um die Haut vor Verbrennungen zu schützen. Dann wird jeder Körperteil zweimal mit in heißes Wasser eingetauchten Wachsapfelzweigen kräftig geschlagen. Zum Schluß spritzt die Spezialistin wieder zweimal kochend heißes Wasser gegen die geschlagenen Körperteile. Die Frauen sollten während dieser Prozedur keinen Laut von sich geben, allerdings schreien sie meist vor Schmerzen auf, wenn das heiße Wasser Unterarm oder Genitalien trifft. 2) Das Dampfbad: am Morgen des öffentlichen Auftritts begibt sich die junge Frau in eine speziell errichtete Dampfhütte, wieder ist sie mit Öl und Gelbwurz eingerieben.

Sie sitzt nackt auf einem Stuhl, in dessen Mitte ein Loch ist. Frauen der Mutterseite stellen Töpfe mit gekochtem Taro im Kreis um die junge Mutter, wobei ein Stück speziell gekochter und in aromatischen Kräutern gewälzter Taro unter den Sitz der jungen Mutter gestellt werden. Die Tür der Hütte wird geschlossen, und die Frau soll die Hitze möglichst lange aushalten. Es heißt, das ihre Genitalien „gedämpft“ werden. Nach dem Dampfbad zieht sie sich in einem anderen Raum für den öffentlichen Auftritt um. Der Taro unter dem Stuhl wird den Schwestern und der Mutter des Ehemannes zu essen gegeben und gilt als besonders wohlschmeckend.

3) Der öffentliche Auftritt: mit einem besonderen Geldstück um den Hals wird die junge Mutter von den Schwestern des Ehemannes in die Öffentlichkeit begleitet. Sie darf nur auf den Grasmatten stehen, die bei ihren Baderitualen benutzt wurden. Die Frauen der Vaterseite begrüßen die Frau tanzend und bespritzen ihre Füße mit dem selben Wasser, das beim Dampfen benutzt wurde, womit sie geehrt werden soll, und stecken ihr Geld zu. Danach wird sie von den Schwestern des Ehemannes wieder in das Haus der Mutter zurückgeführt, wo traditionelle Tauschhandlungen stattfinden. Traditionell betraten die jungen Frauen eine speziell errichtete Schaubühne, wobei die Höhe und Anzahl der Stufen dem Rang der Frau entsprachen. Mit der Zeremonie wird das Kind vom Klan des Ehemannes angenommen und begrüßt.

Als die Autorin eine solche Zeremonie beobachtete, fiel ihr auf, daß die Mutter während der gesamten Zeremonie den Blick gesenkt hielt, und das Kind, das ihr gereicht wurde, ohne jede Liebkosung auf dem Schoß hielt. Daraus schloß sie, daß die Zeremonie nicht dem Kind, sondern der Gebärfähigkeit der jungen Mutter gilt, wodurch wieder jede persönliche narzißtische Gratifikation abgewehrt wird. Die Frau gibt das Kind der Vaterseite und erhält dafür Geld, narzißtische Wünsche werden durch rituellen Tausch abgewehrt.   Auf der anderen Seite scheinen starke Aggressionen mit der Mutterschaft verbunden zu sein, was sich in einigen Ritualen äußert (z.B. das Essen des Taros, das beim Dampfbad unter dem Sessel der Frau war à bedeutet symbolisch das Essen und somit Vernichten der Genitalien selbst, oder das Schlagen der Mutter mit den Wachsapfelzweigen und das Bespritzten mit dem heißen Wasser).

Die Aggression bleibt aber unbewußt und wird ritualisiert abgewehrt. k) Tod und Beerdigung Auch Tod und Beerdigung sind von ausgeprägten Ritualen umgeben, diese werden nur von Frauen geleitet. Die ersten zehn Tage nach dem Tod eines Menschen sind in Palau die unmittelbare Trauerperiode. Viele alte und kranke Menschen kehren noch heute in das Haus der Mutter oder des Oberhaupts des mütterlichen Klans zurück. Nahe Verwandte müssen die Beerdigungsrituale durchführen, wenn sie Seele in die nächste Welt einziehen soll, als geeignetste Person gilt dabei die Schwester des Toten. Die Frauen baden den Körper des Toten, kleiden ihn an und verschließen alle Körperöffnungen mit einem Tuch, damit keine Flüssigkeit austreten kann.

Die trauernden Frauen sitzen in einem Kreis um den Verstorbenen, die Position am Kopf des Toten, die die wichtigste ist, ist reserviert für die naheste weibliche Verwandte. Der Körper muß vor Einbruch der Dunkelheit beerdigt werden, vorher muß vom Verstorbenen noch der Titel genommen werden. Der Titelabnehmer hält zuerst eine kurze Ansprache über die Verdienste des Verstorbenen, dann überträgt er mit Hilfe eines Rituals den Titel zuerst auf ein Bündel Palmblätter, daß er in der Hand hat, und danach auf den neuen Titelhalter, wenn dieser schon gewählt wurde. Danach wird der Tote auf Bambusstäben zum Grab getragen und mit seinem Geburtsnamen beerdigt. Nach der Beerdigung wird ein Fest abgehalten. Die Trauerfrauen, die den Toten begleiten sollen, singen während der Trauerperiode Todeslieder, flechten Matten und tanzen.

Am Abend des dritten Tages nach der Beerdigung wird die Befragung der Götter abgehalten, um die Todesursache des Verstorbenen zu klären. In einer weiteren Zeremonie wird das Grab des Verstorbenen mit Steinen versiegelt. War der Verstorbene verheiratet, wird eine letzte Entscheidung gehalten. Beim Tod der Ehefrau wie auch des Ehemannes muß der Klan des Mannes an den Klan der Frau Geld zahlen. Wie die Geburt ist auch die Beerdigung Sache der Frauen. Männer und Frauen kehren zum Haus der Mutter zurück.

Der Tote wird mit der Entfernung des Titels quasi wieder zum Kind, und schafft nur unter der Obhut seiner weiblichen Verwandten den Übergang in die Welt der Toten. Mütterlichkeit bietet Schutz und Stärke bei der Verhandlung mit den Göttern. Darin besteht die Basis der Frauenmacht. Der Titel symbolisiert nicht Herrschaft über Menschen, sondern Verbundenheit mit dem Land à der entfernte Titel wird wieder auf eine Pflanze übertragen. In Palau gilt: „Nicht wir besitzen das Land, sondern das Land besitzt uns.“, worin sich eine eher weibliche Vorstellung von Macht äußert.

l) Totem und Tabu Jeder kleinere oder größere Distrikt von Palau hat seinen eigenen Gott. Es gibt weibliche und männliche Götter, die von Tieren repräsentiert werden, die ihrerseits tabuisiert sind. Die Götter des Distrikts sollen das öffentliche Eigentum des Distrikts und seine Bewohner vor Feinden und Krankheiten schützen. Jeder Gott hat ein Medium, durch das er bei einer Befragung spricht. Außer den Göttern des Distriktes hat jeder Klan seinen eigenen Gott, der die Mitglieder des Klans krank werden läßt, wenn sie sich gegenseitig verletzten oder wenn Eifersucht aufkommt. Neben den Göttern gibt es noch die Geister der Verstorbenen.

Die Geister des eigenen Klans werden als Schutzgeister angesehen, gefürchtet werden die Geister anderer Klane. Besonders die Geister von Menschen, die ohne Ehrerbietung außerhalb der Familiengräber beerdigt wurden, wie es bei geköpften Kriegern, getöteten Liebhabern der Ehefrauen, Frauen die im Kindbett starben und Selbstmördern geschieht, sind sehr gefürchtet. Götter sind mächtiger als Geister, ein Gott eines ranghohen Klans ist bedeutender als der eines rangniedrigen. Der Gott des Distrikts hatte ein Haus im Mittelpunkt des Dorfes, wo Essen geopfert wurde. Götter werden oft von Fischen oder anderen Meerestieren repräsentiert, manche Götter haben auch mehrere Totemtiere. Ein Totemtier muß gefüttert werden, wenn man ihm begegnet, und es zu töten oder zu essen sind schwere Verbrechen.

Die Tabusektion eines Dorfes ist dort, wo der Gott wohnt. Götter werden als Beschützer, aber auch als Kontrolleure der sozialen Regeln angesehen. Dadurch übernehmen die Götter Über – Ich – Funktionen. Sie müssen mit Geldzahlungen oder ihren Lieblingsspeisen versöhnt werden. Die Klanmitglieder sind durch ein spezielles Essentabu miteinander verbunden. Aufgrund der im Unbewußten vollzogenen Gleichsetzung von Essen und Sexualität dient das Tabu der Aufrechterhaltung der Inzestschranke.

Das Totemtier ist bei Freud Vaterersatz. Der Totemismus hat das Vorherrschen oraler Phantasien (Essen = Sexualität) zur Voraussetzung und die Identifizierung mit den Geschwistern bzw. der Gleichaltrigengruppe an Stelle der Rivalität mit dem Vater. Die Beziehung zwischen Bruder und Schwester ist daher besonders durch inzestuöse Wünsche gefährdet. m) Die Kopfjagd Krieg und Kopfjagd dienten in Palau, äußerlich betrachtet, der Geldeinnahme. Zwischen befeindeten Distrikten gab es große und kleine Kriege.

Große Kriege wurden entweder bei Tag ausgeführt, wobei die Angreifer bei Ebbe auf dem trockenen Ufer landeten und im Zweikampf mit Speeren um den Sieg rangen. Der Sieger erhielt den Kopf des Besiegten. Bei der anderen Art von großem Krieg griffen die Feinde in der Nacht bei Hochwasser an. Friede zwischen den Feinden wurde durch Geldzahlungen des Besiegten wiederhergestellt. Der kleine Krieg (auch „Menschensuchen“ genannt) galt der Jagd auf Menschen, deren abgeschlagener Kopf für die Dörfer von großer Bedeutung war. Zu verschiedenen Anlässen wurde ein Kopf gebraucht: wenn ein neuer Titelhalter sein Amt antreten wollte, wenn einer der höchsten Titelhalter durch die Beleidigung eines Gottes krank geworden war, wenn ein spezieller Tanz aufgeführt wurde, wenn ein Gotteshaus aufgestellt wurde, beim Errichten eines Männerhauses, wenn die eine Dorfhälfte der anderen Dorfhälfte eine festliche Überraschung bereiten wollte.

Mit Zustimmung der Männerversammlung machte sich ein junger Männerklub auf die Suche nach einem Kopf, wobei vor allem einzelne unbewaffnete Männer und nicht selten Frauen überfallen wurden. Der kopflose Tote wurde an der Stelle seines Todes ohne Zeremonien begraben. Die Verwandten des Toten mußten bei der nächsten Gelegenheit Rache für den Toten nehmen, allerdings durften Köpfe nicht zum Vergnügen „gesucht“ werden. Mit dem Kopf, der immer in einem Korb blieb, zogen die Männer, nachdem sie sich mit Gelbwurz eingerieben hatten, dann tanzend von Distrikt zu Distrikt, wo sie bezahlt wurden. Im letzten Dorf wurde der nun nutzlose Kopf schließlich weggeworfen, oder begraben, falls die Verwandten des Toten darum gebeten und Geld geschickt hatten. Die Autorin meint, man könne die gesamte Zeremonie der Kopfjagd auf den Gebärneid der Männer in einer matrilinearen Kultur zurückführen.

Die Kopfjagd bezeichnete den Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenalter. Im Übergangsritus wird Männlichkeit nicht durch symbolische Kastration (Beschneidung) und Unterwerfung unter den Vater gesichert. Ein Kopf wird gewaltsam (aufgrund des Gebärneides) genommen, es kommt zur weiblichen Identifizierung (Gelbwurz) mit Unterwerfung unter den Vater (der Kopf wird dem Kriegsgott geopfert) durch das Geschenk eines Kindes (= Kopf) anstelle einer symbolischen Kastration. Das Zeigen des Kopfes kann mit dem Zeigen des Kindes bei der Zeremonie des ersten Kindes verglichen werden, wobei die Frau einen Beweis für ihre Gebärfähigkeit bringt. Allerdings dürfen auch diesmal keine narzißtischen Gefühle aufkommen. Die Tänzer wurden bezahlt, der Kopf nach der letzten Zahlung achtlos weggeworfen.

Der Krieger wurde nicht wegen seines Mutes geehrt, sondern es wurde nur der Kopf bezahlt. Der Krieger muß ein Kind geben, die befreundeten Dörfer Geld. Die Spaltung in befreundete und befeindete Dörfer, eine Spaltung in Gut und Böse, gestattete das Ausleben sonst abgewehrter Aggressionen. n) Palau aus ethnopsychoanalytischer Sicht Die Kultur Palaus bietet ein eindrucksvolles Beispiel für die Vorzüge einer mutterrechtlichen Kultur. Die Gemeinschaft bietet Schutz, Geborgenheit und eine stabile Identifizierung mit der eigenen Geschlechtsgruppe. Aggressionen innerhalb der eigenen Geschlechtsgruppe werden erfolgreich durch rituelle Handlungen (Zeremonie des ersten Kindes) kontrolliert.

Ältere Menschen, Frauen wie Männer, erfahren uneingeschränkten Respekt, sie werden als Abkömmlinge der Götter betrachtet. Verantwortlich für ein Vergehen gegen die Gemeinschaft ist nicht der einzelne, sondern immer seine Gruppe. Der einzelne ist entlastet, Strafe ist nicht bedrohlich, sondern beruht auf der Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Die Kultur ist geprägt von einem hohen moralischen Niveau. Das Streben nach Machtbalance ist die Grundlage der Kultur. Das Dualitätsprinzip kontrolliert Aggression, die diese Machtbalance gefährdet.

Auch das Verhältnis der Geschlechter ist vom Streben nach gegenseitigem Respekt und Ehrfurcht geprägt. Die Autorin meint, sie habe noch keine Kultur erlebt, der es gelungen ist, den Umgang der Geschlechter miteinander derart respektvoll und gewaltfrei zu gestalten.   + sehr anschaulich erklärt, sehr gute Gliederung   - die Art und Weise der Arbeit der Forscherin ist etwas unklar

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